Herausforderungen für die Landwirtschaft in Oberösterreich – Interview mit Franz Waldenberger
Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, äußert in einem Interview über die drängenden Probleme, mit denen die heimische Landwirtschaft konfrontiert ist. Diese umfassen steigende Lebensmittelpreise, EU-Agrarförderungen und den umstrittenen Mercosur-Vertrag. Kritik richtet sich insbesondere gegen die neu eingeführte Biber-Verordnung von FPÖ-Chef Haimbuchner. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die oberösterreichische Landwirtschaft sieht sich einer Vielzahl an Krisen gegenüber, die zum Teil auf die allgemeine wirtschaftliche Lage und auf globale Entwicklungen wie den Ukraine-Krieg und Handelsstreitigkeiten zurückzuführen sind. Der Export von spanischem Schweinefleisch nach China, der früher florierte, ist stark zurückgegangen, da China 15 % Zoll auf europäisches Schweinefleisch eingeführt hat. Dies hat zu einem massiven Preisverfall auf dem europäischen Markt geführt. Auch im Milchsektor gibt es eine rückläufige Produktion, während der Rindfleischmarkt, bedingt durch eine Unterversorgung, derzeit noch stabil bleibt. Die Ackerbauproduktion hingegen leidet stark unter der Marktöffnung für die Ukraine, was zu einem Überangebot an Zucker, Weizen und Mais führt. Die Kosten sind im Vergleich dazu hoch, und zusätzliche bürokratische Anforderungen schaffen zusätzlichen Druck auf die Landwirte.
„Das Hauptproblem bleibt der Preis, den die Landwirte für ihre Produkte erhalten“, betont Waldenberger. Eine positive wirtschaftliche Lage würde die Akzeptanz anderer Herausforderungen erleichtern, jedoch führt die derzeitige Situation zu immer größeren Problemen.
Eine aktuelle Diskussion dreht sich um mögliche Eingriffe in die Lebensmittelpreise. Waldenberger kritisiert den populistischen Ansatz, ausschließlich auf Preisfragen zu fokussieren. Er verweist auf eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts, die belegt, dass nur vier Prozent der Wertschöpfung eines Lebensmittels in der Landwirtschaft verbleiben. Im internationalen Vergleich steigen die Lebensmittelpreise in Österreich nicht stärker als in Nachbarländern.
Waldenberger warnt jedoch davor, dass der Druck auf den Handel dazu führt, dass Lebensmittelpreise gedrückt werden, was letztlich die produzierenden Landwirte trifft. „Wenn die Politik verlangt, dass die Lebensmittelpreise sinken, reagieren die Handelsunternehmen mit Preissenkungen bei den Lieferanten“, erklärt er.
Ein zentrales Problem sei die Marktkonzentration im Handel, die den Bauern seit vielen Jahren zusetzt. „Je mehr Konzentration, desto mehr Macht haben die großen Handelsunternehmen, und desto mehr Druck wird auf die Lieferanten ausgeübt“, merkt Waldenberger an.
Die EU-Agrarförderungen stehen ebenfalls im Zentrum der Kritik. Ein kürzlich vorgeschlagener Paradigmenwechsel in der Gemeinsamen Agrarpolitik könnte dazu führen, dass die Unterstützung für Landwirte verringert wird. Dies sorgt für Besorgnis unter den Agrarvertretern, da die kleine Strukturen der österreichischen Landwirtschaft gefährdet sein könnten.
Außerdem beleuchtet Waldenberger die Problematik des Mercosur-Vertrags. Dieser sieht erhebliche zollfreie Importmengen für bestimmte Produkte aus Südamerika vor, was die heimische Landwirtschaft unter Druck setzt. „Ohne Herkunftskennzeichnung werden die heimischen Produkte von billigeren Importwaren verdrängt“, warnt er.
„Ja, Mercosur beschleunigt das Bauernsterben in Österreich“, fügt Waldenberger hinzu. Trotz der versprochenen Schutzmechanismen zeigt er sich skeptisch hinsichtlich deren Funktionalität und der Transparenz der geplanten Maßnahmen.
Abschließend thematisierte er die jüngsten Angriffe von FPÖ-Chef Haimbuchner auf die Landwirtschaftskammer im Zusammenhang mit der neuen Biber-Verordnung. „Wir fordern seit Jahren Möglichkeiten zur Regulierung, doch bislang gab es keine Fortschritte. Wir hoffen auf eine konstruktive Diskussion mit Haimbuchner“, so Waldenberger.


