Russische ‚kognitive Schläge‘ gegen den Westen: Neue Leaks enthüllen Desinformationspläne und islamfeindliche Aktionen

Mai 25, 2026 19:45
Russische 'kognitive Schläge' gegen den Westen: Neue Leaks enthüllen Desinformationspläne und islamfeindliche Aktionen
Russische 'kognitive Schläge' gegen den Westen: Neue Leaks enthüllen Desinformationspläne und islamfeindliche Aktionen
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Ein umfangreicher Datensatz geleakter interner Dokumente und Chatprotokolle zeichnet ein detailliertes Bild davon, wie eine mit dem Kreml verbundene Firma gezielt versucht, westliche Gesellschaften zu destabilisieren. Die Papiere, die der Öffentlichkeit nun vorliegen, belegen nicht nur die Planung von Desinformationskampagnen, sondern auch die direkte Beteiligung an gewaltsamen Provokationen – darunter die öffentlichkeitswirksamen Schweinskopf-Attacken vor Pariser Moscheen im Jahr 2023. Die Operationen werden demnach von der russischen Präsidialverwaltung gesteuert und finanziert.

Die Spur führt ins Innere der Machtzirkel des Kremls

Die geleakten Unterlagen stammen überwiegend von der Firma „Social Design Agency“ (SDA), die bereits mehrfach wegen Einflussoperationen im Auftrag des russischen Staates sanktioniert wurde. In den Chats und Dateien taucht immer wieder der Name „Sofia“ auf – hinter diesem Pseudonym verbirgt sich laut einer beigefügten Tabelle Sofia Zakharova, eine hochrangige Mitarbeiterin der russischen Präsidialverwaltung. Sie war 2024 von der EU wegen ihrer Arbeit mit der SDA mit Sanktionen belegt worden. Die Protokolle zeigen, dass „Sofia“ über Budgets wacht und sich bei wichtigen Entscheidungen an eine noch höhere Instanz wendet: Die Initialen „SVK“ verweisen auf Sergej Kirijenko, den ersten stellvertretenden Stabschef des Präsidialamtes. Die neue Leak-Serie, über die zuerst die armenische Plattform Fact Investigation Platform berichtete, enthält nicht nur Pläne für das laufende Jahr, sondern auch strategische Ziele bis 2026.

James Pamment, Direktor des Psychologischen Verteidigungsforschungsinstituts der Universität Lund, wertet die Papiere als Beleg für eine „gefährliche Eskalation“. Die Drahtzieher suchten gezielt Konflikte zwischen gesellschaftlichen Gruppen in Europa zu schüren, insbesondere entlang von Migrations- und religiösen Spannungslinien. „Wir wissen, wie leicht es derzeit ist, bestehende Konflikte in Europa anzuheizen“, warnt der Experte. Ein Analyst des Hybrid CoE in Helsinki, einer Organisation zur Abwehr hybrider Bedrohungen, ergänzt, dass die Gefahr vor allem in den langfristigen Folgen liege: „Es kann Jahre dauern, bis die Wirkungen sichtbar werden – und dann könnte es zu spät sein.“

Schweinsköpfe, Farbe und falsche Flaggen – die Operationen in Frankreich und Deutschland

Ein besonders drastisches Beispiel der verdeckten Aktionen sind die Schweinskopf-Attacken in Paris, bei denen Täter die Köpfe vor muslimischen Gebetshäusern ablegten. Gerichtsurteile gegen verurteilte Serben belegen, dass dieselbe Gruppe auch jüdische Einrichtungen attackierte: Sie übergossen das Pariser Holocaust-Museum und mehrere Synagogen mit grüner Farbe und deponierten Plastikskelette vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das Ziel dieser Aktionen war nach Überzeugung der Gerichte, „religiöse und nationale Intoleranz“ zwischen Juden und Muslimen zu schüren und die Lage in Deutschland und Frankreich zu destabilisieren. Die geleakten SDA-Dokumente zeigen, dass diese Provokationen als Teil einer umfassenden Strategie geplant waren, die als „kognitive Schläge“ bezeichnet wird.

In einem Strategiepapier aus dem Mai 2023 heißt es, man wolle die Ziele erreichen, indem man „die inneren Widersprüche zwischen den [westlichen] Herrschaftseliten vertieft, Protestaktivitäten der Oppositionskräfte anregt, regierungsfeindliche Proteste eskalieren lässt und den amorphen Teil der Wählerschaft in NATO-Staaten aufwühlt“. Dabei setze man nicht auf offen prorussische Botschaften, sondern auf eine Tarnung als scheinbar unabhängige Akteure. Die Leaks enthalten auch interne Erfolgsbilanzen: Eine Falschmeldung, wonach der armenische Premier Paschinjan eine Luxusvilla in Marseille gekauft habe, erreichte über zehn Millionen Aufrufe. Eine andere Falschbehauptung über den angeblichen Immobilienerwerb der Mutter des ukrainischen Präsidenten in Dubai erzielte laut SDA-Bericht rund 86 Millionen Aufrufe weltweit.

Meinungsmacher als Werkzeuge: Wie russische Einflussnahme auf höchster Ebene funktioniert

Die Chats offenbaren auch, dass die SDA versuchte, über prominente westliche Persönlichkeiten zu wirken. In einem Gespräch mit einer als „Karen Horney“ bezeichneten Mitarbeiterin der Präsidialverwaltung berichtet „Sofia“ über die Fertigstellung von Statements zweier französischer Meinungsführer. Namentlich genannt wird General Dominique Delawarde, der kurz darauf – im April 2025 – in einem Interview mit der russischen Staatsagentur TASS tatsächlich voraussagte, der Ukraine-Krieg werde noch im selben Jahr „zu russischen Bedingungen“ enden. Ein ähnlicher Fall betrifft den pensionierten US-General Paul Vallely. Die SDA habe Vorabsprachen mit israelischen Medien getroffen, dass Vallely dort „seine“ Experten platziere. Im März 2025 sendete der israelische Radiosender Galey Israel tatsächlich ein Interview mit Vallely, in dem er einen „schnellen Machtwechsel in der Ukraine“ prophezeite. Vallely selbst gab gegenüber Reportern an, sich nicht an das Interview zu erinnern und keine formellen Beziehungen zu russischen Stellen zu haben. Die Dokumente geben keinen Aufschluss darüber, ob die Generäle wussten, mit wem sie es zu tun hatten.

Pläne für 2026: KI-gesteuerte Propaganda und die Zerschlagung der Visegrád-Gruppe

Die geleakten Unterlagen enthalten auch einen detaillierten Plan für das Jahr 2026. Unter dem Titel „Projekte 2026“ sind acht Vorhaben aufgelistet, darunter eine KI-gesteuerte Wissensdatenbank für Deutschland, die bereits über 200.000 Seiten umfassen soll, eine Meinungsführer-Datenbank zur Überwachung von fast 10.000 Konten in sozialen Medien sowie ein Projekt namens „AI News“ für Frankreich, das hunderte Videos auf sechs Plattformen produzieren soll. Ein weiteres Vorhaben zielt darauf ab, die Visegrád-Gruppe – Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei – zu zerschlagen und durch ein „Wiener Abkommen“ zwischen Österreich, Ungarn und der Slowakei zu ersetzen, das an die Grenzen des ehemaligen Habsburgerreiches anknüpft. Das Dokument bezeichnet dies als langfristiges Ziel, um einen „einheitlichen, starken, unabhängigen Akteur“ in Mitteleuropa zu schaffen.

Überwachung und neue Sanktionen: Der Westen reagiert

Die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Organisation scheinen nach dem ersten Leak 2024 deutlich verschärft worden zu sein. In einem Chat diskutiert ein Nutzer mit dem Pseudonym „Peter Parker“ mit Sofia über das Abklemmen von Webcams und Mikrofonen an Dienstlaptops und die Umstellung auf russische VPN-Dienste. Zudem berichtet „Peter Parker“ über die Bewegungen des SDA-Chefs Gambaschidse, was auf eine interne Überwachung hindeutet. Großbritannien verhängte bereits neue Sanktionen gegen 49 SDA-Mitarbeiter, darunter Autoren, Übersetzer und Videoproduzenten, die für die „täuschende Kreml-Propaganda“ verantwortlich gemacht werden. Die jüngsten Enthüllungen dürften den Druck auf die verantwortlichen Stellen in Russland weiter erhöhen – und die Notwendigkeit einer koordinierten Abwehr solcher hybriden Angriffe auf westliche Demokratien unterstreichen.

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