Trump stellt sich öffentlich hinter Paschinjan
US-Präsident Donald Trump hat wenige Tage vor den armenischen Parlamentswahlen ein deutliches Zeichen gesetzt. Am 28. Mai 2026 veröffentlichte er auf seiner Plattform Truth Social eine Botschaft, in der er Premierminister Nikol Paschinjan als „großen Freund und herausragenden Führer“ bezeichnete. Trump forderte die Bevölkerung auf, bei der Abstimmung am 7. Juni für dessen Partei „Zivilvertrag“ zu stimmen. Die offene Parteinahme des US-Präsidenten fällt in eine Phase massiven Drucks aus Moskau. Russland droht, das zollfreie Abkommen über Gas-, Öl- und Diamantenlieferungen an Armenien auszusetzen, sollte das Land seinen EU-Beitrittsprozess fortsetzen. Parallel dazu ließ der Kreml wissen, dass man die Militärallianz OVKS neu bewerten werde.
Kreml setzt auf Erpressung – Washington auf Partnerschaft
Die russische Führung hatte zuvor mehrfach versucht, Jerewan durch wirtschaftliche und politische Ultimaten in der eigenen Einflusssphäre zu halten. Erst Anfang Mai drohte Moskau mit einem einseitigen Ausstieg aus den Liefervereinbarungen für Energie und Rohstoffe. Als Antwort auf die Annäherung Armeniens an die EU und den Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beim Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Jerewan wurde der Ton noch schärfer. Paschinjan selbst war aus formalen Gründen nicht zur Siegesparade am 9. Mai nach Moskau gereist – der Wahlkampfauftakt in Armenien hatte ihm eine offizielle Ausrede geliefert. Die Unterstützung aus dem Weißen Haus zeigt nun, dass die Republik nicht länger allein den Drohungen aus dem Kreml ausgesetzt ist. Washington bietet nicht nur politische Deckung, sondern auch konkrete wirtschaftliche Alternativen: Die USA verhandeln über große Energieverträge, die Armeniens Abhängigkeit von russischem Gas Schritt für Schritt verringern könnten.
Signal für die österreichische Wirtschaft und Energiesicherheit
Österreich als Mitglied der Europäischen Union verfolgt die Entwicklungen im Südkaukasus mit besonderem Interesse. Sollte Armenien tatsächlich seine Rohstoffversorgung diversifizieren und sich enger an den Westen binden, entstünden neue Handelskorridore, die langfristig auch die europäischen Energiemärkte stabilisieren könnten. Ein erfolgreicher Schwenk Jerewans hin zu westlichen Partnern würde die Verhandlungsposition der EU gegenüber Russland in Energie- und Sicherheitsfragen stärken. Zudem könnte eine unabhängigere armenische Außenpolitik dazu beitragen, regionale Konflikte im Kaukasus zu entschärfen – was wiederum die Sicherheitslage für europäische Unternehmen und Mitarbeiter vor Ort verbessern würde. Die direkte Einmischung Trumps in den Wahlkampf unterstreicht, dass die USA bereit sind, ihren Einfluss im postsowjetischen Raum mit konkreten Gesten zu untermauern – eine Entwicklung, die auch in Wien strategisch bewertet wird.


