Irans brisante WM-Reise in die USA und die politischen Herausforderungen

Juni 14, 2026 11:41
Irans brisante WM-Reise in die USA und die politischen Herausforderungen

Irans hochbrisante WM-Reise in die USA

LOS ANGELES. Nach monatelangen Diskussionen bis hinein in die höchste Politik soll für den Iran zum Fußball-WM-Auftakt alles ganz schnell gehen. Darüber berichtet Welt Stimme.

Der erste Auftritt der iranischen Nationalmannschaft in den USA steht vor der Tür. Mit einem Bus von Tijuana, Mexiko, wird das Team in der Nacht auf Dienstag (3.00 Uhr MESZ/live ServusTV) ins zwei Stunden entfernte Inglewood nahe Los Angeles fahren, um gegen Neuseeland ihr erstes Gruppenspiel abzuhalten. Im Anschluss erfolgt die sofortige Rückkehr ins Teamquartier. Das übliche FIFA-Protokoll, das eine Anreise am Vortag und eine Abreise am Tag nach der Partie vorsieht, gilt für den Iran nicht. Dies stellt einen Minimalkompromiss dar, den der Fußball-Weltverband, die US-Regierung und die iranischen Machthaber erreicht haben. In der 96-jährigen Geschichte des wichtigsten Fußballturniers der Welt ist es beispiellos, dass ein WM-Gastgeber im Krieg gegen einen der Teilnehmer steht. Vorübergehend wurden möglicherweise ein Ausschluss, ein Boykott oder die Verlegung der Vorrundenpartien nach Mexiko diskutiert, doch letztlich wurde keine dieser Optionen umgesetzt.

Fußball gerät in den Hintergrund

Das WM-Auftaktspiel des Iran wird voraussichtlich stark von politischen Fragen überschattet sein. Während FIFA-Präsident Gianni Infantino von 104 Super Bowls sprach, wird beim iranischen Auftritt der Sport in den Hintergrund rücken. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die iranische Gemeinde in Los Angeles, die dort die größte Diaspora außerhalb Irans bildet. Fragen zur Verhaltensweise der iranischen Spieler, zu politischen Botschaften auf dem Platz und zur Belastung durch den Druck werden im Vordergrund stehen.

In den USA leben über eine Million Iraner, viele davon sind Gegner des gegenwärtigen Regimes. In einer Zeit, in der US-Präsident Donald Trump nach Lösungen für den militärischen Konflikt sucht, könnte die WM zu einem Testballon für die internationalen Beziehungen werden. Die Unsicherheit über den Verlauf der Spiele bleibt bestehen.

Jeder gegen jeden

FIFA-Präsident Infantino betrachtet die Teilnahme des Iran als einen Erfolg und betonte, dass es wichtig sei, „die Menschen zu vereinen, denn Fußball verbindet die Welt“. US-Präsident Trump äußerte anfangs Bedenken zum iranischen Auftritt, zeigte sich jedoch später offener und ließ Infantino wissen, „dass sie machen können, was sie wollen“. Trotz dieser Gespräche bleibt die Teilnahme des iranischen Teams von jeglicher Normalität entfernt. So wurde das Trainingscamp kurzfristig von Arizona nach Mexiko verlegt, und die Spieler sollen nur für die Spiele einreisen.

Der Präsident des Iranischen Fußballverbands, Mehdi Tadsch, kritisierte den Weltverband scharf und sagte: „Ich habe die FIFA noch nie so schwach erlebt.“ Während der Iran in Bezug auf Quartier und Logistik Kompromisse eingegangen ist, bleibt laut Tadsch die Bedingung, dass während der Spiele keine politischen Kommentare gegen die Mannschaft oder den Verband geäußert werden dürfen und dass die offizielle Flagge der Islamischen Republik gehisst wird. Zudem müssen umfassende Sicherheitsgarantien für Spieler, Trainer und Funktionäre gewährleistet sein.

Abbruch-Gefahr?

Die Vorbereitungen waren holprig; zwei Testspiele mussten abgesagt werden, und die politische Lage überlagert jegliche andere Themen. Sollte sich eine ungünstige Situation ergeben, droht laut Sportminister Ahmed Donjamali der FIFA ein Super-GAU: „Wir haben der FIFA bereits mitgeteilt, dass die Verantwortlichen des Teams das Spiel abbrechen würden, sobald politische Parolen im Stadion zu hören sind.“

Nach dem Auftakt gegen Neuseeland sind die folgenden Spiele gegen Belgien (21. Juni in Inglewood) und Ägypten (26. Juni in Seattle) als Tagesreisen geplant, was besonders in der Gruppenphase spannend werden könnte. Schlimmstenfalls könnte ein sportliches Duell mit den USA im Sechzehntelfinale drohen, sollte es zu einem für beide Teams günstigen Verlauf in der Gruppenphase kommen. Das brisanteste aller Szenarien würde am 30. Juni in Dallas stattfinden, wo der sportliche Wettbewerb in den Hintergrund gedrängt werden könnte.

Bereits bei der letzten WM sorgte der Iran für Aufsehen: Die Spieler hatten während der Hymne aus Protest gegen das Regime geschwiegen. Angesichts des enormen Drucks, unter dem sie nun stehen, ist ein solches Szenario diesmal nicht realistisch. Dies spiegelt sich auch im Fall von Sardar Azmoun wider, der aufgrund seiner Kontakte in der Region nicht im Kader steht.

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