Die wirtschaftliche Lage der Zuckerindustrie in Europa und Österreich bleibt auch für das Anbaujahr 2026 angespannt. Dies wurde bei der 63. Vollversammlung des Burgenländischen Rübenbauernbundes im Vinatrium in Deutschkreutz deutlich. Sinkende Preise, ein anhaltender Angebotsüberhang sowie internationale Marktverwerfungen setzen die Zuckerrübenbauern weiter unter Druck. Darüber berichtet Welt Stimme.
DEUTSCHKREUTZ / BURGENLAND. Im Burgenland betrieben im Jahr 2025 etwa 176 Rübenbäuerinnen und Rübenbauern auf einer Fläche von etwa 1.800 Hektar Zuckerrübenanbau. Die Erntemenge betrug rund 136.300 Tonnen. Im März 2025 folgte eine alarmierende Nachricht für die Zuckerrübenbauern: Die Schließung der Agrana-Zuckerfabrik sowie einer weiteren Zuckerfabrik in Tschechien verschärfte die ohnehin angespannten Bedingungen in der Branche zusätzlich. Präsident Markus Fröch schilderte die Situation als düster: Die Preisaussichten seien „niederschmetternd“, wodurch die wirtschaftliche Lage der Zuckerindustrie weiterhin angespannt bleibe. Für das Jahr 2026 sei daher mit einer Anbaufläche auf niedrigem Niveau zu rechnen.
Rübenpreise deutlich unter Kostendeckung
Nach den Hochpreisjahren 2022 und 2023 hat sich die Lage erheblich verschlechtert. Für die Abrechnung im Jahr 2025 wird laut Fröch ein Rübenpreis von knapp 35 Euro pro Tonne erwartet, was einem ähnlichen Niveau wie 2024 entspricht. Zum Vergleich: 2023 lagen die Preise noch deutlich höher. Um kostendeckend wirtschaften zu können, sind nach Angaben des Rübenbauernbundes jedoch rund 45 Euro pro Tonne erforderlich.
Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich beschrieb ebenfalls die angespannte Stimmung in der Landwirtschaft und die große Frustration unter den Betrieben. Als wesentlichen Faktor nannte er die weiterhin hohen, zollfreien Zuckerimporte aus der Ukraine, die zwar zuletzt rückläufig waren, den Markt jedoch nach wie vor belasten. Zudem warnte Berlakovich vor möglichen Auswirkungen des Mercosur-Abkommens, das seiner Meinung nach zusätzlichen Preisdruck durch Importwaren auf den Markt bringen könnte.
Überangebot und sinkender Zuckerkonsum
Der europäische Zuckermarkt ist gegenwärtig von einem strukturellen Überangebot geprägt. Viele Länder, insbesondere in Osteuropa, verfügen weiterhin über hohe Lagerbestände. Gleichzeitig geht der Zuckerkonsum zurück: In Österreich liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei etwa 29,6 Kilogramm pro Jahr – etwa zehn Kilogramm weniger als im Jahr 2000.
Um dem Markt zu helfen, wurde die Zuckerrübenanbaufläche bereits 2025 EU-weit um rund zehn Prozent reduziert. In Österreich sank die Fläche von etwa 44.000 auf rund 24.500 Hektar, im Burgenland von knapp 3.000 auf rund 1.800 Hektar. Diese Kontingentierungen sollen auch im Jahr 2026 fortgesetzt werden.
Gedämpfte Aussichten für 2026
Marktbeobachter sagen voraus, dass kurzfristig keine signifikante Entspannung in Sicht ist. Für 2026 wird weiterhin mit starkem Wettbewerbsdruck, niedrigen Zuckerpreisen und einer zurückhaltenden Anbaupolitik gerechnet. Die eingeschränkten Anbauflächen dürften demnach voraussichtlich bestehen bleiben.
Die mittelfristigen Aussichten für den Zuckerrübenanbau hängen stark von politischen und strukturellen Rahmenbedingungen ab. Berlakovich betonte die Notwendigkeit eines effektiven Außenschutzes für den EU-Markt und fairer Wettbewerbsbedingungen mit Importwaren. Zudem verwies er auf die Bedeutung moderner Produktionsmittel, neuer Züchtungstechnologien sowie krankheits- und trockenheitstoleranter Sorten zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Rübenanbaus.
Forderung nach stabilen Rahmenbedingungen
Langfristig kann der Zuckerrübenmarkt nur stabilisiert werden, wenn Angebot und Nachfrage wieder in ein ausgewogenes Verhältnis gelangen und die Betriebe kostendeckende Preise erzielen, betonte Fröch abschließend. Die Zuckerrübe bleibt eine bedeutende Kulturpflanze für Fruchtfolgen, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Voraussetzung dafür sind jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und ein Schutz vor Marktverzerrungen durch Importe. Ohne diese Voraussetzungen droht ein weiterer Rückgang des heimischen Anbaus.


