Im Gespräch mit Welt Stimme äußert sich Christian Jäger zu seinem aufregenden Werdegang und betont die Wichtigkeit von Mut und Durchhaltevermögen für den Erfolg. Als Investor bei „2 Minuten 2 Millionen“ fördert er innovative Start-ups mit einem klaren Fokus auf nachhaltige Geschäftsmodelle.
MEINBEZIRK: Herr Jäger, beginnen wir mit Ihrem Werdegang. Wie verlief Ihr beruflicher Weg?
CHRISTIAN JÄGER: Ich bin gebürtiger Tiroler, in Innsbruck geboren und in Seefeld aufgewachsen. Meine schulische Laufbahn war alles andere als klassisch. Nach der Pflichtschule ging ich in die Handelsschule nach Telfs und begann dort den Aufbaulehrgang. Irgendwann bin ich jedoch mordsmäßig ins Straucheln geraten und habe die Schule abgebrochen. Danach war ich beim Bundesheer, verbrachte Zeit im Ausland und beschäftigte mich mit Sprachen wie Englisch und Französisch.
Ich dachte mir: Ein Schulabbrecher zu sein ist maximal uncool. Also beschloss ich, das nachzuholen, und ging an die Abend-HAK in Innsbruck, wo ich schließlich die Matura gemacht habe. Die Noten waren schlecht, aber ich habe bestanden. Mein Rat: Lieber gleich lernen und sein Ding zu Ende bringen, denn später wird alles nur schwieriger. Es klingt zwar romantisch, wenn jemand, der in der Schule schlecht war, später erfolgreich wird, aber das muss man nicht als Vorbild nehmen. Danach entschloss ich mich, nach Deutschland zu gehen und mich selbstständig zu machen. Mit diesem Zeugnis hätte mich hier niemand eingestellt, aber dann ging es rasant bergauf.
War das Unternehmertum schon immer Ihr Traumberuf oder hatten Sie früher andere Vorstellungen?
Ich habe darüber tatsächlich einmal nachgedacht, ob es früher andere Traumberufe gab, wie Polizist oder Indianer. Aber ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, jemals ernsthaft etwas anderes gewollt zu haben. Unternehmer zu sein ist etwas Richtiges, wenn man sich das zutraut. Man braucht dafür Selbstbewusstsein, Mut und Durchhaltevermögen. Ohne diese Eigenschaften funktioniert Unternehmertum nicht.
Was bedeutet Erfolg für Sie persönlich und hat sich diese Definition im Laufe der Zeit verändert?
Man muss ganz klar zwischen privatem und beruflichem Erfolg unterscheiden. Privat bin ich dann erfolgreich, wenn meine Kinder in schwierigen Momenten gerne zu mir kommen und sagen: „Papa, wie würdest du das machen?“ Oder wenn ich mit meiner Frau auch nach 27 Jahren noch gemeinsam beim Frühstück lachen kann. Wenn wir gerne Zeit miteinander verbringen, gemeinsam verreisen, dann ist das für mich privater Erfolg.
Beruflich ist Erfolg für mich deutlich nüchterner. Wenn ich eine Idee habe und sie umsetze, dann ist sie genau dann erfolgreich, wenn ich sie monetarisiert habe. Ich muss Geld damit verdienen. Alles andere ist romantisch, aber nicht erfolgreich. Diese Sichtweise hat sich über die Jahre nicht verändert.
Viele sprechen von ganz bestimmten Zielen im Leben. Wie gehen Sie persönlich damit um?
Ganz ohne Ziele darf man nicht durchs Leben gehen. Das wäre blauäugig. So wie ein Unternehmen einen Businessplan braucht, braucht man auch persönlich Ziele. Es gibt große, eher abstrakte Ziele, die weiter in der Zukunft liegen. Und dann muss man sich überlegen: Was bedeutet das konkret für das nächste halbe Jahr, für die nächste Woche?
Wichtig ist, dass Ziele groß sein dürfen, aber realistisch bleiben müssen. Wenn ich mir vornehme, in drei Jahren Elon Musk zu sein, kann das nicht funktionieren. Dann ist man am Ende nur frustriert. Ziele müssen überprüfbar sein, man muss sie regelmäßig reflektieren und gegebenenfalls nachjustieren, nach oben oder nach unten.
Gibt es Vorbilder, an denen Sie sich orientieren?
Als Mensch ist Arnold Schwarzenegger ein absolutes Vorbild für mich. Ich habe ihn schon öfter getroffen, war auch privat bei ihm zu Hause und treffe ihn demnächst wieder beim Hahnenkammrennen.
Welche Fehler machen Gründerinnen und Gründer bei „2 Minuten 2 Millionen“ besonders häufig?
Es gibt nicht den einen Fehler, aber sehr oft wollen Gründer extrem wenig Anteile abgeben, fünf oder zehn Prozent, und erwarten gleichzeitig, dass der Investor danach alles richtet, macht und tut. Das funktioniert nicht. Die Erwartungshaltung ist oft zu hoch. Manchmal müsste man den Spieß fast umdrehen: Der Investor sollte 90 Prozent haben, dann kann er sich wirklich reinhängen. Für ein paar Prozent macht das niemand.
Wann werden Sie bei einem Pitch misstrauisch?
Wenn sich herausstellt, dass das Startup nur nebenbei betrieben wird und die Gründer eigentlich noch einen ganz anderen Hauptberuf haben. Das schätzen wir gar nicht. Wir wollen fokussierte Menschen sehen, die so sehr an ihre Idee glauben, dass sie alles andere dafür zurückgestellt haben.
Es gab einmal einen Pitch, bei dem Sie aufgestanden und gegangen sind. Was war der Auslöser?
Das war wegen einer derart abartigen Bewertung, dass ich mich wirklich echauffiert habe. Ich hatte das Gefühl, dass die Gründer nicht wegen eines Investments da waren, sondern nur wegen der Sendezeit. Dafür sitze ich nicht dort. Also bin ich gegangen und habe mir gedacht, da geh ich lieber einen Kaffee trinken. Das war mein zweiter Aufzeichnungstag in meiner ersten Staffel. Ich handle oft sehr spontan und stark aus dem Bauch heraus. Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass es richtig war. Ich wurde dafür gefeiert, sogar Dr. Haselsteiner ist mir gefolgt.
Hat sich Ihr Umgang mit Risiko durch Krisen wie Pandemie, Krieg oder Teuerung verändert?
Eigentlich nicht. Ich investiere weiterhin in bestehende Unternehmen, die sich im Wachstum befinden und Kapital brauchen. Ich investiere dort weiterhin mein eigenes Geld, weil ich an diese Firmen glaube. Bei neuen, vor allem kapitalintensiven Projekten bin ich vorsichtiger geworden. Ich möchte zuerst die bestehenden Projekte auf die Größe bringen, die sie erreichen sollen.
Ist jetzt eine gute Zeit, ein Startup zu gründen?
Das hängt stark vom Geschäftsmodell ab. Konsumprodukte, die teuer sind und ins Regal sollen, haben es aktuell schwerer. Wenn es aber um Lösungen mit echtem Zukunftsmehrwert geht, etwa im Energiesektor, dann ist es nach wie vor eine sehr gute Zeit. Wir haben eigentlich keine klassische Krise. Die Börsen steigen, die Unternehmen laufen, die Leute kaufen. Vieles ist eher ein subjektives Unsicherheitsgefühl.
Braucht es in schwierigen Zeiten mehr Visionäre oder mehr Realisten?
Am schönsten wäre ein realistischer Visionär. Wenn ich mich entscheiden muss, dann ganz klar Visionäre. Realistisch zu sagen, dass alles schlecht ist, bringt niemanden weiter. Es braucht auch Menschen, die den Karren wieder aus dem Dreck ziehen.
Welchen Rat geben Sie jungen Menschen mit einer guten Idee, aber Angst vor dem Risiko?
Angst ist ein ganz schlechter Berater im ganzen Leben. Wenn du zu ängstlich bist, wirst du nie weiterkommen. Wenn du überzeugt bist, dass deine Idee gut ist, dann riskier es. Warte nicht auf die perfekte Zeit. Die wird nie kommen. Das heißt nicht, dass man kopflos alles aufs Spiel setzen soll. Aber man muss anfangen, ins Machen kommen und auch bereit sein, etwas zu riskieren.
„2 Minuten 2 Millionen“: Vorschau auf neue Staffel
Die 13. Staffel der PULS 4 Start-Up-Show startet am 10. Februar und bringt neue Dynamik ins Rennen. In dieser Staffel haben nicht nur die Investoren, sondern auch ganz Österreich eine Stimme. Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer müssen sich nun nicht nur vor den Investoren beweisen, sondern auch Marktumfragen und Tests durchlaufen, die den Erfolg ihrer Ideen vorab prüfen. Christian Jäger, der in der vergangenen Staffel mit einem Rekordinvestment von 4 Millionen Euro in SUN Minimeal einen Meilenstein setzte, bleibt der Show treu und bringt weiterhin seine Expertise in zukunftsorientierte Geschäftsmodelle ein.


