Grazer Studie zeigt: Kläranlagen entfernen über 95 Prozent Mikroplastik aus Abwasser

November 15, 2025 12:29
Grazer Studie zeigt: Kläranlagen entfernen über 95 Prozent Mikroplastik aus Abwasser

Ein gemeinsames Forschungsteam von TU Graz, TU Wien und Umweltbundesamt hat eine neue, praxistaugliche Messmethode für Mikroplastik in Kläranlagen entwickelt. Ihre Untersuchungen belegen: Mehr als 95 Prozent der Partikel werden bereits heute aus dem Abwasser entfernt. Besonders häufig nachgewiesen wurde Mikroplastik aus Reifenabrieb. Darüber berichtet Welt Stimme.

STEIERMARK/GRAZ. Die weltweite Besorgnis über die Gefahren von Mikroplastik für Mensch und Umwelt nimmt zu und stellt die Frage auf, wie viel Mikroplastik durch Haushaltsabwässer und Regenwasser in Flüsse und Seen gelangt. Eine jetzt präsentierte Studie aus Graz zeigt: Kläranlagen können einen Großteil der Partikel zurückhalten, konkret 95 Prozent des nachweisbaren Mikroplastiks, wie das Forschungsteam unter der Leitung von Günter Gruber vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Landschaftswasserbau der TU Graz berichtet.

Die Forschenden widmen sich gleichzeitig einem seit langem bestehenden Problem: dem Fehlen einheitlicher Messstandards. „Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien zu Mikroplastik mit einer Vielzahl von Ergebnissen“, führt Helmut Rechberger von der TU Wien aus. Doch ohne eine einheitliche Methodik sind die Resultate oft schwer vergleichbar. Die neu entwickelte Analysemethodik ermöglicht nun erstmals konsistente Daten. Rechberger betont zudem: „Mit der von uns entwickelten Analysemethodik lassen sich nun vergleichbare Ergebnisse erzielen.“

Aufwendige Probenahme für realistische Daten

Die Probenentnahme aus dem realen Abwasserstrom war eine der größten Herausforderungen und gleichzeitig eine potenzielle Fehlerquelle, wie das Team der TU Graz erklärt. Mikroplastik ist ungleich verteilt: Einige Partikel schwimmen, andere sinken, viele bewegen sich in Übergangsbereichen. Daher entschied sich das Team für 24-Stunden-Mischproben mit großen Volumina – 100 Liter im Zulauf und 1.000 Liter im Ablauf.

Um repräsentative Daten und eine gute Durchmischung zu erzielen, suchten die Forschenden gezielt nach turbulenten Bereichen in der Grazer Kläranlage. Im Verlauf von 28 Tagen wurden Proben entnommen und in Edelstahlbehältern gesammelt. Ergänzende Untersuchungen in Wiener Neustadt bestätigten die Genauigkeit der Messungen.

Die TU Wien entwickelte im Rahmen des Projekts ein sogenanntes Discfiltersystem, das zuerst Partikel über 20 Mikrometer und dann über zehn Mikrometer abtrennt und für die Analyse aufbereitet. Das Umweltbundesamt steuerte eine zweite Methode bei, die es ermöglicht, Kunststoffarten und deren Konzentration präzise nachzuweisen.

Reifenabrieb im Abwasser

Besonders überraschend war ein Ergebnis: Der Anteil an Reifenabrieb im Zulauf war besonders hoch. „Es war spannend zu sehen, dass insbesondere Plastikpartikel von Reifenabrieb stark im Zulauf zur Kläranlage zu finden waren“, sagt Günter Gruber von der TU Graz. Gleichzeitig hebt er die Wirksamkeit des Systems hervor: „Die gute Nachricht ist, dass wir herausgefunden haben, dass Kläranlagen eine hervorragende Senke für Mikroplastik sind.“

Ab 2033 soll Klärschlamm größerer Anlagen in Österreich verpflichtend thermisch verwertet werden, wodurch Mikroplastik praktisch unschädlich gemacht wird, so das Forschungsteam.

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