Kupfermuckn-Chefredakteurin warnt vor sozialer Gefährdung in Österreichs Unterstützung für Obdachlose

September 4, 2025 01:33
Kupfermuckn-Chefredakteurin warnt vor sozialer Gefährdung in Österreichs Unterstützung für Obdachlose

Kupfermuckn: Relaunch und Herausforderungen der Obdachlosenzeitung

Im Zuge eines Interviews äußerte sich Daniela Warger, Chefredakteurin der Kupfermuckn, zu den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der oberösterreichischen Obdachlosenzeitung. Sie warnt vor einer „gesellschaftlich gefährlichen Entwicklung“, da soziale Förderungen zunehmend gekürzt werden. Darüber berichtet Welt Stimme.

Die Kupfermuckn wurde 1996 aus einer Schreibwerkstatt gegründet und ist Teil eines Netzwerks internationaler Straßenzeitungen. Ursprünglich als Projekt der ARGE für Obdachlose ins Leben gerufen, gibt es heute zehn Ausgaben pro Jahr. Die Zeitung entstand in Anlehnung an die erste Straßenzeitung der Welt, die 1989 in New York (Street News) veröffentlicht wurde. Die Idee, eine solche Zeitung in Linz zu etablieren, entstand nach der Gründung des „Augustin“ in Wien im Jahr 1995.

Der Name „Kupfermuckn“ leitet sich aus dem Vagabunden-Slang ab und bedeutet „Geheimer Unterschlupf“. Obwohl die genaue Entstehung des Begriffs unklar bleibt, ist der Schriftzug der Zeitung seit ihrer Gründung unverändert.

Die redaktionelle Zusammenarbeit mit obdachlosen Menschen erfolgt eng und regelmäßig. Jeden zweiten Mittwoch findet ein Treffen mit dem Betroffenen-Team statt, bei dem Themen besprochen werden, die die Verkäufer bewegen. Die Obdachlosen verfassen die Artikel oft aus ihrer eigenen Erfahrung und werden dabei von Redakteuren unterstützt. Für jeden veröffentlichten Text erhalten sie 20 Euro. Momentan sind in Oberösterreich rund 300 Verkäufer aktiv, die Hälfte davon in Linz.

Mit dem Relaunch im Herbst 2024 erhielt die Kupfermuckn ein modernes, ansprechendes Design. Warger berichtete von positiver Resonanz: Die Lesefreundlichkeit habe sich erheblich verbessert, und die Zeitung sei bunter und einladender geworden. Dies spiegelt die Vielfalt der Verkäufer wider, die aus unterschiedlichen Herkunftsländern stammen. Um die schweren Themen aufzulockern, wurden neue Rubriken wie „Good News“ und „Selbstgemacht“ eingeführt, und es gibt jetzt sogar eine Kinderseite namens „Kupfermücklein“. Trotz der positiven Änderungen verläuft die Einführung digitaler Zahlungsmethoden schleppend: Nur knapp 20 Prozent der Käufer nutzen diese Möglichkeit.

„Wir haben in Meinungsumfragen gesehen, dass uns vor allem Menschen aus der unteren Mittelschicht unterstützen. Die brechen dann aber weg, wenn das Geld nicht mehr so vorhanden ist.“

Kupfermuckn-Chefredakteurin Daniela Warger

Die zunehmende Digitalisierung stellt Straßenzeitungen wie die Kupfermuckn vor neue Herausforderungen. Ein Ziel ist die Etablierung einer E-Paper-Version, was aber derzeit an den begrenzten Möglichkeiten scheitert. Platz für weitere Ideen zur digitalen Umsetzung ist jedoch vorhanden.

Die Verkäufe stagnieren bei einer Auflage von etwa 18.000 Exemplaren, stark zurückgegangen von einst 40.000. Warger hebt hervor, dass die Teuerung und wirtschaftliche Unsicherheit vor allem die Unterstützung aus der unteren Mittelschicht beeinträchtigen. Kürzungen in der Steiermark, wo die FPÖ-geführte Landesregierung 40.000 Euro jährlich an Fördergeldern für die Obdachlosenzeitung „Megaphon“ gestrichen hat, bereiten ihr Sorgen.

„Mit einer Auflagenhöhe von 18.000 könnten wir die Kupfermuckn ohne Fördermittel nicht mehr finanzieren“, so Warger weiter. Die Entwicklung, dass staatliche Unterstützung sinkt und soziale Einrichtungen durch private Initiativen finanziert werden müssen, sei besorgniserregend.

Die Kupfermuckn erhält derzeit Förderungen vom Land Oberösterreich und Unterstützung von der Energie AG für die digitale Bezahlmöglichkeit. Zudem half eine Großspende der Millionenerbin Marlene Engelhorn, die 52.550 Euro für jede Straßenzeitung in Österreich zur Verfügung stellte.

Warger appelliert an die Politik, die Förderung der Obdachlosenzeitungen fortzusetzen, um der Gefahr zu begegnen, dass die Ärmsten der Gesellschaft vergessen werden. „Es geht darum, dass wir ein menschliches Miteinander leben“, hebt sie hervor.

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