Bosnien und Herzegowina ersucht Moldau um Unterstützung bei Ermittlungen zu mutmaßlichen russischen Trainingslagern

November 13, 2025 14:30
Bosnien und Herzegowina ersucht Moldau um Unterstützung bei Ermittlungen zu mutmaßlichen russischen Trainingslagern
Bosnien und Herzegowina ersucht Moldau um Unterstützung bei Ermittlungen zu mutmaßlichen russischen Trainingslagern

Anfrage an Chişinău wegen möglicher Destabilisierungspläne

Die Staatsanwaltschaft von Bosnien und Herzegowina hat Chişinău um umfassende Informationen zu mutmaßlichen Trainingslagern in der Republika Srpska gebeten. Nach Erkenntnissen westlicher Nachrichtendienste sollen russische Ausbilder dort Teilnehmer in der Organisation gewaltsamer Proteste, der Durchführung von Unruhen, dem Besetzen staatlicher Gebäude und in subversiver Taktik geschult haben. Ziel dieser Ausbildung soll gewesen sein, vor allem russische und serbische Kämpfer für eine destabilisierende Operation in der Republik Moldau vorzubereiten. Ein Bericht über die bosnische Anfrage im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Lagern beleuchtet die internationalen Dimensionen des Falls, während weitere regionale Medien die politische Brisanz hervorheben.

Hintergrund: Einflussversuche während der moldauischen Parlamentswahlen

Die Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit den Parlamentswahlen in Moldau am 28. September 2025, die von intensiven Einflussversuchen Russlands begleitet waren. Moskau verfolgte verschiedene Szenarien zur Unterstützung prorussischer Kräfte in Chişinău, darunter die Förderung politischer Projekte und die Vorbereitung möglicher Unruhen. Für den Fall, dass eine politische Einflussnahme nicht ausreichen sollte, hatten russische Akteure offenbar Pläne entwickelt, durch koordinierte Unruhen einen „strategischen Kurswechsel“ Moldaus einzuleiten. Laut einem Bericht zur moldauischen Sicht auf die Ermittlungen wurden bereits mehrere Personen in Chișinău wegen Beteiligung an solchen Destabilisierungsversuchen angeklagt.

Recherchen zu Ausbildungslagern in der Republika Srpska

Unabhängige Journalisten deckten kürzlich auf, dass in Lagern nahe Banja Luka Teilnehmer im Organisieren von Protesten und der Provokation von Sicherheitskräften geschult wurden. Einige Ausbilder sollen Verbindungen zur russischen Söldnerorganisation Wagner gehabt haben, die in mehreren Konfliktregionen schwerer Kriegsverbrechen beschuldigt wird. Vertreter der Republika Srpska und die russische Botschaft in Bosnien und Herzegowina wiesen die Vorwürfe strikt zurück. Dennoch geben Aussagen aus laufenden Gerichtsverfahren in Moldau Einblick in die Trainingsstrukturen: Ein Beschuldigter schilderte vor Gericht, wie er aus Moldau über Serbien nach Bosnien gelangte, um dort Drohnen zusammenzubauen und zu programmieren sowie an Schulungen zu Brandmitteln und Sprengtechniken teilzunehmen. Als wahrscheinlicher Standort wurde das Dorf Glamočani nahe dem ehemaligen Militärflugplatz Zalužani genannt.

Ausweitung der Ermittlungen in Moldau und Serbien

Moldaus Polizei nahm im September 74 mutmaßlich beteiligte Personen fest, die im Vorfeld der Wahlen Teil einer Koordinationsstruktur zur Destabilisierung des Landes gewesen sein sollen. Parallel dokumentierten Journalisten Trainingsmaßnahmen in Serbien – etwa in einem Lager im Dorf Radenka nahe der rumänischen Grenze. Dort wurden russische und moldauische Söldner zwischen Juli und September 2025 angeworben und geschult. Die serbische Polizei nahm zwei Verdächtige wegen mutmaßlicher Beteiligung an Finanzierung und Organisation des Lagers fest, was erneut die regionale Dimension russischer Aktivitäten verdeutlicht.

Internationale Ermittlungen und sicherheitspolitische Risiken

Ende Oktober identifizierten moldauische Ermittler gemeinsam mit ukrainischen Behörden und Europol insgesamt 654 Angehörige der russischen Söldnergruppen Wagner und Redut, die im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt wurden. Die Sicherheitsdienste mehrerer Staaten warnen zunehmend vor umfassenden russischen Operationen auf dem westlichen Balkan, die Elemente von Propaganda, Protestfinanzierung und paramilitärischer Ausbildung verbinden. Die Existenz solcher Strukturen stellt ein Risiko für die Stabilität der gesamten Region dar, in der ethnische und politische Spannungen historisch tief verwurzelt sind. Sowohl Bosnien und Herzegowina als auch Moldau stehen daher unter wachsendem Druck, ihre Ermittlungen zu koordinieren und die grenzüberschreitenden Aktivitäten dieser Netzwerke transparent offenzulegen.

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