Mehr als 30 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie und Energiewirtschaft haben am Mittwoch im Grazer Landhaus zentrale Fragen der Energiewende diskutiert. Die ganztägige Enquete soll eine gemeinsame Wissensbasis schaffen und konkrete Schritte für eine sichere, leistbare und klimafitte Energieversorgung in der Steiermark vorbereiten. Im Mittelpunkt standen vier Themenfelder – von der Energiestrategie bis zur Forschung. Darüber berichtet Welt Stimme.
STEIERMARK/GRAZ. Die Energiezukunft ist ein zentrales Thema für die Bevölkerung und Politik. Anlass war eine der größten fachpolitischen Diskussionsrunden des Jahres im Landtag, organisiert von Landtagspräsident Gerald Deutschmann. Er betonte die Notwendigkeit eines gemeinsamen Verständnisses: Die Enquete sei ein „Startpunkt für spätere Entscheidungen“ und ein Zeichen, dass das Thema parteiübergreifend ernst genommen wird. Diese Sitzung widmete sich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder einem einzelnen Schwerpunkt und verdeutlicht die dringende Verknüpfung von Energieversorgung, Klimaschutz und Standortfragen.
Was die Fachwelt derzeit bewegt
Im Vormittagsprogramm wurden wissenschaftliche und technologische Einschätzungen vorgestellt, die klar machten, dass die Energiewende weit über technische Umstellungen hinausgeht. Sie betrifft Wirtschaft, Gesellschaft und Infrastruktur gleichermaßen. Einige Vortragende hoben hervor, dass die Steiermark bereits starke Grundlagen besitzt – darunter international vernetzte Universitäten, innovative Industriebetriebe und große COMET-Forschungszentren, in denen Tausende Forschende an Zukunftstechnologien arbeiten. Viele Lösungen sind bereits vorhanden, während andere sich in der Entwicklung befinden. Entscheidend ist, wie schnell diese Ansätze umgesetzt werden können.
Dazu gehören unter anderem Fortschritte in Speichertechnologien, neue Ansätze im Wasserstoffbereich, intelligente Netze und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen wie Wind, Sonne, Wasser und Biomasse. Gleichzeitig wurde betont, dass massive Investitionen, klarere Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich sind.
Vier Themenfelder – vier zentrale Herausforderungen
Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmer in Arbeitsgruppen an den besonders relevanten Bereichen für die kommenden Jahre:
- Energiestrategie und Rahmenbedingungen
Die Steiermark verfolgt mit der Strategie KESS 2030+ ehrgeizige Ziele, darunter die Reduzierung fossiler Energien und den Ausbau erneuerbarer Quellen bei gleichzeitigem Erhalt der Versorgungssicherheit. Diskutiert wurden Maßnahmen wie schnellere Genehmigungen, eine stärker energieorientierte Raumordnung und innovative Vorgaben für Wasserstoff und Großspeicher.
- Ausbau erneuerbarer Energiequellen
Der Ausbau von Solar- und Windkraft soll signifikant gesteigert werden, was ausreichende Flächen, moderne Planungsinstrumente und klarere Verfahren erfordert. Zudem wird eine stärkere Einbindung der regionalen Bevölkerung angestrebt, um Akzeptanz und Verständnis zu erhöhen.
- Netze und Speicher als Rückgrat der Energiewende
Der Ausbau erneuerbarer Quellen bleibt ohne leistungsfähige Netze fragmentarisch. Diskutiert wurden flexible Netztarife, Förderungen für Batteriespeicher sowie Strategien zur Anbindung internationaler Wasserstoffnetze. Für Wärmenetze sollen spezifische CO₂-Reduktionspfade definiert werden.
- Forschung und Innovation im „Green Tech“-Land Steiermark
Die Forschung ist ein Schlüsselfaktor für den Standort. Vorgeschlagen wurde ein „Masterplan Energieforschung“, stärkere Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie sowie der Aufbau einer Modellregion für KI-gestützte Energienetze. Der Ausbau von Ausbildungsprogrammen wurde ebenfalls als dringend erforderlich bezeichnet.
Politische Reaktionen: Einigkeit im Ziel, Unterschiede im Weg
In der Schlussdebatte unterstrichen alle Landtagsklubs die Bedeutung der Energiewende, insbesondere hinsichtlich leistbarer Energie für Haushalte, Wirtschaftsstandorten, Netzausbau und regionaler Wertschöpfung. Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte wurde ein gemeinsamer Nenner deutlich: Die Steiermark steht vor großen Veränderungen, und die politischen Kräfte sind entschlossen, diesen Prozess aktiv zu gestalten. Die Energie-Enquete im Landhaus hat einen umfassenden Diskussionsprozess in Gang gesetzt, dessen Ergebnisse in die politische Arbeit einfließen sollen, um die Energieversorgung der Steiermark in den kommenden Jahren entscheidend zu beeinflussen.


