In der Südoststeiermark wurden erste Weingärten aufgrund der Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade gerodet. Weinbaudirektor Martin Palz informiert über mögliche Gefahren in der Süd- und Weststeiermark.
Am 1. August 2025 hat die Entdeckung eines neuen Stammes der Amerikanischen Rebzikade die Weinbauern in der Steiermark alarmiert. Diese Insektenart, die für die Übertragung der Goldgelben Vergilbungskrankheit verantwortlich ist, hat bereits einige Hektar Weinbaufläche in der Südoststeiermark befallen. „Viele Winzer sind überrascht von den bereits sichtbaren Symptomen auf den Blättern ihrer Reben“, so Palz. Der Befall hat sich in den benachbarten Regionen schnell ausgeweitet, und es besteht die Gefahr eines großflächigen Verlusts der Weinfelder in der Region.
Die Amerikanische Rebzikade ist ein kleiner Schädling, der durch ihren Speichel Phytoplasmen überträgt, was zu einer Verfärbung und Absterben der Weinreben führt. Oft sind im ersten Jahr nach der Infektion keine Symptome zu erkennen. Erst später zeigen die Pflanzen verfärbte Blätter und eine Verminderung der Traubenproduktion. Gegenwärtig sind in der Steiermark drei definierte Befallszonen vorhanden, wobei in angrenzenden Gebieten noch keine Infektionen festgestellt wurden.
Ein Fünftel der Weinflächen in Gefahr
„Rund um die Befallszonen sind bereits fünf bis zehn Prozent der Weinbaufläche verloren“, so Palz weiter. Derzeit sind 1.000 Hektar im Fokus, was etwa 20 Prozent der gesamten Weinanbaufläche in der Steiermark entspricht. Zudem existieren 1.600 Hektar in einer Sicherheitszone, wo eine verstärkte behördliche Überwachung erfolgt und Weingartenbesitzeraktivitäten zur Bekämpfung des Schädlings ergreifen müssen.
Die Landwirtschaftskammer und das Land Steiermark haben die Maßnahmen zur Eindämmung der Rebzikade verschärft. Die Fristen für erforderliche Rodungsmaßnahmen wurden verkürzt. „Jeder Weingartenbesitzer, sei es ein professioneller Winzer oder ein Hobbygärtner, muss aktiv werden und seine Reben kontrollieren“, appelliert Palz. „Gemeinsam können wir die Ausbreitung eindämmen.“
Die Herausforderung bleibt bestehen, da die Rebzikade sich rasch fortpflanzt und zunehmend erwachsen wird. „Wir sind personell auf ein Krisenszenario vorbereitet und haben unser Team aufgestockt“, betont der Weinbaudirektor. Die Kontrollen der Weingärten werden intensiviert, um befallene Stöcke zu kennzeichnen und erforderliche Proben zu entnehmen. Befallene Pflanzen, die positiv getestet werden, müssen gerodet werden.
„Ist ein Rebstock befallen, muss er sofort geschnitten werden – alles andere ist unverantwortlich.“
Martin Palz, Weinbaudirektor
Verdachtsfälle von Infektionen müssen bei den zuständigen Behörden gemeldet werden. Beratungen sind sowohl über den Pflanzenschutzdienst als auch die Weinbauberater der Landwirtschaftskammer möglich. Die Winzer stehen unter Druck, in einer WhatsApp-Gruppe werden Symptome und Behandlungshinweise miteinander geteilt.
Die Situation könnte die gesamte Weinbauindustrie in der Steiermark erheblich gefährden, falls nicht umgehend geeignete Maßnahmen ergriffen werden.


