Arbeitslosigkeit in Österreich erreicht besorgniserregenden Höchststand von 299.180 im September 2025

Oktober 1, 2025 17:52
Arbeitslosigkeit in Österreich erreicht besorgniserregenden Höchststand von 299.180 im September 2025

Die Arbeitslosigkeit in Österreich hat im September 2025 mit 299.180 betroffenen Personen einen alarmierenden Höchststand erreicht. Während die Regierung auf Qualifizierungsmaßnahmen und die Unterstützung älterer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen setzt, wird das Krisenmanagement von der Opposition scharf kritisiert. Darüber berichtet Welt Stimme.

Ende September verzeichnet das Arbeitsministerium einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 19.450 Personen im Vergleich zum Vorjahr – das entspricht einem Wachstum von 7,0 Prozent. Inklusive der Teilnehmer und Teilnehmerinnen an AMS-Schulungen beträgt die Gesamtzahl der Arbeitssuchenden im September 375.120 Personen, was einem Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit, die auf rund 93.800 Personen steigt – ein dramatischer Anstieg von 13,0 Prozent.

Trotz der düsteren Gesamtsituation gibt es einen positiven Trend: Die Beschäftigung von Menschen über 55 Jahren nimmt sowohl absolut als auch relativ zu. Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen ist im ersten Halbjahr 2025 um 1,6 Prozentpunkte auf 59,4 Prozent gestiegen. Arbeitsministerin Korinna Schumann hebt gezielte Maßnahmen der Bundesregierung hervor: „Mit Qualifizierungsmaßnahmen, altersgerechten Arbeitsplätzen, der ‚Aktion 55plus‘ ab 2026 sowie einem Anreiz- und Monitoringsystem für die Beschäftigung von Personen ab 60 Jahren sollen die Jobchancen weiter verbessert werden.“

Frauen trifft die Krise härter

Frauen sind von der steigenden Arbeitslosigkeit überproportional betroffen. Die Arbeitslosigkeit bei Männern ist um 5,4 Prozent gestiegen, während Frauen einen Anstieg von 8,8 Prozent verzeichnen. „Diese Tendenz ist besorgniserregend, Frauen brauchen bessere Unterstützung“, betont AK-Präsidentin Renate Anderl. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die Branchenstruktur: In typischen Frauenbranchen wie dem Handel oder im Sozialwesen steigt die Arbeitslosigkeit stärker als in traditionell männerdominierten Sektoren wie dem Bau. Besonders prekär ist die Situation für Alleinerzieherinnen, die aufgrund niedrigerer Einkommen auch geringeres Arbeitslosengeld erhalten. Die Arbeiterkammer fordert deswegen eine Erhöhung der Nettoersatzrate und der Familienzuschläge in der Arbeitslosenversicherung.

Der ÖGB warnt vor dem „Zwischenparken“ von Beschäftigten: Unternehmen melden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kurzfristig beim AMS an, um Personalkosten zu sparen – eine Praxis, die jährlich rund 700 Millionen Euro an staatlichen Zusatzkosten verursacht. ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth fordert: „Der Sozialstaat schützt Menschen. Das Zwischenparken schützt nur Gewinne!“

AMS rät auch zu Job in anderem Bundesland

Die FPÖ kritisiert die Regierung und spricht von „Gleichgültigkeit und völligem Desinteresse“ angesichts von Betriebsschließungen wie bei Lenzing AG und Unimarkt. Die Grünen zeigen sich besorgt über die Sparpolitik der Regierung: „Die Abschaffung des Klimabonus und Kürzungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind toxisch für die Konjunktur“, so Arbeits- und Sozialsprecher Markus Koza.

Die Industriellenvereinigung fordert im Gegensatz dazu eine Senkung der Lohnnebenkosten und einen Bürokratieabbau: „Die wettbewerbsfähige Positionierung des österreichischen Standortes ist der Schlüssel, um sich die umfassende, österreichische Form des Sozialstaates leisten zu können“, erklärt Generalsekretär Christoph Neumayer. ÖVP-Wirtschaftsbund-Generalsekretär und ÖVP-Wirtschaftssprecher Kurt Egger warnt, dass der „Sozialleistungsmissbrauch“ durch Arbeitnehmer den heimischen Arbeitsmarkt untergräbt.

AMS-Wien-Chef Winfried Göschl sieht insbesondere für die Tourismusbranche Chancen in anderen Bundesländern: „Im Westen und Süden Österreichs sind die Verdienstmöglichkeiten während der Wintersaison vielfach hervorragend.“

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