Wien könnte im Jahr 2025 ein weiteres Rekordjahr für Unternehmensinsolvenzen erleben. Laut der Insolvenzstatistik des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) sind in den ersten drei Quartalen des Jahres bereits mehr Insolvenzen verzeichnet worden als im Vorjahr. Der Stand der gesamten Schulden beläuft sich auf 6,65 Milliarden Euro. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die aktuelle wirtschaftliche Lage gestaltet sich schwierig, insbesondere im Hinblick auf Unternehmensinsolvenzen. Bis Mitte Oktober wurden in Wien 1.140 Verfahren eröffnet, was einem monatlichen Durchschnitt von 127 Insolvenzen entspricht. Im Vergleich zum Rekordjahr 2024 ist dies ein Anstieg von 2,80 Prozent.
Die Bundeshauptstadt steuert somit auf einen weiteren Negativrekord zu. „Damit haben die eröffneten Firmeninsolvenzen in Wien in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um 2,80 Prozent auf 1.140 Verfahren zugenommen“, äußert sich der AKV besorgt.
6,65 Milliarden Euro Verbindlichkeiten
Der Schuldenstand ist erschreckend. „Die Gesamtverbindlichkeiten der eröffneten Firmeninsolvenzen in Wien betragen im ersten bis dritten Quartal 2025 6,65 Milliarden Euro.“ Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen angemeldeten und anerkannten Forderungen von Gläubigern, die weit über das hinausgeht, was Insolvenzverwalter tatsächlich zuerkennen.
Die Immobilien- und Baubranche ist erneut stark betroffen. Ein Großteil der Insolvenzfälle geht mit den Nachwirkungen der Signa-Pleite einher. Unter den zehn größten Insolvenzen sind acht Unternehmen aus dem Signa-Universum. Das größte Insolvenzverfahren betrifft die Signa Warenhaus Premium Immobilien Beteiligung GmbH mit offenen Forderungen von über 1,04 Milliarden Euro. Auch die Süba AG und die Erste Wiener Hotel-Aktiengesellschaft zählen zu den größten insolventen Unternehmen.
Experimentiert wird auch mit den Schuldenforderungen, da die anerkannten Beträge bei weitem unter 1 Prozent der angemeldeten Forderungen liegen. Daher ist die Gesamtverbindlichkeit noch nicht eindeutig abschätzbar. Zudem führen mehr als ein Drittel der Verfahren in diesem Jahr zu einem Totalausfall der Rückzahlungen an Gläubiger.
Fast 3.000 Arbeitsplätze gefährdet
Insgesamt sind in den ersten drei Quartalen 2025 2.865 Arbeitsplätze von Insolvenzen bedroht, was zwar weniger ist als im Vorjahreszeitraum mit 3.478 gefährdeten Stellen, aber dennoch von großer Bedeutung ist. Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor.
Die Aussichten des AKV bis zum Jahresende sind düster. Es wird mit einer unveränderten Entwicklung der Firmeninsolvenzzahlen bis Ende 2025 gerechnet, was ein drittes Rekordjahr mit rund 1.550 eröffneten Firmeninsolvenzen zur Folge haben könnte.
Dennoch gibt es beim Gläubigerschutzverband Optimismus, dass sich die wirtschaftliche Lage stabilisieren könnte: „Nach drei Rekordinsolvenzjahren hofft der AKV EUROPA, dass die Talsohle der Wirtschaftskrise erreicht ist und im Jahr 2026 eine Erholung im Firmeninsolvenzsektor zu erwarten ist.“


