Skispringen: Nach Anzug-Skandal zeigen strengere Kontrollen Wirkung
GARMISCH-PARTENKIRCHEN. Zehn Monate nach dem norwegischen Manipulationsskandal sind die Skisprung-Anzüge bei der Vierschanzentournee wieder in den Fokus gerückt. Der slowenische Skispringer Timi Zajc wurde aufgrund einer Abweichung von drei Millimetern bei der Beinlänge seines Anzugs disqualifiziert, was ihn seine Ambitionen auf den Tourneesieg kostete. Der härtere Kurs der FIS-Kontrolleure, der seit dieser Saison rigorosen Maßnahmen zur Ahndung von Regelverstößen umfasst, wird von österreichischen Vertretern als positiv wahrgenommen. Darüber berichtet Welt Stimme.
„Ich finde das gut. Es sind viele Kontrollen, es wird genauer hingeschaut. Das hat sich jede Nation gewünscht“, äußerte Andreas Widhölzl, Cheftrainer des ÖSV. Der völlige Verzicht auf Ausnahmen, selbst bei geringfügigen Abweichungen, sei von großer Bedeutung, um die Integrität des Wettbewerbs zu wahren. „Natürlich sind drei Millimeter nicht viel, aber man muss konsequent sein, sonst werden aus 0,3 dann 0,8 und irgendwann ein Zentimeter“, fügte Widhölzl hinzu und verglich die Situation mit der Formel 1, wo im vorletzten Rennen ein ganzes Team disqualifiziert wurde.
Zajc mit Galgenhumor
Bei Zajc war die Beininnenlänge des Anzugs um drei Millimeter zu kurz, was ihm potenziell einen Vorteil im Flug verschafft hätte. „Das macht viel aus“, erklärte Widhölzl und betonte, dass alle Anzüge am Limit genäht seien, „weil du nichts herschenken willst. Aber es muss im Reglement stehen.“ Zajc reagierte auf die Disqualifikation mit Galgenhumor. Er schrieb in einer Instagram-Story: „Lasst uns den Anzug ein bisschen stretchen, vielleicht ist dann in Ga-Pa alles okay“, löschte die Nachricht jedoch kurz darauf.
Titelverteidiger Daniel Tschofenig drückte sein Mitgefühl für Zajc aus: „Für ihn ist es extrem bitter, weil er gut gesprungen ist und es ziemlich sicher auch nicht das war, was ihn aufs Podium gebracht hat. Aber Regeln sind Regeln. Wenn man jemanden durchwinkt, nur weil es die Tournee ist, öffnet man wieder Türen für die nächsten Springen.“
Tschofenig vor Kontrollen entspannt
Tschofenig selbst verspürt keine Nervosität vor den Kontrollen und betonte, dass er stets Vertrauen in die Regelkonformität seiner Ausrüstung habe. „Wir wissen eigentlich immer, dass unser Zeug passt“, erklärte der Österreichs Sportler des Jahres. Zu den Kontrollen gehört jetzt auch der Tiroler Mathias Hafele, ein ehemaliger Skispringer, der als Experte für Equipment-Verstöße gilt. Gemeinsam mit Jürgen Winkler ist er für den Kurswechsel der FIS verantwortlich.
„Es ist ein Lernprozess, sie machen es sehr gut. Man hat das Gefühl, es gibt eine Linie“, bemerkte Widhölzl zur positiven Entwicklung der Kontrollen. Nach dem WM-Skandal in Trondheim, als das norwegische Team die Anzüge absichtlich manipuliert hatte, konnte Christian Kathol sein Amt als FIS-Chefkontrolleur nicht länger ausüben.


