Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wien und den Immobilieninvestoren Ariel Muzicant und Markus Teufel zum Bau des Fernbusterminals endete vor über zwei Jahren abrupt. Nun plant die Stadt den Bau eigenständig, der Spatenstich steht kurz bevor. Muzicant und Teufel sind weiterhin Nachbarn des Projekts, da sie das alte Gasthaus Mehler besitzen. Wie wird es mit dem Traditionslokal weitergehen?
WIEN/LEOPOLDSTADT. Am Handelskai, in Richtung Sport Arena Wien, bleibt das Schild „Gasthaus Mehler – Gelebte Wiener Gastlichkeit“ sichtbar, während das Gebäude weitgehend unverändert ist. In der Umgebung hat sich hingegen viel verändert, insbesondere die Planungen für das neue Wiener Fernbusterminal, das in den kommenden Jahren entstehen soll.
Das Traditionslokal musste im September 2022 endgültig schließen, nachdem der Abriss des Mehlers angekündigt wurde, um Platz für ein Hochhaus im Rahmen des Großprojekts „Fernbusterminal“ zu schaffen. In den letzten drei Jahren kam es jedoch zu mehreren Planänderungen, die den ursprünglichen Entwurf beeinflussten.
Pläne für Hochhaus verworfen
Das Grundstück bleibt im Besitz von Muzicant und Teufel, die mit ihrer „Danubpark Entwicklungs V GmbH“ an dem Projekt beteiligt waren. Mitte 2023 zogen sie sich aus dem Projekt des Fernbusterminals zurück, da die Projektkosten als zu hoch erachtet wurden und ein Rechtsstreit mit der Stadt Wien folgte. Inzwischen übernimmt die Stadt den Bau selbst, plant jedoch vorerst den Verzicht auf die Errichtung eines Hochhauses. Der Baubeginn am Handelskai steht nun unmittelbar bevor. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die ursprünglichen Pläne für das Hochhaus wurden offenbar auch von Teufel und Muzicant verworfen. Aktuell sieht die Nutzung des knapp 400 Quadratmeter großen Grundstücks eine Sport- und Spielfläche vor, während frühere Planungen ein gemischtes Baugebiet mit einem Hochhaus vorsahen.
Hauptgebäude und Seitentrakt stehen noch
Laut Muzicant wird die Fläche nun gemäß ihrer Widmung als Sport- und Spielfläche verwendet, wobei er gegenüber angegeben hat, dass aktuell keine konkreten Pläne dazu existieren. Teile des Gasthauses Mehler wurden abgerissen, soweit dies „baubehördlich zulässig“ war.
Das Hauptgebäude und der linke Seitentrakt stehen jedoch weiterhin, umgeben von Bauzäunen. Laut MA37 – der zuständigen Baupolizei – liegen für diese Teile keine Abrissgenehmigungen vor. Die MA 19 – die Behörde für Architektur und Stadtgestaltung – erklärt, dass der Teil des Gebäudes, der nicht abgerissen werden durfte, aufgrund seines historischen Wertes geschützt ist.
Typische Fachwerkbauten sind erhaltenswürdig
Vor dem Abriss wurde das Gasthaus Mehler hinsichtlich seiner „Erscheinungsform, Architektur und Baustruktur“ analysiert. Es wurde festgestellt, dass sowohl das Hauptgebäude als auch der linke Seitentrakt zu den letzten gut erhaltenen Beispielen einer im Prater und am Praterkai verbreiteten Bauweise gehören. Die MA 19 erklärte die Gebäude zu einem schützenswerten Bestand im öffentlichen Interesse. Die anderen eingeschossigen Bauten wurden hingegen für eine „nutzungsorientierte Gestaltung“ abgerissen.
In Wien gilt allgemein, dass Gebäude, die vor 1945 erbaut wurden, vor ihrem Abriss eine Genehmigung durch die MA 19 benötigen. Der linke Seitentrakt stammt aus dem Jahr 1904, während das Baujahr des Hauptgebäudes unbekannt ist, jedoch sicher vor 1945 liegt.
Bau einer Kantine wäre erlaubt
Bis Muzicant und Teufel wieder eigene Bauprojekte in der Nähe des Fernbusterminals realisieren können, müssen sie verschiedene Hürden überwinden. Dazu gehört ein Antrag bei der MA 19 gemäß § 62a (5a) der Wiener Bauordnung (WBO). Des Weiteren müsste die Fläche umgewidmet werden.
Wie die MA21 – Stadtteilplanung und Flächenwidmung erklärt, ist auf dem Grundstück lediglich die Errichtung von Gebäuden zulässig, die für die Nutzung der Gebiete erforderlich sind. Dies könnte beispielsweise eine Kantine umfassen. Laut MA 37 liegt jedoch kein entsprechender Antrag vor.


