Die Diskussion um die Gehälter und Funktionsentschädigungen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) setzt sich fort. WKO-Präsident Harald Mahrer sucht nach massiver öffentlicher Kritik um Schadensbegrenzung und gesteht eigene Versäumnisse ein. Darüber berichtet Welt Stimme.
In mehreren Interviews, darunter eines mit dem Radiosender Ö1, zeigte sich Mahrer am Samstag einsichtig. „Wir haben Fehler gemacht. Ich habe Fehler gemacht“, erklärte der WKO-Präsident. Der „größte Fehler“ liege im Bereich der Kommunikation sowie in einer Fehleinschätzung der öffentlichen Reaktion.
Während der internen Verhandlungen seien keine Inhalte nach außen kommuniziert worden, was ein „Vakuum“ erzeugt habe, in das Interpretationen und Spekulationen getragen worden seien. „Das würde ich so in dieser Form nie wieder machen“, betonte er. Zudem hätte man einige Punkte im Gesamtprozess früher diskutieren und anders einschätzen müssen.
Kritik an Gehaltserhöhungen
Der Ursprung der Kontroversen war ein Bericht der Presse, der zu Wochenbeginn enthüllte, dass die WKO eine Gehaltserhöhung um 4,2 Prozent plante. Nach harscher Kritik von Seiten der Industriellenvereinigung Wien und den Grünen zog die Kammer ihre ursprüngliche Position zurück.
Die Gehaltserhöhung soll nun erst ab Juli 2025 in Kraft treten und nicht, wie ursprünglich geplant, bereits ab Januar. Mahrer wies den Vorwurf einer „Mogelpackung“ entschieden zurück: „Das war keine Absicht. Wir haben unsauber kommuniziert.“
Im Ö1-Mittagsjournal räumte Mahrer ein, die öffentliche Wahrnehmung falsch eingeschätzt zu haben. Die mangelnde Kommunikation während der Verhandlungen führte zu Missverständnissen.
Steigerungen bei Funktionsentschädigungen
Zusätzliche Empörung verursachten Medienberichte über signifikante Steigerungen der Funktionsentschädigungen für WKO-Präsidenten in mehreren Bundesländern. Laut ORF und Kronen Zeitung stiegen die Bezüge in Tirol von 6.400 auf 10.000 Euro monatlich – eine Erhöhung von über 60 Prozent. In Burgenland und Steiermark stiegen die Entschädigungen um rund 55 Prozent.
In Wien und Niederösterreich wird bereits der gesetzliche Höchstsatz von rund 14.000 Euro monatlich ausgeschöpft. Als Begründung für die Erhöhungen geben die Kammern an, dass über Jahre hinweg keine Inflationsanpassung vorgenommen wurde. Mahrer bezeichnete die Änderungen als Teil einer „Systemumstellung“ und wies darauf hin, dass ein intransparentes System mit Zuschlägen abgeschafft wurde. „Wir haben hier ein altes, undurchsichtiges System bereinigt“, sagte Mahrer und räumte ein, dass der Zeitpunkt „im Jahr 2025 vielleicht nicht klug“ gewählt gewesen sei.
Rechnungshof prüft Mehrfachbezüge
Auch Mahrers eigene Bezüge stehen verstärkt in der Kritik. Im Interview mit der Presse gab er zu Protokoll, dass er monatlich rund 28.500 Euro brutto bezieht – zwölfmal im Jahr, aus seinen Funktionen als WKO-Präsident, Präsident des Wirtschaftsbundes und Präsident des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).
Während er in seiner ersten Amtszeit auf die Vergütung für die Aufsichtstätigkeit bei der OeNB verzichtet hatte, bezieht er diese nun wieder, begründet durch den gestiegenen Arbeitsaufwand. Sowohl Mahrer als auch die OeNB sehen darin kein Problem.
Der Rechnungshof kündigte an, Mahrers Mehrfachbezüge sowie die Finanzgebarung der Wirtschaftskammer im ersten Quartal 2026 zu überprüfen. Dabei soll festgestellt werden, ob die Vergütungen den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen und transparent abgewickelt wurden.
Rücktritt ausgeschlossen
Trotz umfassender Kritik denkt Mahrer nicht an einen Rücktritt. „Nein, selbstverständlich nicht“, antwortete er auf die Frage nach einem möglichen Ausscheiden. Er möchte „aus den Fehlern lernen“, die Kommunikationsstrategie verbessern und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen:
„Wir werden durch transparente Kommunikation und genaues Zuhören das Vertrauen wieder aufbauen.“
Gleichzeitig verteidigte er die Arbeit der Kammer: „Die Wirtschaftskammer hat 5.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen großartigen Job machen. Man kann sich gern an mir abarbeiten – aber nicht an ihnen.“


