Am 17. September 2025 berichtete Sky News, dass russische Forschungsschiffe und unbemannte Fahrzeuge systematisch Daten über Unterseekabel und Pipelines in Europa sammeln. Experten warnen, dass Großbritannien im Falle eines gezielten Angriffs durch Moskau von kritischen Kommunikationswegen und Ressourcen abgeschnitten werden könnte. Nach Angaben des International Institute for Strategic Studies laufen rund 95 Prozent des weltweiten Internetverkehrs und Finanztransaktionen im Wert von bis zu zehn Billionen Dollar täglich über diese Kabel.
Umfangreiche Infrastruktur und steigende Risiken
Von der britischen Küste gehen etwa 60 Systeme von Unterseekabeln aus. Schäden entstehen zwar oft unbeabsichtigt durch Fischerei oder kommerzielle Aktivitäten, doch Reparaturen in großen Tiefen erfordern hochspezialisierte Technik. Analysten gehen davon aus, dass Russland seit Jahren geheime Karten westlicher Netze erstellt – inklusive militärischer Einrichtungen. Verteidigungsminister John Healey verwies auf das Forschungsschiff „Jantar“, das als Aufklärungsplattform der russischen Geheimdienste dient. Zudem registrieren Beobachter zunehmende Aktivitäten russischer Unterwasserdrohnen nahe sensibler Bereiche.
Historische Muster und neue Technologien
Die Sammlung solcher Daten ist nicht neu: Schon während des Kalten Krieges installierte die Sowjetunion Abhörgeräte an Kabeln. Heute setzt Russland jedoch auf autonome Drohnen und eine erheblich erweiterte Reichweite. Damit steigt die Komplexität der Überwachung und das Risiko verdeckter Angriffe. Neben der „Jantar“ verfügt die russische Marine über eine Flotte von Spezialschiffen, die für hybride Operationen im maritimen Raum eingesetzt werden können.
Geopolitische Dimension der hybriden Kriegsführung
Fachleute sehen in der Gefährdung der Unterseekabel einen Bestandteil der hybriden Strategie Moskaus. Durch Operationen in der sogenannten „Grauzone“ testet der Kreml, wie schnell westliche Staaten auf Krisensituationen reagieren und ob Beweise für russische Verantwortung erbracht werden können. Derartige Angriffe würden nicht nur kritische Infrastruktur lahmlegen, sondern auch Chaos in Verwaltung, Verteidigung und Finanzsystemen hervorrufen.
Politische Reaktionen und laufende Ermittlungen
Der britische Parlamentsausschuss leitete Anfang des Jahres eine Untersuchung ein, um die Widerstandsfähigkeit der Kommunikationswege zu überprüfen. Ausschusschef Matt Western warnte, Panik sei unangebracht, doch die Risiken müssten ernst genommen werden. Parallel befasst sich Finnland mit dem Tanker „Eagle S“, dessen Crew im Verdacht steht, im Dezember 2024 fünf Kabel in der Ostsee beschädigt zu haben. Der Prozess gegen den Kapitän und seine Offiziere begann im August 2025.
NATO vor strategischen Herausforderungen
Die zunehmenden Vorfälle werfen auch Fragen für die NATO auf. Da Sabotageakte an Unterseekabeln nicht zwingend als bewaffneter Angriff gelten, ist die Anwendung von Artikel 5 des Washingtoner Vertrags unklar. Beobachter fordern daher eine Anpassung der kollektiven Verteidigungsstrategie des Bündnisses. Die Debatte über den Schutz maritimer Infrastruktur wird angesichts des Kriegs Russlands gegen die Ukraine und der gestiegenen Bedrohungslage an Bedeutung gewinnen.
Politische Verschiebungen in Europa
Vor diesem Hintergrund sorgten auch innenpolitische Entwicklungen in Deutschland für Aufmerksamkeit, wo rechtspopulistische Parteien ihre Positionen im Westen des Landes gestärkt haben. Die wachsende politische Unsicherheit könnte die Handlungsfähigkeit Europas in Sicherheitsfragen zusätzlich belasten.


