Endgültiges Aus für Intels Chip-Werk in Magdeburg
Am Donnerstag gab der CEO des US-Halbleiterherstellers Intel, Lip-Bu Tan, bekannt, dass das geplante Chip-Werk in Magdeburg aufgrund erneuter Milliardenverluste endgültig gestrichen wird. Neben Magdeburg wird auch ein Projekt in Polen nicht realisiert, während der Bau eines Werks im US-Bundesstaat Ohio verlangsamt werden soll.
Ursprünglich waren Investitionen von rund 30 Milliarden Euro für die Anlage in Deutschland vorgesehen. Die deutsche Regierung hatte staatliche Hilfen von etwa zehn Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Tan betonte in einem internen Schreiben: „Es wird keine Blankoschecks mehr geben. Jede Investition muss wirtschaftlich sinnvoll sein. Wir werden das bauen, was unsere Kunden brauchen, wenn sie es brauchen.“
Bisher hatte Intel unter der Annahme einer anziehenden Nachfrage Produktionskapazitäten aufgebaut. „Ich halte nichts von der Erwartung, dass die Kunden schon kommen werden, nur weil das Angebot vorhanden ist“, äußerte Tan auf einer Telefonkonferenz. Diese Entscheidung wurde vom deutschen Wirtschaftsministerium als nicht überraschend bewertet, es wurde jedoch klargestellt, dass dies keine gute Nachricht für die betroffene Region ist, da Politiker auf die Schaffung eines Ökosystems von Hightech-Zulieferern gehofft hatten.
Das „Megafab“ von Intel wurde als Teil einer Initiative zur Steigerung des Weltmarktanteils europäischer Computerchips konzipiert. Dies soll helfen, Lieferausfälle wie während der Coronavirus-Pandemie zu vermeiden. Experten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung äußerten sich kritisch zu den geplanten, aber nie ausgezahlten Subventionen und plädierten dafür, dass der Staat sich auf die allgemeinen Rahmenbedingungen konzentrieren sollte.
Bei Intel steht eine zweite große Entlassungswelle an, die etwa ein Viertel der bisher rund 100.000 Arbeitsplätze betreffen wird. Der Finanzchef David Zinsner erklärte, dass Intel „chirurgisch“ vorgehen möchte, um die Entscheidungsebenen zu reduzieren. „Wir haben etwa 50 Prozent der Entscheidungsebenen herausgenommen“, sagte er weiter und fügte hinzu, dass der milliardenschwere Konzern aufgrund einer Überbewertung des mittleren Managements in der Vergangenheit unter Druck geriet.
Zusätzlich sollen im ersten Schritt etwa 15 Prozent der Stellen abgebaut werden, während die übrigen Jobs durch natürliche Fluktuation und „andere Maßnahmen“ reduziert werden. Ein Jahr zuvor hatte der damalige CEO Pat Gelsinger ähnliche Maßnahmen ergriffen, jedoch musste er kurz darauf seinen Posten räumen.
Intel befindet sich derzeit in einer nahezu konstanten Krise. Das Unternehmen hat den Trend zur Künstlichen Intelligenz verpasst und bietet keine wettbewerbsfähigen Produkte im Bereich hochprofitable Hochleistungsprozessoren an. Die aktuelle US-Zollpolitik stellt einen weiteren Belastungsfaktor dar, da, trotz bisherige Ausnahmen, Verbraucher und Unternehmen aufgrund unsicherer konjunktureller Aussichten vorsichtig sind.
Eine der größten Herausforderungen für Intel ist die Auftragsfertigung, die technologisch hinter dem taiwanesischen Konkurrenten TSMC zurückbleibt. Trotz massiver Investitionen verzeichnet dieser Bereich nur Verluste. Tan kündigte an, die hochmoderne Fertigungstechnik „18A“ in großem Maßstab einführen zu wollen, doch bisher ist die Entwicklung von technischen Problemen und Verzögerungen geprägt.
Im zweiten Quartal verzeichnete Intel einen überraschend hohen Verlust von 2,9 Milliarden Dollar, was unter anderem Kosten für den Arbeitsplatzabbau umfasst. Die Umsätze stabilisierten sich jedoch bei 12,9 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal wird ein weiterer Verlust über den Markterwartungen prognostiziert. Analyst Joshua Buchalter von Cowen begrüßte die angekündigten Einsparmaßnahmen, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich des Verlusts von Marktanteilen, während die Zukunft von Intel weiterhin unsicher bleibt.

