115 Jahre Bäckerei Bayer in Oberwart: Traditionsbetrieb feiert Jubiläum und blickt in die Zukunft

Oktober 15, 2025 16:32
115 Jahre Bäckerei Bayer in Oberwart: Traditionsbetrieb feiert Jubiläum und blickt in die Zukunft

Bäckerei Bayer feiert 115-jähriges Bestehen in Wolfau

Die Familie Bayer betreibt seit 1910 in Wolfau eine Bäckerei. In vierter Generation führt Heinz Bayer den Betrieb seit 22 Jahren. Das 115-jährige Bestehen wurde mit einer kleinen Feierlichkeit in Oberwart gewürdigt. Darüber berichtet Welt Stimme.

Der Betrieb wurde 1910 von Michael I. Bayer gegründet, mit dem Ziel, Produkte aus der landwirtschaftlichen Erzeugung selbst weiterzuverarbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Michael II. Bayer das Unternehmen, gefolgt von Walter Bayer im Jahr 1968. 2003 übergab Walter Bayer das Geschäft an seinen Sohn Heinz und dessen Schwester Claudia. „Wir haben immer wieder etwas modernisiert und neu gestaltet. Es kamen im Laufe der Jahre auch neue Standorte dazu“, erläutert Bäckermeister Heinz Bayer.

„Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Darum setzen wir immer Akzente, um Neues einfließen zu lassen.“
Heinz Bayer, Unternehmer und Bäckermeister

1997 eröffnete die erste Filiale in Grafenschachen, die Claudia Bayer seit 2003 leitet. In den Folgejahren kamen Standorte in Stadtschlaining (2005), Mariasdorf (2015) und Rohrbach an der Lafnitz hinzu. Seit 2017 betreibt das Unternehmen auch einen Standort im Gewerbegebiet Nord in Oberwart sowie vor kurzem in der Schulgasse Oberwart. Insgesamt gibt es nun neun Verkaufsstandorte, zwei fixe Brotmobile und elf Verkaufswägen, die werktags in der Region von Jennersdorf bis Wiener Neustadt unterwegs sind.

Verändertes Einkaufsverhalten

„Das Einkaufsverhalten hat sich bei Brot und Gebäck stark verändert. Weniger als elf Prozent werden in Österreich in der Bäckerei gekauft. Fast 85 Prozent kaufen in Supermärkten. Dabei hat gerade auch Corona bewiesen, wie wichtig systemerhaltende Berufe wie etwa Bäcker sind. Mittlerweile ist das schon wieder beinahe vergessen“, so Heinz Bayer.

„Genusshandwerker wie die Bayers sind das Rückgrat einer funktionierenden Wirtschaft und Gesellschaft.“
Andreas Wirth, Präsident Wirtschaftskammer Burgenland

Das Unternehmen beschäftigt rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet Lehrlinge aus. „Viele Jugendliche interessieren sich jedoch nicht mehr fürs Handwerk. Es gibt heute schon einen Fachkräfte- und teils Arbeitskräftemangel. Es stellt sich immer häufiger die Frage, wer zukünftig die Betriebe führen wird. Wir müssen wieder zeigen, dass die Lehre der erste Weg zum Erfolg sein kann“, betont Bayer.

„Weniger Bürokratie, mehr Hausverstand“

Heinz Bayer fordert weniger Bürokratie und mehr Eigeninitiative. „Wir haben stets versucht, Neues einzubauen, haben mehrfach die Technik erneuert und auch die Räumlichkeiten in Wolfau umgestaltet. Jetzt möchten wir im Planungs- und Produktionsprozess ab November auch noch mehr K.I. (Künstliche Intelligenz) unterstützt arbeiten.“

„Aus dem ursprünglich kleinen Familienbetrieb ist ein Großbetrieb geworden.“
Claudia Bayer, Leiterin des Standorts Grafenschachen

Anlässlich des Jubiläums wurde das Corporate Design des Unternehmens überarbeitet. „Nach rund zwanzig Jahren hat das Bäckermanderl ausgedient, jetzt kommt die Herzbrezen“, sagt Ursula Maringer, Projekt- und CSR-Managerin. Auch die einfache Bezeichnung Bäckerei-Café wird durch „BayerZeit“ ersetzt.

Beeindruckende Leistung

Thomas Hatwagner, Landesinnungsmeister für das Lebensmittelgewerbe, lobte die Familie Bayer für ihre Leistungen in den letzten 115 Jahren. „Es ist gewaltig, was Familie Bayer in diesen Jahren geleistet hat. Ich spreche aus eigener Erfahrung, aber fest steht, dass wir weiter Lehrlinge ausbilden müssen, um die Zukunft abzusichern.“

„Als Bürgermeister gratulierte ich herzlich zum Jubiläum. Es ist bewundernswert, was Familie Bayer geleistet hat. Vor allem in den letzten zwanzig Jahren hat sich der Betrieb enorm entwickelt.“
Walter Pfeiffer, Bürgermeister Wolfau

Nikolaus Berlakovich von der Landwirtschaftskammer betonte die zentrale Rolle der Freude am Beruf sowie die Wertschätzung für die Branche. Die Bayer-Familie zeige, dass Regionalität eine Chance für Betriebe darstellt.

Regionaler Unternehmergeist

„Die Bäckerei Bayer ist ein Paradebeispiel dafür, wie Handwerk, Regionalität und Unternehmergeist über Generationen hinweg erfolgreich zusammenwirken können. Sie steht sinnbildlich für die Entwicklung des Burgenlandes. Dass die Bäckerei Bayer frisches Gebäck bis vor die Haustür liefert, ist nicht selbstverständlich und wird sehr geschätzt.

„Familie Bayer führt einen Vorzeigebetrieb und lebt den mit viel Leidenschaft und Herzblut aus.“
Leonhard Schneemann, Landesrat für Wirtschaft und Soziales

Schneemann hob auch die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft hervor: „Betriebe, die das integrieren, haben auch in Zukunft gute Chancen und Erfolgsaussichten,“ so sein Fazit.

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