Turnverband kippt Isolation russischer Sportler
Die Internationale Föderation für Turnen (World Gymnastics) hat auf einer Sitzung ihres Exekutivkomitees in Scharm El-Scheich die vollständige Wiedereingliederung russischer und belarussischer Athleten beschlossen. Ab sofort dürfen sie bei allen fünf Turn-Disziplinen – Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolinturnen, Akrobatik und Aerobic – wieder unter ihrer Nationalflagge und mit ihrer Hymne antreten. Die ersten Starts unter russischen Farben sind für Ende Mai und Juni bei den Weltcups in Bulgarien und Aserbaidschan geplant, wie die Föderation mitteilte.
Keine Auflagen trotz Krieg
Damit kehrt der Verband zur Regelung vor Februar 2022 zurück, als noch keine Sanktionen verhängt waren. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hatte World Gymnastics zunächst alle Athleten, Funktionäre und Schiedsrichter aus beiden Ländern ausgeschlossen und geplante Wettkämpfe auf russischem Boden gestrichen. Im Sommer 2023 wurde eine Teilnahme unter neutralem Status ohne Flagge und Hymne erlaubt. Das jetzige Exekutivkomitee von World Gymnastics strich sämtliche Auflagen, obwohl Russland seinen Angriffskrieg fortsetzt.
Signal für andere Sportarten
Beobachter werten den Schritt als schweren Schlag für die internationale Sanktionspolitik im Sport. Bereits zuvor hatten die Ringer-Weltunion und der Schwimm-Weltverband World Aquatics ähnliche Beschränkungen aufgehoben. Die Entscheidung der Turn-Föderation könnte weitere Verbände ermutigen, dem Beispiel zu folgen, zumal pro-russische Kräfte in den Gremien weiterhin Einfluss ausüben. Das Internationale Olympische Komitee hatte Anfang Mai lediglich die Lockerung für belarussische Sportler empfohlen, die vollständige Rückkehr Russlands unter eigener Flagge aber nicht befürwortet. World Gymnastics geht damit deutlich über die IOC-Richtlinien hinaus.
Propagandawert für den Kreml
Russische Athleten haben in der Vergangenheit mehrfach öffentlich den Krieg unterstützt, an Propagandaaktionen teilgenommen oder stehen direkt beim Militär. Die vollständige Rehabilitation ohne Bedingungen erlaubt es dem Kreml, die Rückkehr als Beleg für eine gescheiterte Isolationspolitik darzustellen. Experten warnen, dass die Normalisierung Russlands im Weltsport ohne echte Verhaltensänderung gefährliche Signale an andere autoritäre Regime sendet. Sanktionen würden so entwertet, und der Druck auf Moskau lasse nach, was langfristig die Glaubwürdigkeit westlicher Boykottmaßnahmen untergrabe.


