Die Weinidylle Südburgenland und die Wirtschaftsagentur Burgenland veranstalteten eine Fachtagung zum Thema „Klimafitter Weinbau“ im Rahmen des Projektes „RESPOnD“ in der Gaaser Dorfstube. Im Mittelpunkt der Vorträge stand die Bedrohung durch die Amerikanische Rebzikade (ARZ) für die Weinbaugebiete. Darüber berichtet Welt Stimme.
GAAS. Nationale und internationale Experten diskutierten verschiedene Themen, die zuvor in einem Workshop gemeinsam mit regionalen Winzern sowie mit dem ehemaligen Forschungsleiter der HBLA und BA Klosterneuburg, Franz Rosner, und der Weinbaufachbereichskoordinatorin der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, Verena Klöckl, erarbeitet wurden.
Zu Beginn der Tagung wurden zukünftige Innovationen und digitale Technologien zur Förderung eines klimafitten Weinbaus präsentiert, basierend auf autonomer Bewirtschaftung. Weitere Themen umfassten Bodenbearbeitung und Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität im Weingarten, die den Vormittag abrundeten.
Blaufränkisch und Welschriesling
Am Nachmittag lag der Schwerpunkt auf der südburgenländischen Hauptsorte, dem Blaufränkisch, und den Maßnahmen, die im Weingarten und Keller im Umgang mit dem Klimawandel ergriffen werden können. Der erste Tag der Tagung endete mit einer fachlich begleiteten Verkostung von fünf neuzüchteten pilzwiderstandsfähigen Weiß- und Rotweinsorten, die als mögliche Alternative oder Ergänzung zu Welschriesling und Blaufränkisch gedacht sind.
„Goldgelbe Vergilbung“ und Amerikanische Rebzikade
Der Samstagvormittag war mit rund 170 Teilnehmern ausgebucht, unter ihnen auch Winzer aus der Steiermark, und widmete sich der „Goldgelben Vergilbung der Rebe und der Amerikanischen Rebzikade“. Die Goldgelbe Vergilbung (Grapevine flavescence dorée phytoplasma) gilt als schwerwiegender Schädling, der in vielen Weinbaugebieten Europas verbreitet ist und signifikante Ertragsverluste verursacht, was das Interesse an Informationen entsprechend groß macht.
Die Überträgerin der Krankheit, die Amerikanische Rebzikade, wurde im vergangenen Jahr in allen Bezirken des Burgenlands nachgewiesen. Die Krankheit selbst wurde durch mehrere Blattproben von betroffenen Rebstöcken aus den Bezirken Jennersdorf, Güssing, Oberwart und Oberpullendorf sowie einer Probe aus dem Bezirk Eisenstadt labortechnisch nachgewiesen. Es ist derzeit praktisch ausgeschlossen, dass befallene Rebstöcke sich regenerieren und wieder gesund werden.
Quarantänekrankheit
Wegen der epidemischen Ausbreitung ist die Goldgelbe Vergilbung der Rebe in der Europäischen Union als Quarantänekrankheit klassifiziert und unterliegt der Melde- und Rodungspflicht. Alle Grundstückseigentümer mit Rebstöcken, einschließlich privater Personen, die nur eine Weinlaube pflegen, sind zur erhöhten Aufmerksamkeit verpflichtet.
Rebstöcke müssen während der Vegetationsperiode regelmäßig kontrolliert werden; symptomatische Stöcke müssen schnell markiert werden. „Das Auftreten der Krankheit ist den Ansprechpersonen bei der Burgenländischen Landwirtschaftskammer zu melden. Alle grünen Rebteile müssen sofort abgeschnitten werden, um die Aktivität der Zikaden zu unterbinden. Nachfolgend müssen diese symptomatischen Stöcke (einschließlich Wurzelstock) gerodet werden, bevor sie erneut austreiben,“ erklärt Gudrun Strauß von der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit).
Pflege der Weingärten vorgeschrieben
Nicht gepflegte Weingärten müssen entweder in einen entsprechenden Pflegezustand versetzt oder vollständig gerodet werden, da sie einen Rückzugsort für die Amerikanische Rebzikade darstellen. Laut dem aktualisierten Burgenländischen Weinbaugesetz drohen jenen, die ihren Pflichten nicht nachkommen, entsprechende Strafen.
„Die Goldgelbe Vergilbung ist absolut ernst zu nehmen. Wir befinden uns nicht mehr in der Präventionsphase, sondern bereits in der Bekämpfungsphase.“
Gudrun Strauß, AGES
Zusätzlich sollten Maßnahmen zur Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade getroffen werden. Diese Informationen sind den an den Vegetationsfortschritt angepassten Warnmeldungen der Burgenländischen Landwirtschaftskammer zu entnehmen. Ein Problem besteht darin, dass amerikanische Rebsorten keine Symptome zeigen, europäische hingegen schon. Weitere Informationen finden Sie auf www.lk-bgld.at.
Mögliche weitere Maßnahmen
Im vergangenen Jahr wurden Laborversuche zur Wirksamkeit möglicher Pflanzenschutzmittel und Insektizide durchgeführt. „Wir haben in der Steiermark Larven und erwachsene Rebzikaden eingefangen und behandelt. Dabei zeigten sich im Laborversuch deutliche Unterschiede der einzelnen Mittel. 2026 sind weitere Feldbeobachtungen notwendig. Die Eindämmung der Amerikanischen Rebzikade ist ein zentraler Faktor zur Reduktion der Erkrankungsausbreitung. Derzeit hat die ARZ in unseren Ländern keinen natürlichen Feind,“ berichtet Monika Riedle-Bauer (HBLA & BA für Wein- und Obstbau Klosterneuburg). „Es gibt zwar Generalisten, aber keine spezifischen Nützlinge gegen die ARZ,“ so Strauß.
„Das Burgenland steht aktuell dort, wo wir vor zehn Jahren waren. Schon 2009 und 2010 begannen wir mit der Bekämpfung. Das Problem war, dass wir nicht alle erkrankten Stöcke erkannt haben.“
Manuel Sommer, Winzer aus Klöch
Die Verbreitung hat sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich erhöht. Während die ARZ vor einem Jahrzehnt vor allem in der Südsteiermark thematisiert wurde, hat sie sich in den letzten Jahren zunehmend im gesamten Burgenland verbreitet. Hotspots waren im vergangenen Jahr Heiligenkreuz, der Eisenberg und Csaterberg sowie das Blaufränkischland und das nördliche Burgenland rund um den Neusiedler See.
Gemeinsame Bekämpfung
In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde von den Referenten, einem Vertreter des amtlichen Pflanzenschutzdienstes der Steiermark sowie steirischen und burgenländischen Winzern betont, dass eine Bekämpfung dieses gefährlichen Schaderregers nur gelingt, wenn jeder Einzelne seinen Beitrag leistet: Kontrolle, Markierung und Rodung symptomatischer Rebstöcke und Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade.
„Es ist wichtig, dass die Behörde eine Behandlung anordnet, dann können auch Betriebe, die auf Insektizide verzichten, aktiv werden,“ meint Manuel Sommer. Derzeit ist dies nur möglich, wenn die Krankheit sich ausbreitet, zukünftig könnten aber auch Gebiete, in denen die ARZ verstärkt auftritt, einbezogen werden. Bio-Winzer Christof Winkler-Hermaden berichtete über seinen Betrieb: „Wir haben bereits rund 3,5 Hektar roded. Mit dem Produkt Kumar, das in konventionellen und Bio-Betrieben eingesetzt werden darf, zeigen wir eine Reduzierung infizierter Stöcke. Es ist für den Weinbau lebensnotwendig, den Vektor auszuschalten.“
Intensiver Austausch
„Die Lage ist dramatisch. Seit dem Vorjahr stehen wir in intensivem Kontakt mit Winzern aus Klöch. Im Juni 2025 zeigten sich bei uns die ersten Symptome. Auf einer Fläche von 18 Hektar habe ich zwischen 5.000 und 6.000 Stöcke fällen müssen, was etwa fünf bis sechs Prozent ausmachte. Wenn im nächsten Jahr das zehnfache betroffen ist, wären das fast 60.000 Stöcke. Insgesamt haben wir etwa 80.000 Stück. Möglicherweise haben wir die Dramatik zu spät erkannt,“ meinte Winzer Mathias Jalits aus Badersdorf.
„Ein Bio-Weingarten wird uns nichts bringen, wenn kein Stock mehr steht.“
Mathias Jalits, Winzer aus Badersdorf
Er denkt darüber nach, vom biologischen Anbau abzusehen, um die Rebzikade effizient zu bekämpfen. Die behördliche Genehmigung zur Nutzung von Spritzmitteln für die Rettung der Weinbaugebiete war ein wesentlicher gemeinsamer Nenner. Besteht der Fall, sollten auch die Rückzahlungen von Fördergeldern ausgesetzt werden.


