Einfluss von Rechenzentren auf die Energieversorgung in Österreich
Das Forum Versorgungssicherheit hat in einem Hintergrundgespräch die signifikanten Auswirkungen von Rechenzentren auf Verteilernetzbetreiber und Stromkunden erörtert. Im Zentrum der Diskussion steht das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf, Oberösterreich, dessen erster Bauabschnitt Ende April begonnen wurde. Der Standort umfasst rund 50 Hektar und soll bis zum zweiten Halbjahr 2027 betriebsbereit sein, nachdem alle Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind.
Während die Landesregierung und die lokale Wirtschaft das Projekt als Chance sehen, äußern Aktivisten und eine Bürgerinitiative Bedenken. Diese fordern die vollständige Offenlegung aller Vereinbarungen zwischen Politik und Google sowie unabhängige Studien zu den Auswirkungen auf Verkehr, Lärm und Stromversorgung.
Bei der Besprechung sprangen Aussagen von Michael Haselauer, Geschäftsführer der Netz Oberösterreich, ins Auge, der die Bedeutung von Rechenzentren im Kontext der Digitalisierung und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) verdeutlichte. Er betonte, dass die unvermeidbare Erhöhung des Energiebedarfs für KI-Anwendungen moderne Rechenzentren erforderlich mache, die über spezifische Standortanforderungen verfügen müssen. Diese beinhalten umfangreiche Flächen, gute Anbindungen an Datennetze und eine zuverlässige Stromversorgung.
Laut Haselauer gibt es derzeit einen Wettbewerb um attraktive Standorte in Österreich, wobei die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen das „First come, first served“-Konzept fördern. Es ist entscheidend, künftig zu überlegen, welche Projekte aufgrund ihrer Konzeption bevorzugt werden sollten. Kunden sind für alle zusätzlichen Investitionen im Zusammenhang mit Rechenzentren verantwortlich, und es gibt keine Erleichterungen bei den Netzkosten: Alle Kunden müssen gleich behandelt werden.
Bezüglich des Google-Projekts in Kronstorf stellte Haselauer fest, dass eine Anschlussleistung von 150 Megawatt bereitgestellt wurde, für die Google zwischen 15 und 20 Millionen Euro gezahlt hat. Ab 2022 ist das erforderliche Umspannwerk in Betrieb. Der jährliche Stromverbrauch des Rechenzentrums wird auf etwa 1,31 Terawattstunden (TWh) geschätzt, was im Vergleich zu den gesamten Verbrauchswerten für Österreich (70 TWh) und Oberösterreich (8 TWh) signifikant ist.
Einordnung
Die Errichtung des Google-Rechenzentrums könnte die Energielandschaft in Österreich maßgeblich beeinflussen, da der hohe Strombedarf sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Netzbetreiber darstellt. Die Diskussion um die Transparenz und die soziale Akzeptanz solcher Projekte wird an Bedeutung gewinnen, während die Notwendigkeit zur Anpassung von Infrastruktur und regulatorischen Rahmenbedingungen zur effizienten Nutzung dieser Energiequellen in den Vordergrund rückt.


