Die Ordensspitäler in Österreich generieren jährlich eine Gesamtwertschöpfung von vier Milliarden Euro und spielen eine entscheidende Rolle im Gesundheitswesen des Landes.
ÖSTERREICH. Laut einer aktuellen Studie von Joanneum Research belegen die 23 Ordensspitäler in Österreich ihren Status als wichtige wirtschaftliche Akteure, indem sie nicht nur eine zuverlässige medizinische Versorgung auf hohem Niveau gewährleisten, sondern auch einen erheblichen Beitrag zur nationalen Wirtschaft leisten. „Wir sichern nicht nur eine verlässliche Versorgung auf medizinischem Spitzenniveau, sondern leisten auch einen erheblichen Beitrag zur österreichischen Wirtschaft. Mit über 41.000 Arbeitsplätzen und rund 1,5 Milliarden Euro Rückflüssen an den Staat übernehmen die Ordensspitäler umfassende wirtschaftliche Verantwortung“, erklärt Peter Ausweger, Gesamtleiter der Einrichtungen der Barmherzigen Brüder. Diese Leistung führt dazu, dass jeder 111. Euro der heimischen Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt auf die Ordensspitäler zurückgeht. Die ökonomischen Auswirkungen variieren jedoch deutlich je nach Bundesland. Darüber berichtet Welt Stimme.
Oberösterreich: Schwergewicht mit sieben Standorten
In Oberösterreich zeigt sich die wirtschaftliche Bedeutung der Ordensspitäler besonders stark. Dort erwirtschaften sie eine Wertschöpfung von 1,76 Milliarden Euro, was den größten Anteil eines Bundeslandes darstellt. Konkrete Zahlen belegen, dass jeder 43. Euro des oberösterreichischen Bruttoregionalprodukts verknüpft ist mit den Ordensspitälern – ein herausragender Wert im Bundesländervergleich. Verantwortlich dafür ist die hohe Dichte: In Oberösterreich sind sieben Ordensspitäler ansässig, die rund die Hälfte aller Patientinnen und Patienten des Bundeslandes versorgen.
Wien: Hohe absolute Effekte, starke urbane Verflechtung
Auf Platz zwei folgt Wien mit einer Wertschöpfung von 847 Millionen Euro. Hier versorgen sieben Ordensspitäler etwa 20 Prozent der Wiener Patientinnen und Patienten. Aufgrund der urbanen Wirtschaftsstruktur entfalten sich in Wien besonders vielschichtige Effekte: Diese reichen von medizinischen Dienstleistungen über Zulieferbetriebe bis hin zu Forschung und Ausbildung. Auch beim Steueraufkommen erzielt Wien mit 137 Millionen Euro (22 Prozent) eine signifikante Rolle.
Burgenland: Kleine Struktur, große Wirkung
Im Burgenland, wo lediglich ein Ordensspital existiert, zeigt sich eine überdurchschnittlich hohe wirtschaftliche Bedeutung. Hier hängt jeder 47. Euro des Bruttoregionalprodukts mit den Aktivitäten der Ordensspitäler zusammen, was darauf hinweist, wie stark einzelne Gesundheitsstandorte in kleineren Bundesländern als wirtschaftlicher Anker fungieren können.
Salzburg: Zwei Häuser, großer Effekt
In Salzburg tragen die Ordensspitäler zur Wertschöpfung von 334 Millionen Euro bei, wobei 148 Millionen Euro davon indirekt erbracht werden. In Salzburg entfällt jeder hundertste Euro des Bruttoregionalprodukts auf die wirtschaftliche Tätigkeit der Ordensspitäler. Diese Einrichtungen sind nicht nur bedeutende Arbeitgeber, sondern auch Auftraggeber für regionale Unternehmen. Die wirtschaftlichen Effekte erstrecken sich weit über die Standorte hinaus und fördern die regionale Wertschöpfung nachhaltig.
Steiermark: Solider Beitrag, stark bei Steuern
Die Steiermark profitiert gleichfalls erheblich von den Ordensspitälern. Mit einem Steueraufkommen von 61 Millionen Euro belegt sie den dritten Platz, was etwa 10 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus Ordensspitälern entspricht. Die wirtschaftlichen Effekte resultieren nicht nur aus dem laufenden Betrieb, sondern auch aus Ausbildung, Beschäftigung und regionalen Wertschöpfungsketten.
Tirol und Kärnten tragen ebenfalls zur wirtschaftlichen Gesamtlage bei: In Tirol generieren die Ordensspitäler eine jährliche Wertschöpfung von 188 Millionen Euro, während in Kärnten 139 Millionen Euro erreicht werden, wovon 70 Millionen Euro induziert sind.
Die wirtschaftlichen Effekte der Ordensspitäler beschränken sich jedoch nicht auf deren Standorte. Auch in Niederösterreich und Vorarlberg, wo es keine eigenen Ordensspitäler gibt, profitieren diese Regionen indirekt. In Niederösterreich entstehen durch Vorleistungsverflechtungen und Konsumeffekte rund 101 Millionen Euro an Wertschöpfung, was etwa 1.178 Arbeitsplätze sichert oder schafft. In Vorarlberg beläuft sich die indirekte Wertschöpfung auf elf Millionen Euro.
Milliarden-Rückflüsse für Staat und Sozialversicherung
Im Jahr 2024 flossen insgesamt rund 1,485 Milliarden Euro aus den Aktivitäten der Ordensspitäler an den Staat und die Sozialversicherungen zurück. Der größte Teil davon, 855 Millionen Euro, entfällt auf Sozialversicherungsbeiträge, von denen 573 Millionen Euro direkt und 282 Millionen Euro indirekt oder induziert sind. Zusätzlich wurde ein Steueraufkommen von 630,3 Millionen Euro verzeichnet. Damit fließen etwa 37 Cent je erwirtschaftetem Euro an die öffentliche Hand zurück.
Wirtschaftsfaktor mit regionaler Tiefe
Die Studie illustriert klar, dass Ordensspitäler weit mehr sind als nur medizinische Einrichtungen. Sie fungieren als wirtschaftliche Motoren auf regionaler Ebene, deren Einfluss je nach Bundesland stark variiert – von industriell geprägten Regionen wie Oberösterreich über urbane Zentren wie Wien bis zu kleineren Bundesländern wie dem Burgenland. Ihre ökonomische Wirkung reicht über Landesgrenzen hinaus und verbindet Österreichs Regionen intensiver, als es auf den ersten Blick erscheint.


