Halbjahresbericht der Arbeiterkammer Hollabrunn: Über 1,1 Millionen Euro für Arbeitnehmer gesichert

Oktober 11, 2025 01:22
Halbjahresbericht der Arbeiterkammer Hollabrunn: Über 1,1 Millionen Euro für Arbeitnehmer gesichert

Über 74.000 Arbeitnehmer nutzen AK Niederösterreich Beratung im ersten Halbjahr 2025

Mehr als 74.000 Arbeitnehmer haben im ersten Halbjahr 2025 die Unterstützung der Arbeiterkammer (AK) Niederösterreich in Anspruch genommen. Im Bezirk Hollabrunn waren es 5.462. Besonders betroffen sind Teilzeitkräfte. Bezirksstellenleiter Martin Feigl berichtete über einen bemerkenswerten Fall aus Hollabrunn. Darüber berichtet Welt Stimme.

„Über 5.400 Menschen haben im ersten Halbjahr 2025 mit uns Kontakt aufgenommen“, so Feigl. In zahlreichen Fällen ging es lediglich um schnelle Auskünfte. Allerdings benötigten 2.104 Personen weiterführende Beratung und Unterstützung von den AK-Expertinnen und -Experten in spezifischen Problemstellungen.

„Gerade die aktuellen Krisen verdeutlichen, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind“, zieht Feigl Bilanz. Die Bezirksstelle Hollabrunn hat im ersten Halbjahr beinahe 1,2 Millionen Euro für die Arbeitnehmer der Region gesichert.

Teilzeitkräfte insbesondere benachteiligt

Teilzeitbeschäftigte im Handel arbeiten häufig mehr als vertraglich vereinbart, erhalten jedoch erheblich weniger Mehrarbeitsvergütung im Vergleich zu ihren Vollzeitkollegen. Ihnen werden zudem vakante Vollzeitstellen oft vorenthalten.

Erfolgreiche Einzelfälle im Bezirk Hollabrunn

Frau M. bewarb sich bei einer GmbH im Bezirk Hollabrunn als Angestellte und erhielt einen Mustervertrag mit ihren Daten im Vorfeld. Bei Arbeitsbeginn wurde ihr jedoch ein abweichender Originalvertrag vorgelegt, der von beiden Parteien unterschrieben wurde. Nach wenigen Monaten bemerkte Frau M., dass ihre Entlohnung zu niedrig war. Sie forderte eine Kopie des Arbeitsvertrags an und stellte fest, dass im Mustervertrag 10 Jahre Vordienstzeit angerechnet wurden, im Originalvertrag jedoch nur 6 Jahre. Nach einer Diskussion mit ihrem Vorgesetzten und einer Anfrage bei der AK Hollabrunn erhielt sie letztendlich mehr als 2.000 Euro nachgezahlt.

Bezirksstellenleiter Martin Feigl betonte: „Dank der sorgfältigen Dokumentation von Frau M. konnten wir diese Angelegenheit schnell klären. Auch wenn es sich nicht um hohe Beträge handelt, zeigt dies, wie wesentlich es ist, sämtliche Unterlagen aufzubewahren und Zeitausgleichsrechnungen zu führen.“

Bilanz in Niederösterreich

Insgesamt haben über 74.000 Arbeitnehmer die Hilfe der AK Niederösterreich im ersten Halbjahr 2025 in Anspruch genommen. „Für die Betroffenen haben wir 68,8 Millionen Euro erreicht“, bilanziert Kammerrat Christian Kauer von der AK Niederösterreich.

Ein erheblicher Bedarf an Beratungen wurde insbesondere von Teilzeitbeschäftigten geäußert. „Gerade im Handel kommt es häufig vor, dass Teilzeitkräfte mehr Stunden arbeiten, als vertraglich vereinbart“, erklärt Kauer. Im Gegensatz zu vollzeitbeschäftigten Kollegen erhalten Teilzeitkräfte oftmals nicht die vollen Mehrarbeitszuschläge. Ein Beispiel: Ein Vollzeitbeschäftigter mit sieben Dienstjahren erhält für fünf Stunden Mehrarbeit netto 323,68 Euro, während eine Teilzeitkraft in der gleichen Position mit den gleichen Stunden nur 209,55 Euro erhält. Dies gilt jedoch nur, wenn sie ihre Mehrarbeit innerhalb eines Jahres nicht abgebaut hat.

Die Tatsache, dass Mehrarbeitszuschläge für Teilzeitkräfte häufig umgangen werden können, erweist sich als vorteilhaft für Arbeitgeber und ist vermutlich ein Grund, warum viele Unternehmen überwiegend Teilzeitstellen anbieten. Die arbeitsrechtlichen Beratungen der AK Niederösterreich zeigen auch, dass Unternehmen oft gegen die Arbeitsgesetze verstoßen, indem sie vakante Vollzeitstellen nicht zuerst den Teilzeitbeschäftigten im Unternehmen anbieten.

Halbjahres-Bilanz 2025 – Bezirk Hollabrunn

Im Bezirk Hollabrunn wurden folgende Zahlen verzeichnet:
Angemeldete Personen: 5.462
Konkrete Beratungen in Problemfällen: 2.104
Im Arbeits- und Sozialrecht gesicherte Beträge: 771.977 Euro
Davon Insolvenzvertretung: 490.915 Euro
Insgesamt für die Mitglieder erreicht: 1.182.012 Euro

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