China erweitert den Ausbau erneuerbarer Energien und hat den Grundstein für die größte Wasserkraftanlage der Welt gelegt.
Nyingchi (China). Im Rahmen seiner Initiative zur Klimaneutralität bis 2060 baut China massiv aus erneuerbaren Energien. Das Land hat kürzlich das weltweit leistungsfähigste Solarkraftwerk in der Wüste von Urumqi mit einer Gesamtleistung von 3,5 Gigawatt (GW) installiert. Zudem betreibt China den Drei-Schluchten-Damm, das derzeit leistungsfähigste Wasserkraftwerk, das jährlich zwischen 95 und 112 Terawattstunden (TWh) erzeugt.
Ende 2024 wurde der Bau einer neuen Wasserkraftanlage, die aus fünf kaskadierenden Wasserkraftwerken besteht, offiziell genehmigt. Diese wird durch den Yarlung Tsangpo gespeist, der in Tibet entspringt und über Indien nach Bangladesch fließt.
Ministerpräsident Li Qiang legt Grundstein für Großprojekt
Am 19. Juli 2025 legte Chinas Ministerpräsident Li Qiang den Grundstein für die neue Wasserkraftanlage in Nyingchi, die sich in der Nähe der indischen Grenze befindet. Die geplante Gesamtkapazität beträgt rund 300 Terawattstunden (TWh) pro Jahr, was dreimal so viel ist wie die Erzeugung des Drei-Schluchten-Damms. Ein Großteil des produzierten Stroms ist für den Export vorgesehen, während ein kleiner Teil dem lokalen Bedarf in Tibet dienen soll. Die Investitionskosten für das Projekt werden auf etwa 176 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Kritik aus Tibet, Indien und Bangladesch
Das Großprojekt stößt in Tibet auf Widerstand, da mögliche Lecks in Stauseen das Risiko von Überschwemmungen in der Region erhöhen könnten. Auch Indien und Bangladesch zeigen sich besorgt, dass China die Kontrolle über die Wasserressourcen als Druckmittel nutzen könnte, um künstliche Überschwemmungen oder Dürren auszulösen.
Um mögliche Risiken abzumildern, hat Indien bereits mit dem Bau eigener Wasserkraftprojekte in Arunachal Pradesh begonnen. Zudem äußern Umweltverbände Bedenken, da sie auf die potentiellen Gefahren für die sensiblen Ökosysteme des Himalayas hinweisen. China hingegen hat wissenschaftliche Analysen veröffentlicht, die belegen sollen, dass das Projekt keine nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt haben wird.



