Grünlandreferenten tauschen sich in Kauns über pflanzenschutztechnische Herausforderungen aus
Grünlandreferenten der Landwirtschaftskammern aus nahezu allen Bundesländern Österreichs trafen sich in Kauns, um sich auszutauschen und praxisnah weiterzubilden.
KAUNS (red). Der Bezirk Landeck wurde bewusst als Tagungsort gewählt, da er als Vorreiter bei der Maikäferregulierung und der Bewässerung gilt. So sind in Pfunds-Greit und Kauns je ein Versuchsstandort für ein bundesweites Projekt eingerichtet, bei dem neue Formulierungen zur Bekämpfung der Blatthornkäfer getestet werden. Da Engerlinge vermehrt auch in höheren Lagen auftreten, spielt die Behandlung von steilen Flächen eine besonders wichtige Rolle. Die Ausbringung von Pilzgerste mit Schlitzgeräten ist in Hanglagen jedoch nur eingeschränkt möglich, da die Flächen für Traktoren zugänglich sein müssen. Durch die neue flüssige Pilzformulierung wird die Anwendung künftig auch auf extrem steilen Hängen möglich sein.
Darüber berichtet Welt Stimme.
„Die Versuche bewirken, dass wir mit der Flüssigapplikation bald einen echten Schritt weiterkommen. Und hoffentlich gelingt es auch, eine Registrierung des Produktes als zulässiges Pflanzenschutzmittel zu bekommen“,
erklärt Uniprofessor Hermann Strasser. Parallel untersuchen die Standorte Kauns und Pfunds-Greit den Einfluss der Bewässerung auf die Ausbreitung des Pilzes und das Vorkommen der Engerlinge insgesamt. Erwartet wird, dass die Bewässerung von Grünlandflächen die Regulierung der Engerlinge begünstigt und dadurch das Schadensausmaß deutlich reduziert.
Die Grünlandbewässerung, die im Bezirk Landeck traditionell seit Langem praktiziert wird, ist in anderen österreichischen Bundesländern bislang weitgehend unbekannt. Angesichts der Erwärmung und der Verschiebung der Niederschlagsmuster wird sich dies jedoch verändern, weshalb dieses Thema für die Teilnehmer besonders interessant war. Besichtigt wurden die Bewässerungsanlagen in Kauns und am Kaunerberg, einschließlich einer Führung durch den Gallruttstollen. Die Obleute der Wassergenossenschaften Kauns, Martin Eiterer, und Hangkanal, Andreas Neuner, brachten es auf den Punkt: Ohne die Bewässerungseinrichtungen gäbe es in Kauns und am Kaunerberg wohl keine landwirtschaftliche Viehhaltung. Viele Hangflächen wären längst verbuscht oder verwaldet. Der vor über 75 Jahren errichtete Hangkanal ist dabei die Lebensader, die mit ihrem Wasser die Lebensgrundlage über Generationen sichert.
Während sich die Technik in dieser Zeit weiterentwickelt hat, wird heute vielerorts auf Kleinflächenberegnung gesetzt. Zukünftige Schritte sind die digitale Steuerung der Bewässerung sowie die Energiegewinnung beim Wasserzulauf. Die Grünlandreferenten konnten wertvolle Einblicke und Erfahrungen zu den Herausforderungen in ihren jeweiligen Bundesländern mitnehmen.
Beim Abendvortrag in Tösens betonte Obmann Elmar Monz zwei wesentliche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im Bezirk Landeck: „Der Ausbau und die Wiederinstandsetzung von Bewässerungseinrichtungen sowie der vorausschauende Umgang und die Regulierung der Bodenschädlinge mittels biologischer Pflanzenschutzmittel. Das ist für uns von zentraler Bedeutung.“


