Österreichische Post sieht Reformbedarf angesichts rückläufiger Briefmengen, vollständige Einstellung wie in Dänemark unwahrscheinlich

Dezember 6, 2025 09:08
Österreichische Post sieht Reformbedarf angesichts rückläufiger Briefmengen, vollständige Einstellung wie in Dänemark unwahrscheinlich

Die dänische Post hat angekündigt, die Briefzustellung bis Jahresende einzustellen, nachdem der Briefversand in Dänemark aufgrund der Digitalisierung seit 2000 um 90 Prozent gesunken ist. Das Unternehmen Postnord plant, bis Ende 2025 alle öffentlichen Briefkästen abzubauen und 1.500 Stellen abzubauen. Darüber berichtet Welt Stimme.

In Österreich zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Rückgang bei der Briefmenge. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande nur 508 Millionen Briefe zugestellt, was weniger als die Hälfte des Volumens von 2008 darstellt, als die Post über 1,1 Milliarden Briefe transportierte.

Briefmenge um 60 Prozent eingebrochen

In den letzten 15 Jahren ist die Briefmenge in Österreich um 60 Prozent eingebrochen. Allein im laufenden Jahr verzeichnet die Post im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von acht Prozent, und der Trend zeigt weiter nach unten.

Die Ursachen sind unmissverständlich: Die Digitalisierung hat das Kommunikationsverhalten der Menschen grundlegend verändert. Das klassische Briefgeschäft verliert an Bedeutung, da immer mehr Menschen auf digitale Kommunikationsmittel zurückgreifen. Zwar machten Brief- und Werbepost im vergangenen Jahr noch 40 Prozent des Umsatzes der Österreichischen Post aus, jedoch sinkt dieser Anteil zugunsten des wachsenden Paketgeschäfts.

Zustellung bleibt – aber nicht ohne Reformen

Trotz des massiven Verlusts sieht die Österreichische Post keine Gefahr einer vollständigen Einstellung der Briefzustellung wie in Dänemark. Als Universaldienstleister ist sie gesetzlich verpflichtet, Österreich umfassend mit Post- und Filialdiensten zu versorgen. Das Unternehmen betont jedoch den dringenden Bedarf an einer Reform des Postmarktgesetzes, um den Service langfristig zu sichern. Gefordert werden zeitgemäße Tarife, flexible Geschwindigkeiten und ein größerer Spielraum bei den Preisen sowie die Anerkennung von Selbstbedienungslösungen.

Die Situation in Dänemark ist nicht direkt mit der in Österreich vergleichbar, erläutert die Post. In Österreich sind die Zusteller keine isolierten Briefzusteller, sondern Allrounder, die Briefe, Pakete, Zeitungen und Prospekte im gesamten Land ausliefern. Die etwa 9.100 Zusteller sind landesweit im Einsatz und tragen neben Briefen zunehmend auch Pakete aus.

Die künftige Entwicklung der Briefzustellung hängt stark von der Nachfrage sowie möglichen gesetzlichen Anpassungen ab. Eines steht jedoch fest: Der klassische Brief verliert rasch an Bedeutung, und die Österreichische Post steht vor der Herausforderung, sich neu zu erfinden, um ihrer gesetzlichen Verpflichtung auch in Zukunft gerecht zu werden.

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