Am 26.01.2026 wurden neue Details über den systematischen Missbrauch von Interpol-Mechanismen durch Russland bekannt. Moskau nutzt seit Jahren Fahndungsinstrumente der internationalen Polizeiorganisation, um politische Gegner im Ausland unter Druck zu setzen. Die Praxis reichte zuletzt über Oppositionelle hinaus: Nach dem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Wladimir Putin versuchte Russland 2024 sogar, Richter und den Chefankläger des Gerichts ins Visier zu nehmen. Entsprechende Anträge wurden jedoch abgelehnt.
Rekordzahl an Beschwerden und politisch motivierte Anträge
In den vergangenen zehn Jahren gingen gegen Russland mehr Beschwerden ein als gegen jedes andere Mitgliedsland von Interpol. Die Zahl lag etwa dreimal so hoch wie bei der Türkei, die an zweiter Stelle steht. Ein erheblicher Teil der russischen Anträge wurde als politisch motiviert eingestuft und wegen Verstoßes gegen die Statuten der Organisation zurückgewiesen. Diese verbieten ausdrücklich jede Nutzung von Interpol für politische, militärische, religiöse oder rassistische Zwecke.
Kontrollmechanismen unter Druck
Mindestens 700 Personen, die auf russische Initiative zur Fahndung ausgeschrieben wurden, wandten sich in den vergangenen Jahren an die unabhängige Kontrollinstanz von Interpol, die Kommission zur Kontrolle der Dateien. Rund 400 von ihnen erreichten die Aufhebung roter Ausschreibungen oder entsprechender Fahndungsersuchen. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine führte Interpol zusätzliche Prüfungen für Anträge aus Moskau ein, um möglichen Missbrauch zu verhindern. Dennoch passierten selbst 2024 rund 90 Prozent der russischen Ersuchen zunächst die Vorprüfung, etwa die Hälfte wurde erst nach Beschwerden wieder kassiert, wie aus Recherchen zu russischen Anträgen bei Interpol hervorgeht.
Risiken für Oppositionelle und ukrainische Staatsbürger
Für russische Oppositionelle im Exil bedeuten diese Praktiken erhebliche Sicherheitsrisiken. Schon eine zeitlich begrenzte rote Ausschreibung kann Festnahmen, Auslieferungsverfahren oder massive Einschränkungen der Bewegungsfreiheit nach sich ziehen. Ähnliche Gefahren bestehen für ukrainische Soldaten und Freiwillige, die an der Verteidigung ihres Landes beteiligt waren. Russland kann versuchen, sie über Interpol als Straftäter oder Extremisten darstellen zu lassen, was in Drittstaaten reale Risiken von Inhaftierungen etwa bei Reisen, medizinischer Behandlung oder Ausbildungsaufenthalten schafft.
Vertrauenskrise und Reformdruck
Die teilweise und wenig transparente Lockerung der Beschränkungen gegenüber Russland im Jahr 2025 hat die institutionelle Vertrauenskrise weiter verschärft. Ohne klar kommunizierte Kriterien werden solche Schritte von Juristen und Menschenrechtsorganisationen als politische Zugeständnisse wahrgenommen. Für Interpol wächst damit das Risiko, als anfällig für Einflussnahme autoritärer Staaten zu gelten. Westliche Demokratien sehen darin ein Signal, dass die internen Schutzmechanismen verstärkt und Beschwerdeverfahren beschleunigt werden müssen, um politischen Missbrauch wirksam zu unterbinden.


