Franz Klammer: Olympiasieg und nationale Legende im Sport
1:45,73 Minuten. Eine Zeit, die für immer im kollektiven Gedächtnis Österreichs verankert bleibt. Am 5. Februar 1976 errang der 22-jährige Franz Klammer bei der Olympia-Abfahrt am Patscherkofel in Innsbruck die Goldmedaille und begeisterte damit 60.000 Zuschauer vor Ort. Darüber berichtet Welt Stimme.
Der emotionale Triumph des Kärntners transformierte den einstigen Bergbauernbuben in eine unsterbliche Nationalikone. Dieses Jahr jährt sich Klammers legendärer Sieg zum 50. Mal.
Während die Nation in Ekstase geriet und Reporter-Legende Edi Finger senior in das Mikrofon rief: „1:42, 43, 44, jawohl Bestzeit! 1:45,73 für unseren Franzi Klammer“, erlebte Klammer ein Wechselbad der Gefühle. „So leer, so erleichtert und so glücklich“, äußerte er im ersten TV-Interview nach dem Rennen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich Bestzeit fahre. Das ist der schönste Tag in meinem Leben“, so Klammer, der den Titelverteidiger Bernhard Russi aus der Schweiz um 33 Hundertstelsekunden übertraf. Die Freundschaft, die an diesem Tag zwischen Klammer und Russi entstand, sollte ein Leben lang halten.
Klammer war der erste österreichische Abfahrts-Olympiasieger seit Egon Zimmermann im Jahr 1964. Die Abfahrt fand bereits am zweiten Wettkampftag der Spiele statt und trug zur besonderen Dramaturgie der Veranstaltung bei.
Druck und Erwartungen zur Hochform
Der Druck auf Klammer war enorm; als klarer Favorit ging er ins Rennen. Im Weltcup hatte er seit dem Winter 1974 dominiert und zehn von 13 Abfahrten zuvor gewonnen. „Ein ganzes Volk hatte er auf seinem breiten Buckel geschleppt“, fasste es ein Kommentator treffend zusammen. Während er wartete, dass er als Letzter der besten Gruppe starten konnte, entschied er sich gegen den von seinem Ausrüster Fischer vorgeschlagenen neuen Lochski und benutzte sein bewährtes Modell, den C4.
Zu Beginn der Fahrt hatte Klammer mit Schwierigkeiten zu kämpfen und lag nach der ersten Zwischenzeit hinter Russi und Herbert Plank. „Ich wusste, ich muss etwas machen, sonst gewinne ich nicht“, erklärte er im Nachhinein und schaffte es letztendlich, die letzten Kurven mit einem waghalsigen Fahrstil zu meistern. „Das war wahrscheinlich die beste Kurve, die ich jemals gefahren bin“, äußerte er stolz.
Nationale Euphorie und kulturelle Bedeutung
Die Abfahrt Klammer, die zum Mythos wurde, erzeugte einen Ausnahmezustand in Österreich. Autobahnabschnitte waren menschenleer, Schulen entließen die Schüler frühzeitig und Betriebe hielten inne. Massen strömten in die Gastronomie, um das Rennen live zu verfolgen – die gesamte Nation war auf einen Punkt fokussiert.
Ein Rückblick auf die Karriere
Klammer, der insgesamt zwölf Weltcuprennen und fünfmal den Abfahrtsweltcup (1975, 1976, 1977, 1978, 1983) gewann, gab 1985 bekannt, seine Karriere zu beenden. „Ich bedauere nicht, dass ich keinen Gesamtweltcup gewonnen habe. Das ist müßig, damit zu hadern“, konstatiert er heute.
In den Jahren danach wechselte Klammer in den Motorsport und eroberte die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft. Zudem ist er ein gefragter Werbestar und steht hinter zahlreichen Projekten, darunter die Franz Klammer Foundation, die benachteiligte Sportler unterstützt.
Heute, im Alter von 72 Jahren, bleibt er eine österreichische Legende – stets sichtbar und präsent. Das bevorstehende 50-Jahr-Jubiläum seines Olympiasiegs wird mit einem Charity-Dinner in Innsbruck-Igls sowie einem Legendenrennen am Patscherkofel gefeiert, das auch Bernhard Russi einschließt. Dies geschieht alles für einen guten Zweck und in ehrwürdiger Erinnerung an den Tag, der Klammer für immer in die Geschichtsbücher einging.


