Arbeiterkammer Gmunden erzielt über 13 Millionen Euro für Mitglieder in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten

Feber 12, 2026 23:17
Arbeiterkammer Gmunden erzielt über 13 Millionen Euro für Mitglieder in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten

Die Arbeiterkammer (AK) Gmunden half im Jahr 2025 mehr als 7.100 Mal. Experten berichteten von zahlreichen Herausforderungen im vergangenen Jahr.

SALZKAMMERGUT. Aktuell sind im Bezirk Gmunden 39.385 AK-Mitglieder mit Hauptwohnsitz gemeldet. Viele von ihnen nutzen die Dienstleistungen der Arbeiterkammer, sei es bei arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten oder bei Fragen zur Weiterbildung. Das Beratungsangebot der AK Gmunden ist bei den Mitgliedern sehr gefragt. Im Jahr 2025 wandten sich seekende Rat- und Hilfesuchende 7.104 Mal an die AK Gmunden: in 3.644 Fällen telefonisch, in 2.815 Fällen persönlich (inklusive 36 Bildungsberatungen) und in 645 Fällen per E-Mail. Die AK Gmunden hielt im Vorjahr in Bad Ischl 46 Sprechtage mit insgesamt 761 persönlichen Beratungen ab. Darüber berichtet Welt Stimme.

Mehr als 13 Millionen Euro für AK-Mitglieder

In vielen Fällen von Arbeitsrechtsproblemen ist eine Beratung nicht ausreichend. Die AK muss dann bei den Arbeitgebern intervenieren. Im Jahr 2025 brachte die AK Gmunden außergerichtlich 677.868 Euro an vorenthaltenem Entgelt ein. Einige Arbeitgeber lassen es jedoch auf einen Streit vor Gericht ankommen. Dort erkämpfte die AK Gmunden im vergangenen Jahr für ihre Mitglieder 446.504 Euro. Insgesamt ergibt das 1.124.372 Euro. Von den insgesamt 219 Arbeitsrechtsfällen stammen 175 Fälle, also 80 Prozent, aus Betrieben ohne Betriebsrat. Dies verdeutlicht die Bedeutung einer betrieblichen Interessenvertretung für die korrekte Bezahlung der Arbeitnehmer und die Einhaltung des geltenden Arbeitsrechts. Hauptsächliche Gründe waren Differenzen bei der Endabrechnung von beendeten Arbeitsverhältnissen (69), offenes Entgelt bei laufenden Dienstverhältnissen (42) sowie unbegründete Entlassungen und fristwidrige Kündigungen (je 21). Besonders betroffen waren die Gastronomie (3,8 Prozent der Beschäftigten und 13,2 Prozent der Rechtsfälle insgesamt) und die Arbeitskräfteüberlassung.

Pension und Pflegegeld im Fokus

Im Bereich Sozialrecht erzielte die AK Gmunden im Jahr 2025 in 264 Angelegenheiten 9.877.980 Euro. Schwerpunkt waren dabei die Themen Pension und Pflegegeld. Zudem wurden 2025 für Arbeitnehmer aus insolventen Betrieben im Bezirk Gmunden 2.099.989 Euro durchgesetzt. In Summe hat die AK Gmunden im Vorjahr an arbeits- und sozialrechtlichen Ansprüchen sowie an Forderungen nach Insolvenzen für ihre Mitglieder Zahlungen von insgesamt 13.102.341 Euro erreicht. Dies zeigt die Wichtigkeit einer regionalen Anlaufstelle. Die AK setzt bei ihren Serviceleistungen bewusst auf Wohnortnähe, um sicherzustellen, dass alle Mitglieder möglichst einfach zu ihrem Recht kommen.

AK kämpft um jeden Euro

In ihrem Engagement für ihre Mitglieder macht die AK keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Beträgen. So erreichte die AK Gmunden beispielsweise einen Betrag von 22 Euro für eine geringfügig beschäftigte Reinigungskraft, da bei der Endabrechnung die Urlaubsersatzleistung für das dreiwöchige Dienstverhältnis fehlte. Den höchsten Betrag, nämlich 83.500 Euro, erhielt ein Angestellter als Vergleichsbetrag nach einer Kündigungsanfechtung.

Arbeitsrecht: Sonderzahlungen falsch berechnet

Ein Lehrling wandte sich an die AK Gmunden, nachdem sie während ihres elfmonatigen Lehrverhältnisses lediglich zwei Lohnzettel erhalten hatte. Die Arbeiterkammer forderte den Arbeitgeber auf, die fehlenden Lohnabrechnungen nachzureichen. Nach deren Übermittlung prüfte die Arbeiterkammer alle Lohnzettel und stellte fest, dass bei der Berechnung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes ein Differenzbetrag fehlte. Nach Intervention der AK lenkte der Arbeitgeber ein und leistete eine Nachzahlung in Höhe von 360 Euro.

Sozialrecht: Pflegegeld von Stufe 2 auf 5 erhöht

Ein AK-Mitglied wandte sich an die Arbeiterkammer für seine pflegebedürftige Mutter, deren Pflegegeld lediglich für Pflegestufe 2 gewährt wurde. Die AK Gmunden hielt die Einstufung aufgrund des erheblichen Pflegeaufwandes für ungerechtfertigt und reichte Klage beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht ein. Ein im Rahmen der Gerichtsverhandlung eingeholtes Sachverständigengutachten bestätigte, dass die ursprüngliche Einstufung zu niedrig war. Das Gericht stimmte der Rechtsauffassung der Arbeiterkammer zu und sprach ein Pflegegeld der Pflegestufe 5 zu, was die monatliche Unterstützung von 380,30 Euro (Stufe 2) auf 1.206,90 Euro (Stufe 5) erhöhte. Der zugestandene Betreuungsaufwand erhöht sich von über 95 Stunden pro Monat (Stufe 2) auf über 180 Stunden pro Monat (Stufe 5).

Weitere finanzielle Unterstützungen

  • Im Juli wurde der Mundhygienebonus neu eingeführt. Jedes Mitglied (ab 18 Jahren) erhält für Zahnprophylaxe einmalig 50 Euro, die Aktion läuft bis Juni 2026. Bisher wurden 42.254 Anträge genehmigt und eine Summe von 2.112.700 Euro ausgeschüttet.
  • Der im September 2024 eingeführte AK-Klassenfahrtsbonus wurde im Juli 2025 abgeschlossen, um die Mitglieder bei Beiträgen für kostenpflichtige Wandertage, Kennenlerntage, Skikurse oder Sprachwochen zu entlasten. Insgesamt wurde der Klassenfahrtsbonus 31.331 Mal gewährt, mit einer Fördersumme von 4.644.150 Euro.
  • Lehrlinge können den Mobilitätsbonus in Höhe von einmalig 100 Euro beantragen, wenn sie ein Jugendticket Netz des OÖ Verkehrsverbundes oder ein Klimaticket haben. Bisher wurde der Bonus 15.817 Mal gewährt, um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu fördern.
  • Für Mitglieder unter 26 Jahren gibt es einen Zuschuss von 100 Euro zum Fahrsicherheitstraining. Dieser wurde im vergangenen Jahr 5.139 Mal ausbezahlt, um die Mobilität junger Menschen zu fördern.
  • Der AK-Bildungsbonus in Höhe von 150 Euro, der die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder unterstützt, wurde im vergangenen Jahr 4.519 Personen gewährt.

Thema Gesundheit ist wichtig

Das Thema Gesundheit war auch für die AK-Mitglieder im Bezirk Gmunden von großer Bedeutung. Nur 45 Prozent der Befragten aus der Region Gmunden-Vöcklabruck sind mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Besonders kritisch bewerten Personen mit chronischen Erkrankungen die Gesundheitsversorgung; in Oberösterreich stellen nur 38 Prozent dieser Gruppe eine positive Bewertung aus, im Vergleich zu 48 Prozent derjenigen ohne chronische Beschwerden. 60 Prozent der Befragten aus Gmunden und Vöcklabruck fühlen sich durch lange Wartezeiten auf Facharzttermine stark belastet. Um schneller behandelt zu werden, weichen viele auf Wahlärzte aus, was zu einem Anstieg von privaten Krankenversicherungen führt. Zehn Prozent der Befragten suchen überwiegend oder ausschließlich Wahl- und Privatärzte auf. Die AK Oberösterreich fordert die politischen Entscheidungsträger auf, endlich Maßnahmen gegen diesen Trend zur Zwei-Klassenmedizin zu ergreifen.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Bernhard Kothbauer verabschiedet sich nach 43 Jahren bei HYPO NOE in den Ruhestand
Vorheriger artikel

Bernhard Kothbauer verabschiedet sich nach 43 Jahren bei HYPO NOE in den Ruhestand

Chancengleichheit in der Technik: HTL Zeltweg setzt Impulse für Abschlussklassen
Nächster artikel

Chancengleichheit in der Technik: HTL Zeltweg setzt Impulse für Abschlussklassen

Nicht verpassen