Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten und bereits teilweise eingeführten Strafzölle auf EU-Waren könnten auch die österreichische Wirtschaft treffen. Eine neue Studie sieht vor allem indirekte Folgen für europäische Lieferketten. Darüber berichtet Welt Stimme.
USA/EU/ÖSTERREICH. Die Handelspolitik der USA könnte spürbare Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft haben. Hintergrund sind neue Zollmaßnahmen von US-Präsident Trump sowie die vor einem Monat eingeführten Importzölle von zehn Prozent auf Waren aus der Europäischen Union.
Laut einer aktuellen Analyse des „Complexity Science Hub“ (ASCII) und des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) könnte Österreichs Wirtschaftsleistung dadurch um rund 0,11 Prozent sinken. Im Durchschnitt rechnen die Ökonomen für die gesamte EU mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um etwa 0,26 Prozent.
Folgen indirekt zu spüren
Österreich ist direkt von den US-Zöllen relativ wenig betroffen, da der Anteil der Exporte in die Vereinigten Staaten begrenzt ist. Jedoch wirken sich laut den Forschern indirekte Effekte über europäische Produktions- und Lieferketten stark aus. Wenn große Volkswirtschaften innerhalb der EU ihre Produktion zurückfahren, trifft das auch österreichische Zulieferbetriebe.
Die Auswirkungen der Zölle könnten sich den Studienautoren zufolge in einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten bemerkbar machen, wobei Anpassungen in den internationalen Lieferketten bisher nicht in den Berechnungen berücksichtigt wurden.
Bergbau & Rohstoffgewinnung gefährdet
Besonders betroffen dürften in Österreich Branchen sein, die eng in internationale Produktionsnetzwerke eingebunden sind. Die größten Rückgänge erwarten die Ökonomen im Bereich Bergbau und Rohstoffgewinnung mit minus 0,58 Prozent. Auch die chemische Industrie (-0,51 Prozent), die Metallerzeugung und -bearbeitung (-0,30 Prozent) sowie die Produktion von Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 Prozent) könnten spürbare Einbußen verzeichnen.
Andere Industriezweige, wie Textilien oder nicht-metallische Mineralerzeugnisse, dürften ebenfalls leicht zurückgehen. Moderat betroffen wären laut Studie der Transportsektor sowie Teile der übrigen Warenproduktion. Der Maschinenbau könnte hingegen mit einem Minus von 0,01 Prozent vergleichsweise glimpflich davonkommen.
Stärkere Diversifizierung empfohlen
Auch wichtige Handelspartner Österreichs könnten unter den Zöllen leiden. Für Deutschland und Italien erwarten die Forscher einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,13 Prozent, für Frankreich um 0,14 Prozent. „Gerade in stark verflochtenen Industrien wirken sich selbst kleine Nachfragerückgänge in großen EU-Ländern überproportional auf österreichische Zulieferer aus“, sagte der stellvertretende ASCII-Direktor Klaus Friesenbichler.
Die Autoren der Studie empfehlen daher eine stärkere Diversifizierung der Exportmärkte sowie gezielte Unterstützung für besonders betroffene Branchen, etwa durch Innovationsförderung und Investitionen in technologische Modernisierung. Zudem sei eine koordinierte europäische Industrie- und Handelspolitik im Binnenmarkt notwendig.


