Wechsel in der evangelischen Pfarrgemeinde Spittal
Johannes Pichler trat am 1. September seinen Abschied von Obervellach an, was das Ende seiner langjährigen Tätigkeit als Pfarrer und Dechant markiert. Zeitgleich begann der 25-jährige Julian Jöri sein zweijähriges Vikariat in der evangelischen Pfarrgemeinde Spittal. Beide Geistlichen sehen sich der Herausforderung gegenüber, wie die Kirche auch in Zukunft Menschen erreichen kann.
Pichler verlässt Obervellach nach fünf Jahren nicht ohne Bedauern. Die Vielzahl der Aufgaben war gesundheitlich nur noch schwer zu bewältigen. Er möchte nun eine ruhigere Phase in seinem Leben einleiten, nachdem er eine lange kirchliche Laufbahn hinter sich hat.
In seiner Zeit in Obervellach erlebte Pichler, dass ein Pfarramt in ländlichen Regionen alles andere als ruhig ist. Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse und Gottesdienste zählen zu seinen Aufgaben, ebenso wie die Pflege von Friedhöfen und die Öffnung der Kirche. Diese Tätigkeiten werden oft nicht wahrgenommen, während es zunehmend schwieriger wird, ehrenamtliche Helfer zu finden. Pichler sieht hierin eine zentrale Zukunftsfrage der Kirche. Die Verantwortung müsse breiter verteilt werden: „Kirche sind wir alle, nicht nur der Pfarrer allein.“
Pichler hat innovative Ansätze verfolgt, darunter einen YouTube-Kanal mit über 400 Filmen. Diese Dokumentationen umfassen Reiseberichte, Aufnahmen von kirchlichen Feiern und geschichtliche Themen der Region Mölltal. Besonders stolz ist er auf ein Projekt, das die Geschichte Obervellachs von 1850 bis 2015 in 42 Filmen darstellt. Pichler hofft, dass solche Medieninhalte auch zukünftige Generationen ansprechen werden und sieht in der jungen Generation eine große Herausforderung, da viele von ihnen stark von der Kirche distanziert sind.
Julian Jöri beginnt seine Tätigkeit als Vikar in Spittal, nachdem er mehrere Schritte innerhalb der evangelischen Kirche unternommen hat. Nach seiner Konfirmation und der Ausbildung zum Lektor ist er auf dem besten Weg, die praktische Seite des Pfarramts kennenzulernen. Mit einer persönlichen Verbindung zu Spittal – seine Großmutter wurde dort konfirmiert – möchte Jöri jungen Menschen zeigen, dass Kirche auch authentisch und lebendig sein kann.
Um dem Mangel an hauptamtlichen Pfarrern in der evangelischen Kirche zu begegnen, setzt Jöri auf die Stärkung des Ehrenamts. Er erkennt die Notwendigkeit, Kirche als eine gemeinschaftliche Aufgabe zu verstehen. Zudem sieht er in sozialen Medien ein wichtiges Instrument, um die christliche Botschaft dort zu verbreiten, wo sie relevant ist. Jöri betont, dass eine digitale Präsenz die persönliche Gemeinschaft nicht ersetzen kann und Kirche weiterhin in der realen Welt stattfinden muss.
Einordnung
Mit dem Wechsel von Pichler und dem Vikariatsstart von Jöri wird ein Generationswechsel innerhalb der evangelischen Kirche in der Region sichtbar. Die anstehenden Herausforderungen, insbesondere der Mangel an Pfarrern, verdeutlichen die Notwendigkeit einer aktiveren Beteiligung der Gemeindemitglieder. Diese Veränderungen könnten bestehende Strukturen der Kirche nachhaltig prägen und deren Relevanz in der Gesellschaft verändern.


