Frauen und Finanzen: Dringende Notwendigkeit der finanziellen Unabhängigkeit
Vor allem Frauen sind von diesem Thema betroffen. Lisa-Marie Fertani, Kundenbetreuerin Raiffeisenbank Region Villach, gibt im Interview Tipps, die natürlich auch für Männer gelten. Darüber berichtet Welt Stimme.
DRAUSTÄDTER: Warum ist das Thema Frauen und Finanzen aus Ihrer Sicht so wichtig?
Lisa-Marie Fertani: In Österreich verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Im Arbeitsleben werden sie für das gleiche Arbeitspensum um einiges schlechter entlohnt als männliche Kollegen. Dazu kommt, dass Frauen viel öfter Teilzeit arbeiten. Gründe dafür gibt es unterschiedliche – die Konsequenz ist weniger Geld, vor allem dann auch in der Pension.
Warum betrifft Altersarmut überdurchschnittlich viele Frauen?
Die Armutsgrenze in Österreich liegt für Einpersonenhaushalte bei 1.661 Euro netto pro Monat (Stand 2024). Armutsgefährdet ist, wer ein Einkommen hat, das unter dieser Schwelle liegt und das betrifft vor allem auch Frauen im Alter. Die durchschnittliche Alterspension von Frauen 2023 betrug in Österreich 1.409 Euro! Frauen erhalten im Durchschnitt um 41 % weniger Pension als Männer. Ursache ist, neben dem Gender-Gap, dass viele Frauen aufgrund von Kinderbetreuung und familiärer Care-Arbeit oft Teilzeit arbeiten. In Österreich arbeiten rund 51 % der Frauen in Teilzeit. Laut Statistik gilt in Österreich jede fünfte Frau ab 65 Jahren als armutsgefährdet.
Welche grundlegenden Schritte sollte jede Frau setzen, um sich finanziell abzusichern?
Für Frauen ist es wesentlich, auf ihre eigene finanzielle Unabhängigkeit zu achten. Das beginnt bereits bei der Berufswahl und setzt sich im Erwerbsleben mit einer gezielten Aus- und Weiterbildung fort. Eine Vollzeitbeschäftigung ist ebenso ausschlaggebend für eine höhere Alterspension. Auch die partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung unterstützt die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. Zusätzlich kann eine private Altersvorsorge eventuelle Einkommenslücken schließen. Durch regelmäßige Einzahlungen in eine private Vorsorge kann die Altersvorsorge ausgebaut werden und es ist möglich, Erwerbsunterbrechungen auszugleichen. Hier wäre es wichtig, durch eine genaue Haushaltsplanung herauszufinden, wie viel trotz reduziertem Einkommen regelmäßig für die Altersvorsorge beiseite gelegt werden kann.
Gibt es einfache Tipps, wie man auch mit geringem Einkommen Rücklagen bilden oder investieren kann?
Auch mit geringem Einkommen und kleinen monatlichen Beträgen kann man vorsorgen. Wichtig ist es, möglichst früh zu starten, regelmäßig anzulegen und langfristig dranzubleiben, denn dann kann das Geld dank Zinseszins-Effekt wachsen. Eine Investition, z.B. in einem Fondssparvertrag, ist sinnvoll ab 50 Euro monatlich möglich. Eine Beispielrechnung für eine 35-jährige Frau, die 50 Euro monatlich sparen möchte und 20 Jahre konstant anspart: Bei einem gemischten Fondssparvertrag könnte mit dem eingezahlten Kapital von 12.000 Euro ein durchschnittlicher Gewinn von 7.411 Euro erzielt werden. Man hätte also 19.411 Euro nach 20 Jahren zur Verfügung. Bei einem aktienlastigen Fondssparvertrag läge der durchschnittliche Gewinn für die eingezahlten 12.000 Euro bei 12.136 Euro und man hätte nach 20 Jahren 24.136 Euro angespart. In Kombination mit einer möglichen Einmalzahlung kann diese Anlagemöglichkeit zu einem noch weit besseren Ergebnis führen. Wichtig dabei ist, langfristig dabei zu bleiben. Eine Veranlagung in Wertpapiere ist mit Chancen und Risiken verbunden.
Im Idealfall – wie viel sollte man monatlich an Rücklagen für später bilden?
Das hängt natürlich vom Alter und dem Lebensstandard ab bzw. den eigenen finanziellen Ansprüchen. Je früher man mit den Rücklagen beginnt, desto besser. Ein Fondssparplan etwa ist bereits ab 50 Euro monatlich möglich. Ein Blick aufs Pensionskonto und ein unverbindliches Gespräch mit dem/der Bankberater/in ist jedenfalls ratsam.
Wie kann man die Angst vieler Frauen vor Finanzen oder Investments überwinden?
Für Frauen geht es oft darum, dem Thema Finanzen und finanzielle Unabhängigkeit die nötige Priorität zu geben und aktiv zu werden. Im Gespräch mit dem Bankberater/der Bankberaterin können Wissenslücken sowie mögliche Unsicherheiten geklärt und damit die Basis für die individuelle Finanzplanung gelegt werden.
Sorgen Männer wirklich besser vor?
Männer investieren anders. Sie nehmen zugunsten größerer Ertragschancen höhere Risiken in Kauf. Frauen wählen geringere Risiken und lassen dabei natürlich auch Chancen liegen. Männer haben oft auch andere finanzielle Möglichkeiten.


