Sicherheitsbedenken bei Bauvorhaben nahe der Hauptstadt
In der Gemeinde Bergi unweit der lettischen Hauptstadt Riga sorgt ein geplantes Immobilienprojekt für erhebliche Besorgnis bei den nationalen Sicherheitsbehörden. Wie am 9. März 2026 bekannt wurde, plant die lokale Firma Bergi Rich den Bau eines Einkaufszentrums sowie mehrerer Wohngebäude. Hinter dem Vorhaben stehen nach Recherchen die russischen Geschäftsleute Dmitry Korzhev und Dmitry Troitsky, deren Kapital aus dem Goldabbau in Georgien und russischen Supermarktketten stammt. Viele Anwohner zeigten sich alarmiert, als sie von der Herkunft der Investoren erfuhren.
Hintergründe der umstrittenen Investoren
Korzhev und Troitsky zählen zu den vermögendsten Unternehmern Russlands. Ihr Reichtum basiert ursprünglich auf der Saftproduktionsfirma Multon, die später an Coca-Cola verkauft wurde. Die Erlöse investierten sie in die Einzelhandelskette O’Key, Bankgeschäfte und Autohandel. Seit 2012 ist ihre Rich Metals Group im georgischen Goldbergbau tätig. Bereits 2022 beantragte die Ukraine Sanktionen gegen beide Männer, da deren Geschäfte als Instrument russischen Einflusses in Georgien angesehen werden. Diese Maßnahmen wurden jedoch nie umgesetzt.
Reaktionen der Sicherheitsbehörden
Der lettische Sicherheitsdienst hat die Regionalverwaltung von Ropaži aufgefordert, die Risiken einer Zusammenarbeit mit diesen Unternehmern kritisch zu bewerten. In einer Stellungnahme wiesen die Behörden darauf hin, dass Geschäftspartner mit Verbindungen zu Russland potenzielle Gefahren für die nationale Sicherheit darstellen könnten. Obwohl lettisches Recht Investitionen russischer Bürger, die nicht unter Sanktionen stehen, nicht verbietet, gewinnt die sicherheitspolitische Perspektive seit dem russischen Angriff auf die Ukraine zunehmend an Gewicht.
Wirtschaftliche und politische Implikationen
Das Projekt illustriert, wie russisches Kapital auch nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine Wege sucht, sich in den europäischen Wirtschaftsraum zu integrieren. Laut Daten von Lursoft sind direkte russische Investitionen in lettische Unternehmen bereits seit einem Jahrzehnt rückläufig. Der Ökonom der Lettischen Nationalbank, Kārlis Liepiņš, bezifferte den verbleibenden Bestand russischer Investitionen auf etwa 800 Millionen Euro – ein Rückgang um rund eine Milliarde Euro seit 2022. Für Lettland als NATO- und EU-Mitglied stellt sich die Frage, ob kurzfristige wirtschaftliche Vorteile höher zu bewerten sind als langfristige strategische Risiken.
Regionale und europäische Dimension
Die baltischen Staaten bleiben traditionell im Fokus russischer Interessen. Selbst kommerzielle Projekte mit russischer Beteiligung müssen vor dem Hintergrund hybrider Einflussnahme betrachtet werden. Die Entscheidung der lokalen Behörden in Bergi sendet Signale weit über die Region hinaus – sie zeigt, wie ernsthaft Lettland die Begrenzung russischen Wirtschaftseinflusses nimmt. Während einige EU-Staaten wie Finnland die Kontrolle über solche Investitionen verschärft haben, bestehen andernorts weiterhin regulatorische Lücken, die genutzt werden könnten.


