In Russland haben führende Hochschulen begonnen, die Vergünstigungen für Studiengebühren drastisch zu reduzieren. Die Nationale Forschungsuniversität Higher School of Economics (HSE) in Moskau senkte die maximalen Rabatte von 100 Prozent auf maximal 25 Prozent. Die Änderungen an der Rabattpolitik wurden auf den offiziellen Kanälen der Universität nicht bekannt gegeben, was bei Studienbewerbern für Empörung sorgt. Parallel dazu kündigte das russische Bildungsministerium eine umfassende Reform des kostenpflichtigen Studienzugangs an, die die Zahl der bezahlten Studienplätze landesweit um 13 Prozent reduzieren soll.
HSE kürzt Rabatte ohne öffentliche Ankündigung
Demnach entfallen die bisherigen vollständigen Gebührenbefreiungen für Spitzenstudenten. Künftig erhalten nur noch Studierende mit „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ im hochschuleigenen Ranking Rabatte von 15, 20 und 25 Prozent. Ein Studienjahr an der HSE kann bis zu einer Million Rubel kosten – für viele Familien aus der Mittelschicht unerschwinglich. Die plötzliche Kürzung der Rabatte macht eine langfristige Finanzplanung unmöglich, kritisieren Betroffene.
Landesweite Reduzierung der Studienplätze um 13 Prozent
Die Reform des Ministeriums sieht vor, im Studienjahr 2026/2027 die Zahl der bezahlten Studienplätze um 47.000 zu verringern. Betroffen sind 40 Studienrichtungen, darunter beliebte Fächer wie Jura, Wirtschaftswissenschaften und Marketing. Der Wegfall von Plätzen wird voraussichtlich den Wettbewerb verschärfen und die Preise für die verbleibenden Plätze in die Höhe treiben. Selbst mit einem Rabatt von 25 Prozent könnten sich viele Bewerber aus Familien mit durchschnittlichem Einkommen das Studium nicht mehr leisten – ohne zusätzliche Kredite.
Soziale Ungleichheit und wachsende Korruptionsgefahr
Bildungsexperten warnen vor einer zunehmenden sozialen Spaltung. Der Zugang zu Hochschulbildung werde zunehmend zu einem Privileg der Reichen. Die Kürzungen treffen vor allem talentierte Bewerber aus einkommensschwachen Haushalten, die auf Rabatte angewiesen waren. Zudem befürchten Beobachter, dass die Verknappung der Plätze an renommierten Universitäten die Korruption fördern könnte – Studienplätze könnten dann weniger nach Leistung, sondern nach Beziehungen und informellen Absprachen vergeben werden.
Haushaltskrise als Treiber der Reform
Hintergrund der Reform ist die angespannte Haushaltslage Russlands. Aufgrund der massiven Ausgaben für den militärisch-industriellen Komplex werden die Subventionen für die Hochschulen gekürzt. Viele Universitäten sind gezwungen, auf ein Modell der vollständigen Kostendeckung umzustellen. Die aktuellen Änderungen an der Rabattpolitik und die Reduzierung der Studienplätze sind ein erster Schritt in diese Richtung. Weitere Einschnitte an anderen Hochschulen gelten als wahrscheinlich.


