Ernteverluste in der Steiermark: extreme Trockenheit und Frühfröste treffen Landwirtschaft hart

Oktober 30, 2025 15:32
Ernteverluste in der Steiermark: extreme Trockenheit und Frühfröste treffen Landwirtschaft hart

Die extreme Sommertrockenheit und Frühfröste haben in Teilen der Steiermark massive Ernteeinbußen verursacht. Die Landwirtschaftskammer Steiermark informierte am Donnerstag darüber, welche Kulturen besonders betroffen sind und wo gute Erträge erzielt werden konnten. Neben der Erntebilanz wurde auch über das Thema Lebensmittelpreise gesprochen. Darüber berichtet Welt Stimme.

GRAZ/STEIERMARK. Der Klimawandel hat in der steirischen Landwirtschaft in diesem Jahr erhebliche Schäden angerichtet: Die extreme Sommertrockenheit von Juni bis September, insbesondere im Süden und Westen der Steiermark, sowie die frühen Herbstfröste Anfang Oktober haben die Ernte stark beeinträchtigt. Laut der Landwirtschaftskammer gab es besonders drastische Verluste bei Mais und Kürbis, in einigen Fällen sogar Totalausfälle. Die Erdäpfel-Erträge im Grazer Feld gelten als „katastrophal“. Zudem haben die Oktoberfröste die Hoffnungen auf eine gute Käferbohnen-Ernte zunichtegemacht, was zu einer unterdurchschnittlichen Ernte führen wird.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die gentechnikfreien Sojabohnen die Sommertrockenheit relativ gut überstanden haben und die Hirseernte erfreuliche Erträge erzielen konnte. Auch die steirischen Äpfel haben sich nach den massiven Schäden durch Spätfröste in den letzten zwei Jahren erholt, und die diesjährige Apfelernte zeichnet sich durch besonders geschmackvolle Früchte aus. Gute Nachrichten kommen auch von den steirischen Weinbauern, die sich über eine sehr gute Ernte freuen können.

Mit Humus gegen Klimawandelschäden

Um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken, haben sich die steirischen Landwirte verstärkt dem aktiven Humusaufbau gewidmet. Kammerdirektor Werner Brugner betont, dass der Boden eine Schlüsselrolle bei der Milderung der Klimawandelschäden spielt: „Hier sind die steirischen Bäuerinnen und Bauern auf einem guten Weg, die Widerstandskraft der Böden gegen Trockenheit und Starkniederschläge zu verbessern.“ Ein höherer Humusgehalt im Boden schützt Pflanzen und Böden sowohl vor Regen als auch vor Trockenheit.

„Humusaufbau wird von vielen Landwirtinnen und Landwirten bereits sehr professionell betrieben“, erklärt Franz Uller, Humusbauer aus Feldbach. Auf 24.000 Hektar kultivieren 2.500 steirische Ackerbauern ihre Flächen unmittelbar nach der Ernte, um Humus aufzubauen. Ein Kompetenzzentrum für Acker, Humus und Erosionsschutz in Feldbach unterstützt die Landwirte in diesen Bemühungen und fördert die Entwicklung weiter: „Wir sind auf dem richtigen Weg, noch mehr Bäuerinnen und Bauern in diese Richtung mitzunehmen“, so Uller.

Die Treiber der Lebensmittelpreise

Der Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger macht nicht nur den Klimawandel verantwortlich für die derzeitige Situation, sondern auch die Debatte um die Lebensmittelpreise. Er betont, dass der Agrarsektor nicht der Preistreiber sei: „Die Landwirtschaft ist kein Preistreiber – im Gegenteil, sie ist in der Wertschöpfungskette am stärksten unter Druck.“ Von den aktuellen Lebensmittelpreisen komme oft nur wenig im Agrarsektor an.

Steinegger weist auf folgende Statistiken hin: Von den 2,39 Euro, die ein steirischer Apfel im Durchschnitt kostet, gehen lediglich 50 Cent an den Obstbauern. Bei einem Kilo Mischbrot, das im Handel durchschnittlich 3,40 Euro kostet, erhält der Landwirt nur 18 Cent. Für ein Schnitzel, das im Restaurant durchschnittlich 18,47 Euro kostet, bleibt dem Produzenten lediglich 53 Cent. „Die Gewinne bleiben woanders hängen“, äußert der Präsident der Landwirtschaftskammer und fordert mehr Transparenz in der Lebensmittellieferkette, um die eigentlichen Preistreiber zu identifizieren.

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