Zara und Bershka kehren über Umwege in den russischen Handel zurück

Dezember 3, 2025 13:30
Zara und Bershka kehren über Umwege in den russischen Handel zurück
Zara und Bershka kehren über Umwege in den russischen Handel zurück

Rückkehr westlicher Modemarken trotz offizieller Marktabkehr

In Russland sind erneut Kollektionen der Marken Zara, Bershka, Massimo Dutti und Stradivarius in den Regalen aufgetaucht, obwohl der spanische Konzern Inditex den Markt bereits 2022 verlassen und sein lokales Geschäft verkauft hatte. Laut einem Bericht der Financial Times über die erneute Präsenz von Inditex-Marken im russischen Einzelhandel, der sich auf Handels- und Zolldaten stützt und detailliert beschreibt, wie Ware über neue Vertriebskanäle in die Läden der Kette „Tvoe i Ko“ gelangt, wurden die Produkte zunächst in neun Filialen angeboten und sind mittlerweile in 19 Geschäften in Moskau, Sankt Petersburg, Nischni Nowgorod und weiteren Städten erhältlich. Ein Teil der Kleidungsstücke war ursprünglich für den Verkauf in EU-Ländern bestimmt, andere stammen aus China.

Der anhaltende Wunsch russischer Verbraucher nach international bekannten Marken schafft damit einen stabilen Absatzmarkt, der auch nach dem Rückzug westlicher Konzerne weiter funktioniert. Kleidung von Zara oder Bershka gilt für viele Kundinnen und Kunden als Symbol für Status und eine Art „Normalität“, die trotz Krieg, Sanktionen und politischer Isolation bewahrt werden soll. Diese Nachfrage treibt alternative Lieferwege an und speist einen Schattenkanal, der Russland weiterhin mit Produkten der globalen Modeindustrie versorgt.

Distanzierung von Inditex und Konstruktion neuer Importwege

Inditex betont, keinerlei operative Tätigkeit mehr in Russland zu haben und jede Verbindung zu lokalen Strukturen zurückzuweisen, die mit seinen Marken handeln. Der Konzern verweist darauf, dass er die Aktivitäten im Land eingestellt und den dortigen Geschäftsbetrieb verkauft habe. Eine unmittelbare Rückkehr auf den russischen Markt würde erhebliche Reputationsrisiken nach sich ziehen, insbesondere in der EU und in den USA, wo Geschäftsbeziehungen mit einem Staat, der einen Angriffskrieg führt und internationales Recht verletzt, als unvereinbar mit moderner Unternehmensethik gelten.

Gleichzeitig nutzen russische Zwischenhändler und sogenannte „Briefkastenfirmen“ weiterhin parallele oder „graue“ Importströme. Im Fall der Inditex-Marken lässt sich anhand von Deklarationen nachvollziehen, dass Ware sowohl aus EU-Staaten als auch aus China in das Land gelangt. Solche Wege erlauben es russischen Anbietern, globale Lieferketten auszuschöpfen und gegenüber den Kunden den Eindruck aufrechtzuerhalten, als seien bekannte Marken nach wie vor regulär im Land präsent – ohne dass formell ein direkter Vertrag mit dem Markeninhaber besteht.

Russische Händler und juristische Konstruktionen verschleiern Herkunft

Die russische Modekette „Tvoe“ nutzt eigene Projekte und neue Markenauftritte, um die eingeführte Ware als „bezahlbare Markenmode“ zu vermarkten und gleichzeitig die Herkunft der Lieferkanäle zu verschleiern. Während die Zahl der Verkaufsstellen wächst, berufen sich beteiligte Firmen auf Geheimhaltungsvereinbarungen und sprechen von „technischen Dienstleistungen“, um die Rolle einzelner Akteure herunterzuspielen. Deklarationen der Firma Disco Club führen Inditex zwar als „Lieferanten“, dienen aber in erster Linie dazu, den Import formal zu untermauern, ohne den tatsächlichen Warenfluss transparent zu machen.

Solche Dokumente sind rechtliche Konstrukte, die eine Fassade von Legalität im Außenhandel schaffen, ohne einen offiziellen Zusammenhang mit dem Markenhersteller zu beweisen. Dadurch können russische Unternehmen Verantwortung abwälzen und auf angebliche Dritte verweisen, welche die operativen Abläufe „technisch“ betreuen. Für internationale Beobachter entsteht das Bild eines Marktes, der sich bewusst in juristischen Grauzonen bewegt, um die Wirkung von Sanktionen und freiwilligen Marktaustiegen zu unterlaufen.

Schwachstellen globaler Lieferketten und Forderung nach schärferen Kontrollen

Der Fall der Inditex-Produkte in Russland legt strukturelle Schwächen globaler Lieferketten und der Zollaufsicht offen. Selbst nach einem offiziellen Rückzug können Waren über Drittstaaten, Wiederverkauf oder Umverteilung in den Markt einer Aggressornation gelangen. Für Konzerne entsteht damit eine neue Verantwortungsebene: Es genügt nicht, den Rückzug öffentlich zu erklären, sie müssen zusätzlich Mechanismen entwickeln, um den sekundären Warenverkehr zu überwachen und zu begrenzen.

Internationale Organisationen und Regierungen stehen vor der Aufgabe, Instrumente zu schaffen, die das Umlenken von Markenware in sanktionierte Märkte erschweren. Dazu gehören verbesserte Nachverfolgungssysteme entlang der Lieferketten, strengere Kontrollen von Re-Exporten und eine engere Zusammenarbeit der Zollbehörden. Gleichzeitig gewinnt die Debatte über ethische Unternehmensführung an Bedeutung: Unternehmen und Staaten sind gefordert, eine klare Haltung gegenüber Geschäftsmodellen einzunehmen, die trotz Sanktionen wirtschaftliche Aktivität in Russland ermöglichen und damit die Wirkung restriktiver Maßnahmen untergraben.

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