Ein für den 15. August in Alaska geplantes Treffen zwischen dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin ruft nach Einschätzung des Atlantikrats-Experten Edward Verona Erinnerungen an die Münchener Konferenz von 1938 wach, bei der über die Zukunft der Tschechoslowakei ohne deren Mitwirkung entschieden wurde. In einem Interview betonte Verona, die Gespräche könnten den Eindruck von Beschwichtigung erwecken – ähnlich wie damals.
Zweifel an Sicherheitsgarantien für die Ukraine
Verona sieht kaum Chancen, dass das Treffen zu einem dauerhaften Abkommen führe, das die Sicherheit der Ukraine gewährleistet. Vielmehr verstärke es Putins Streben nach territorialer Expansion. Durch die Begegnung auf US-Boden wirke Washington schwach und unentschlossen. Die einzige in Aussicht gestellte Sicherheitsgarantie für Kiew sei die vage Aussicht auf eine Stationierung europäischer Truppen als Abschreckung.
Risiko eines brüchigen Waffenstillstands
Als mögliches Ergebnis nennt Verona einen „halbherzigen Waffenstillstand“, der rasch unter Druck auf die Ukraine zustande kommen könnte. Ein solcher Schritt wäre nach seiner Einschätzung lediglich temporär und würde Putin nur eine Atempause gewähren. Innenpolitische Gegner von Präsident Wolodymyr Selenskyj könnten dies zudem nutzen, um die Aufhebung des Ausnahmezustands und vorgezogene Wahlen zu fordern – ein Szenario, das sowohl Trump als auch Putin entgegenkommen könnte, jedoch Kiews Verhandlungs- und Verteidigungsposition schwächen würde.
Historische Ironie des Austragungsorts
Verona wies auch auf die symbolische Dimension des Treffens in Alaska hin. Die Region gehörte bis 1867 zu Russland, bevor sie von den USA gekauft wurde – ein Geschäft, das damals von Kritikern als „Sewards Torheit“ verspottet wurde. In ironischem Ton merkte er an, dass manche russische Nationalisten die Rückgabe Alaskas fordern und spöttelte, ob der Bundesstaat Teil eines möglichen Deals sein könnte.
Hintergrund
Nach Angaben der NBC News erwägt das Weiße Haus, auch Selenskyj zu den Gesprächen am 15. August einzuladen. Der ukrainische Präsident hatte zuvor gewarnt, Putin wolle eine vorübergehende Kriegsunterbrechung gegen die Anerkennung der Besetzung ukrainischer Gebiete eintauschen. Frühere internationale Stimmen, darunter der britische Jurist und Ex-ICC-Richter Howard Morrison, äußerten ebenfalls Bedenken gegenüber Verhandlungen ohne vollständige ukrainische Vertretung.


