Burgenlands Landwirtschaft: Herausforderungen durch EU-Agrarpolitik und Mercosur-Abkommen

Feber 3, 2026 15:07
Burgenlands Landwirtschaft: Herausforderungen durch EU-Agrarpolitik und Mercosur-Abkommen

Sowohl die europäische Agrarpolitik als auch das Mercosur-Abkommen beschäftigen die Landwirtschaftskammer (LK) in Eisenstadt. Hinzu kommt ein interner Strategieprozess. Darüber berichtet Welt Stimme.

EISENSTADT. „Nichts ist so sicher wie der Wandel“, sagt LK-Vizepräsident Werner Falb-Meixner bei der Pressekonferenz am Dienstagvormittag in der Landwirtschaftskammer in Eisenstadt. Auch die Landwirtschaft muss sich kontinuierlich anpassen. LK-Präsident Nikolaus Berlakovich bezeichnet das Jahr 2026 als besonders richtungsweisend und entscheidend.

Sorge um EU-Budget-Kürzung

Ein zentrales Anliegen ist die EU-Agrarpolitik, insbesondere die geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 sowie der nächste Mehrjährige Finanzrahmen (MFR). Während das EU-Budget stark steigt, wird die GAP um 20 Prozent gekürzt. Zudem ist eine Auflösung der GAP und deren Verwaltung in einem sogenannten „Single Fund“ vorgesehen. „Das ist inakzeptabel“, betont Berlakovich. Eine starke, eigenständige GAP mit ausreichendem Budget sei für die Betriebe und die Versorgungssicherheit unverzichtbar. „Die derzeitigen Diskussionen in Brüssel lassen jedoch befürchten, dass agrarische Kernanliegen unter Druck geraten. Das werden wir nicht akzeptieren.“ Dies führte zu einer der größten Bauerndemonstrationen mit über 10.000 Teilnehmern in Brüssel.

Sorge um Mercosur-Abkommen

Ein weiteres Anliegen ist das Mercosur-Abkommen. Obwohl dieses aufgrund der etwa zwei Jahre dauernden Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof rechtlich noch nicht in Kraft ist, könnte eine vorläufige Anwendung in bestimmten Bereichen erfolgen. Die Kammer kritisiert, dass bindende Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards weiterhin fehlen. „Dieses Abkommen bringt massive Risiken für unsere Rinder- und Ackerbaubetriebe“, sagt Falb-Meixner. Es sei notwendig, gleiche Produktionsbedingungen sowie wirksame Kontrollen zu schaffen. „Wir können nicht so günstig produzieren wie in Südamerika.“ Anfang Januar zeigte eine Traktor-Demo in Parndorf, dass die Geduld der bäuerlichen Familienbetriebe am Ende sei. Sie fordern einen Handel unter fairen Bedingungen.

Darüber hinaus plant die Kammer, sich in diesem Jahr für eine Vereinfachung der auf Ende 2026 verschobenen EU-Entwaldungsverordnung sowie gegen steigende Düngerkosten einzusetzen.

Strategieprozess gestartet

Neben den externen Herausforderungen hat die Kammer auch interne Aufgaben zu bewältigen. Kammerdirektor Martin Burjan berichtete am Dienstag über den sogenannten „Zukunftsdialog“, einen laufenden internen Strategieprozess. Die Kammer stellt sich neu auf und möchte künftig „noch effizienter, serviceorientierter, digitaler und moderner“ arbeiten. Gleichzeitig wird auch gespart; zwei Abteilungen wurden zusammengelegt. Hintergrund des Prozesses ist der vor etwas mehr als zwei Jahren unterzeichnete Kooperationsvertrag mit dem Land, der der Kammer seither jährliche Landesgelder von drei Millionen Euro sichert, während es zuvor nur zwei Millionen waren. Im Gegenzug erhielt das Land rund 30 Hektar an Liegenschaften. „Wir schwimmen jetzt aber nicht im Geld“, sagt Berlakovich.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Leopoldstadt: Beginn der zweiten Bauphase für das neue "Theater im Prater"
Vorheriger artikel

Leopoldstadt: Beginn der zweiten Bauphase für das neue „Theater im Prater“

Arbeitslosenzahlen in Grieskirchen und Eferding: Rund 2.300 Betroffene im Januar 2026
Nächster artikel

Arbeitslosenzahlen in Grieskirchen und Eferding: Rund 2.300 Betroffene im Januar 2026

Nicht verpassen