Das Weingut Cobenzl sieht sich derzeit schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt, nachdem bekannt wurde, dass etwa die Hälfte der Anbauflächen, rund 30 Hektar, von biologischer auf konventionelle Bewirtschaftung umgestellt wurden. Die Stadt Wien betont die Korrektheit der Abläufe, während die Opposition dies als einen „Weinskandal“ bezeichnet. Darüber berichtet Welt Stimme.
WIEN/DÖBLING. Wie der „Kurier“ zuerst berichtete, wirft die Situation Fragen zur Transparenz auf. Die Stadt Wien rechtfertigt die Umstellung, die kurzfristig vorgenommen wurde, mit Maßnahmen zur Qualitätssicherung und betont, dass der Einsatz chemischer Düngemittel auf den Flächen am Bisamberg nicht ausgeschlossen werden konnte.
Die zuständige MA 49 (Magistratsabteilung 49 für Forst- und Landwirtschaft) betont die Notwendigkeit dieser Entscheidung. Es wird darauf hingewiesen, dass die Umstellung von den Verantwortlichen weder verheimlicht noch missbräuchlich kommuniziert wurde. Ein Sprecher der Behörde erklärt, dass durch die Meldung an die Landwirtschaftskammer und die Bio-Zertifizierungsstelle sichergestellt wurde, dass kein Wein fälschlicherweise als Bio-Produkt in den Verkauf gelangte. Die vollständige Rückkehr zur biologischen Bewirtschaftung soll laut MA 49 jedoch erst im Jahr 2028 abgeschlossen sein, da dies einen Zeitraum von drei Jahren erfordert.
Meldung erfolgte rechtzeitig
Gegenüber den Medien äußert die Behörde, dass die Kommunikation der Umstellung transparent war und rechtzeitig durchgeführt wurde. Dies sei wichtig gewesen, um die Integrität der Bio-Zertifizierung zu schützen. Dennoch bleibt die Kritik der Opposition unüberhörbar. FPÖ und Grüne äußern Bedenken bezüglich des Einflusses dieser Praktiken auf die gesamte Weinbranche.
Tina Wirnsberger, Umweltsprecherin der Grünen Wien, warnt vor einem nachhaltigen Schaden für die ganze Branche: „Wenn eines der größten städtischen Weingüter Flächen konventionell bewirtschaftet, während es sich als Bio-Vorzeigebetrieb präsentiert, führt dies nicht nur zu einem Imageschaden für das Weingut Cobenzl, sondern auch zu einem Vertrauensverlust in die gesamte Bio-Zertifizierung.“
„Weinskandal ungeahnten Ausmaßes“
Die Wiener Freiheitlichen bringen noch schwerere Vorwürfe vor. Umweltsprecher Michael Stumpf bezeichnet die Situation als „Weinskandal ungeahnten Ausmaßes“ und spricht von einem „systemischen Versagen“ auf Seiten des zuständigen Stadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Stumpf formuliert scharfe Kritik: „Das ist nicht nur unglaublich, sondern auch beschämend für den Wiener Weinbau und ein Schlag ins Gesicht der Konsumenten.“
Die FPÖ hat bereits angekündigt, entsprechende Anfragen an den zuständigen Stadtrat zu stellen, um umfassende Klarheit zu schaffen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Diskussion über die Zukunft der Bio-Zertifizierung und die Wahrung des Verbrauchervertrauens steht nun im Fokus der öffentlichen Debatte.


