Die wirtschaftliche Lage des Bezirks Voitsberg bleibt angespannt, und das aktuelle Wirtschaftsbarometer der Wirtschaftskammer Steiermark bestätigt ein Minus-Saldo von 74,4 Prozent. Dies äußert sich in einer deutlichen Verschlechterung des Wirtschaftsklimas, wie WKO-Obmann Peter Sükar berichtet. Darüber berichtet Welt Stimme.
VOITSBERG. Anhaltende Herausforderungen kennzeichnen die Wirtschaft im Bezirk, obwohl es in der Sommerumfrage der Wirtschaftskammer erste leichte positive Einschätzungen gab. Die Befürchtungen bezüglich des wirtschaftlichen Aufschwungs haben sich jedoch nicht bestätigt. Laut Sükar bleiben die Erholungstendenzen weiterhin aus.
Nach Angaben des Wirtschaftsbarometers berichten 74,9 Prozent der Unternehmen von einer Verschlechterung des Ist-Stands, während lediglich 0,5 Prozent eine Verbesserung feststellen. Dies führt zu einem Saldenwert von -74,4 Prozent, der zwar etwas besser ist als im Sommer (-79,3 Prozent), aber keinen Trend zur Verbesserung zeigt. „Wir brauchen dringend eine Entlastung des Faktors Arbeit und bei den Energiepreisen sowie eine konsequente Deregulierungsoffensive“, ergänzt Regionalstellenleiter Lukas Kalcher.
Höchst frostiges Wirtschaftsklima
Die herausfordernde wirtschaftliche Situation wird durch hohe Arbeits- und Energiekosten verschärft, die trotz der angespannten weltwirtschaftlichen Lage anhalten. Erste Anzeichen einer Konjunkturaufhellung aus dem Sommer haben sich nicht verfestigt.
Die Resultate hinsichtlich der Entwicklung der Unternehmen im Bezirk Voitsberg sind ebenfalls besorgniserregend. Die meisten Saldenwerte zeigen deutliche negative Tendenzen: beim Gesamtumsatz -50,8 Prozent, bei der Auftragslage -57,8 Prozent, beim Preisniveau eine Steigerung von 30,1 Prozent, bei Investitionen -55,4 Prozent und bei der Beschäftigung -34,3 Prozent. Die Unsicherheit bezüglich der Erwartungen für die Zukunft ist ebenfalls spürbar. Die Umsatzerwartungen weisen mit 0,2 Prozent einen leichten Negativtrend auf, während die Auftragslage mit -12,1 Prozent belastet ist. Die Prognosen für das Preisniveau deuten auf weitere Steigerungen hin, während die Investitionserwartungen auf -21,1 Prozent fallen und die Beschäftigungsaussichten bei -48,5 Prozent liegen.
Forderungen zur Entlastung
Sükar und Kalcher fordern von der Politik gezielte Maßnahmen zur Unterstützung der Unternehmen. „Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts muss oberste Priorität haben“, erklärt Sükar. Um die Situation zu verbessern, müssen Maßnahmen zur Senkung der Arbeits- und Energiepreise getroffen sowie Investitionen durch schnellere Genehmigungsverfahren und eine Reduktion der Bürokratie gefördert werden. Angesichts der leeren öffentlichen Kassen betrachten sie dies als die effektivste Form der Wirtschaftsförderung. In diesem Zusammenhang haben sie der Politik im Rahmen der Standortpartnerschaft gemeinsam mit der Industriellenvereinigung und der Uni Graz eine umsetzungsfähige Handlungsanleitung zur Verfahrensbeschleunigung vorgelegt.
Die Umfrage hebt hohe Arbeitskosten, steigende Energiepreise und übermäßige Bürokratie als größte Herausforderungen für die Wettbewerbsfähigkeit hervor. 83,4 Prozent der Unternehmen in der Süd-Weststeiermark sehen die Arbeitskosten als signifikantes Hindernis, während 64,5 Prozent sich über die hohen Energiekosten beschweren. Zudem wird die Steuer- und Abgabenlast von 59,5 Prozent als belastend empfunden, gefolgt von der Bürokratie mit 46,9 Prozent.
Der Bezirk Voitsberg im Abseits
Die Verantwortlichen fordern, die Chancen, die das Jahrhundertprojekt Koralmbahn bietet, zu nutzen. Dies erfordert eine gemeinsame regionale Agenda, um den Wirtschaftsraum zu einem Vorzeigeort in Europa zu entwickeln. „Diese Agenda beginnt beim Arbeitsmarkt und führt über die Infrastrukturentwicklung bis hin zu einem gemeinsamen Marketing unter der neuen Dachmarke Area Süd“, so Sükar.
Die Realität präsentiert sich jedoch düster. Die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Lieboch und Köflach wurde auf 2033 verschoben, und das UVP-Verfahren für die neue B70 zieht sich bereits seit sieben Jahren hin. Der erwartete Zustrom durch die Koralmbahn entfällt für unseren Bezirk, während im aktuellen Straßenbau- und Sanierungsprogramm des Landes Steiermark lediglich zwei Projekte im Bezirk Voitsberg aufgeführt sind. Eine wahrlich trübe Aussicht!
