Französische Konzerne bleiben in Russland aktiv

November 5, 2025 12:15
Französische Konzerne bleiben in Russland aktiv
Französische Konzerne bleiben in Russland aktiv

Trotz des anhaltenden Kriegs gegen die Ukraine sind laut Euronews im Jahr 2025 noch 23 französische Unternehmen auf dem russischen Markt präsent – rund ein Drittel der 75, die vor dem Einmarsch 2022 dort tätig waren. Zwei von ihnen, Leroy Merlin und Auchan, gehören zu den zwanzig größten ausländischen Konzernen nach Umsatz in Russland. Leroy Merlin erzielte 2024 rund 6,8 Millionen Dollar Umsatz und belegt damit Platz drei, Auchan liegt mit 3,27 Millionen Dollar auf Rang acht. Zusammen mit L’Oréal zählen sie zu den größten französischen Steuerzahlern in Russland. Insgesamt zahlten französische Firmen 2024 rund 565 Millionen Dollar an russische Steuern.

Teilweise Rückzüge und „Wartemodus“

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zogen sich viele französische Konzerne wie Société GénéraleLVMH oder Safran zurück. Doch andere Firmen – darunter KeringDécathlon und Hermès – entschieden sich für einen sogenannten „Wartemodus“: operative Tätigkeiten wurden ausgesetzt, die Kontrolle über lokale Gesellschaften aber beibehalten. Offiziell begründen Unternehmen wie Auchan und Bonduelle ihre Präsenz mit „sozialer Verantwortung“ und der Versorgung der Bevölkerung. In der Praxis sichern sie damit Marktanteile und Gewinne, während ihr Verbleib die russische Wirtschaft indirekt stabilisiert.

Wirtschaftliche und moralische Implikationen

Laut der Kiewer Wirtschaftsschule (KSE) überwiesen internationale Firmen, die in Russland blieben, allein 2024 mehr als 17,2 Milliarden Euro an den russischen Staatshaushalt. Seit Beginn des Kriegs beläuft sich die Gesamtsumme auf über 51,8 Milliarden Euro. Diese Einnahmen tragen zur Finanzierung der russischen Armee und Rüstungsindustrie bei. Fachleute sehen darin eine indirekte Unterstützung der Kriegswirtschaft Moskaus, die die moralische Verantwortung dieser Unternehmen infrage stellt.

Druck und Risiken für ausländische Firmen

Moskau übt gezielten Druck auf westliche Unternehmen aus, um ihren Rückzug zu verhindern. Die russische Regierung droht mit Zwangsverwaltung, der Beschlagnahmung von Vermögenswerten und rechtlichen Schritten gegen Manager. Firmen, die Russland verlassen wollen, müssen hohe Verluste hinnehmen – etwa Preisabschläge von 60 Prozent und Sonderabgaben bis zu 35 Prozent. Das Beispiel Air Liquide, dessen Tochterfirma unter staatliche Kontrolle gestellt wurde, zeigt, dass Eigentumsrechte westlicher Firmen in Russland nicht mehr geschützt sind.

Propagandaeffekte und internationale Reaktionen

Der Kreml nutzt die fortgesetzte Präsenz französischer Unternehmen propagandistisch als Beweis angeblicher „Normalisierung“ der Beziehungen mit Europa. Damit will Moskau die europäische Einheit in der Sanktionspolitik untergraben. Beobachter fordern daher verstärkten öffentlichen Druck von Regierungen, Medien und der Zivilgesellschaft auf die Konzerne, um sie an ihre moralische und politische Verantwortung zu erinnern und den wirtschaftlichen Einfluss Russlands weiter zu schwächen.

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