Die Diskussion um die Erhöhung der Gehälter und Funktionärs-Gagen sowie der späte Rücktritt von Präsident Harald Mahrer haben der Wirtschaftskammer erheblichen Schaden zugefügt. Diese Ansicht teilten Nationalratsabgeordneter Laurenz Pöttinger und der Obmann des Wirtschaftsbund Linz, Markus Raml, während einer Diskussion in dessen Steuerkanzlei. Darüber berichtet Welt Stimme.
LINZ. Gemeinsam betonten sie die zentrale Bedeutung der Wirtschaftskammer für Unternehmen in Österreich. Raml hob die unverzichtbaren Wifi-Bildungsangebote, die Unternehmensberatung und das Außenwirtschaftsservice hervor, ohne die die Rolle Österreichs als Exportland gefährdet wäre. Pöttinger relativierte die Kritik von vielen Unternehmern an der Finanzierung der Wirtschaftskammer: „Ich habe mir für unser Unternehmen durchgerechnet, wie viel ich für die WK zahle. Es sind 18 Euro pro Mitarbeiter pro Monat – bei meinen 30 Mitarbeitern im Jahr also gut 6.400 Euro. Und ich habe mich gefragt: Würde ich das Serviceangebot der Wirtschaftskammer zu diesem Preis kaufen? Ja, das würde ich.“ Aus dem Kreis der anwesenden Unternehmer kam die Forderung, die Krise der Wirtschaftskammer als Chance für grundlegende Erneuerungen zu nutzen und jetzt mutige Reformschritte zu tätigen, „die dann auch auf andere Bereiche übergreifen“.
Was geht in der Regierung weiter?
Die Diskussion über die Wirtschaftskammer interessierte die anwesenden 40 Unternehmerinnen und Unternehmer jedoch weniger als die Pläne der Regierung; die Kritik am fehlenden Reformtempo wurde zuletzt lauter. Raml stellte einmal mehr die Forderung auf, Teilzeitarbeit für diejenigen, die Vollzeit arbeiten könnten, weniger attraktiv zu machen: „Uns gehen die Arbeitsstunden ab, jeder einzelne wird gebraucht.“ Trotz der von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer angestoßenen Diskussion wird sich an der aktuellen Situation voraussichtlich nicht schnell etwas ändern. Nationalratsabgeordneter Pöttinger betonte jedoch, dass zumindest die Flat Tax für pensionierte Arbeitnehmer, die weiterhin arbeiten, in der Regierung umsetzbar sein müsse. Laut Raml sei es zudem von größerer Bedeutung, dass Rentner, die weiterarbeiten, keine Pensionsbeiträge mehr zahlen müssten. Pöttinger kündigte das verpflichtende Pensionssplitting an, dessen Einführung Unternehmerin Ingrid Trauner während der Diskussionsrunde eindringlich einforderte. Sie betonte, dass die „Ungeduld der Jungen“ zunehme, „wenn nichts weitergeht. Die Jungen sagen, dass Trump wenigstens Entscheidungen trifft und was weiterbringt, bei uns dauert ihnen das viel zu lang“. In Bezug auf die Kritik des ehemaligen VKB-Vorstandsmitglieds Alexander Seiler, dass die überbordende Bürokratie dazu führe, dass aus Unternehmern „Unterlasser werden“, konnten Pöttinger und Raml nur zustimmen: „Den Unternehmern fehlt die Freude, weil sie mit so vielen unwichtigen Themen belastet werden“, fasste Nationalratsabgeordneter Pöttinger zusammen.


