Wiener Linien führen kostenpflichtige Jahreskarte für Menschen mit Behinderung ein

September 18, 2025 19:22
Wiener Linien führen kostenpflichtige Jahreskarte für Menschen mit Behinderung ein

Der Fonds Soziales Wien (FSW) stellt die Förderung der Wiener Linien-Jahreskarte für Menschen mit starker Seh- oder Hörbehinderung ein. Die Kosten für die Öffi-Karte wurden bislang vollständig vom FSW übernommen. Ab dem 3. November 2025 wird stattdessen die neue „Jahreskarte Spezial“ eingeführt, die mit 300 Euro zu Buche schlägt. Der Blindenverband übt erhebliche Kritik und fordert eine „umgehende“ Rücknahme der Maßnahme. Darüber berichtet Welt Stimme.

Wie Medienberichten zu entnehmen ist, stellt der FSW die bisherige Finanzierung der Gratis-Jahreskarten für Menschen mit starken Seh- oder Hörbehinderungen ein. Bisher wurden die Kosten für Jahreskarten oder Klimatickets für diese Gruppe vollumfänglich vom FSW ersetzt oder bezuschusst.

Der FSW bestätigt, dass ab dem 3. November 2025 Menschen mit österreichischem Behindertenpass und einem Grad der Behinderung von mindestens 70 Prozent die neue „Jahreskarte Spezial“ bei den Wiener Linien erwerben können. Der Preis für diese Karte liegt bei 300 Euro.

„Der FSW wird den bisherigen Fahrtkostenersatz bzw. Kostenzuschuss für Menschen mit Sinnesbehinderung künftig nicht mehr gewähren und fördert nur noch Jahreskarten oder Klimatickets, die spätestens ab 1. Dezember 2025 gültig sind. Mit dem Auslaufen dieser freiwilligen Förderung des FSW und der Einführung der ‚Jahreskarte Spezial‘ der Wiener Linien werden Menschen mit Behinderung, unabhängig von der Art der Behinderung, bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel künftig gleichbehandelt“, erklärte eine Sprecherin des FSW.

2.700 Personen betroffen

Im Jahr 2024 beliefen sich die Zuschüsse für diese Maßnahme laut FSW auf rund 1,4 Millionen Euro. Mit der Einstellung der Förderung zielt die Stadt darauf ab, Budgeteinsparungen zu erzielen und „Doppelgleisigkeiten“ bei Unterstützungsangeboten zu vermeiden. Zum Stichtag 2. September profitierten ca. 2.700 Personen von der bisherigen Förderung. Zukünftig könnten jedoch etwa 29.300 Wienerinnen und Wiener Anspruch auf die neue Karte haben.

Die neue „Jahreskarte Spezial“ richtet sich an Menschen mit einem österreichischen Behindertenpass, der einen Behinderungsgrad von mindestens 70 Prozent ausweist, oder der einen Hinweis auf Anspruch auf Fahrpreisermäßigung gemäß dem Bundesbehindertengesetz beinhaltet. Auch Personen mit entsprechendem Piktogramm im Pass, Schwerkriegsbeschädigte mit gültigem Ausweis sowie Besitzerinnen und Besitzer eines Opferausweises nach dem Opferfürsorgegesetz sind anspruchsberechtigt.

Kritik vom Blindenverband

Die vergünstigte Karte wird ab dem 3. November 2025 im WienMobil-Ticketshop und an allen Ticketstellen erhältlich sein. Die neuen Tarife treten am 1. Januar 2026 in Kraft. Für den Erwerb sind ein Passfoto, ein gültiger Lichtbildausweis sowie der jeweilige Behindertenpass oder ein entsprechender Berechtigungsnachweis erforderlich.

Der Blindenverband übt deutliche Kritik an der Einstellung der bisherigen Förderung. Laut Obmann Kurt Prall bedeutet die geplante Maßnahme einen erheblichen finanziellen Nachteil für die Betroffenen. Besorgniserregend sei, dass die Interessenvertretung von den Entscheidungsträgern „in keinster Art“ eingebunden gewesen sei. „Wir erfuhren erst aus den Medien von dieser Maßnahme“, erklärt Prall. Er fordert eine sofortige Rücknahme der geplanten Regelung.

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