In einer Serie von geleakten Dokumenten und Chats, die in den Besitz von Medien gelangt sind, zeichnet sich ein detailliertes Bild der russischen Einflussnahme auf westliche Gesellschaften ab. Die Papiere, die der Agentur für Desinformation und Einflussnahme (SDA) zugeschrieben werden, offenbaren Pläne für verdeckte Operationen, die von islamfeindlichen Anschlägen in Paris bis zur Unterwanderung von Meinungsführern in den USA und Frankreich reichen. Ziel ist es, tiefe gesellschaftliche Risse zu erzeugen und die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.
Geplante Provokationen mit schwerwiegenden Folgen
Die Enthüllungen zeigen, dass hinter den sogenannten „kognitiven Schlägen“ ein ausgeklügeltes System steckt. In einem besonders drastischen Fall wurden serbische Staatsbürger für einen Anschlag auf eine Pariser Moschee rekrutiert, bei dem Schweinsköpfe und Blutattrappen verwendet wurden. Die Gerichte stellten fest, dass die Operation dazu dienen sollte, religiöse und nationale Intoleranz zwischen Muslimen und Juden anzustacheln. Parallel dazu beschmierten dieselben Täter die Pariser Holocaust-Gedenkstätte und Synagogen mit grüner Farbe. Die geplanten Aktionen zielten darauf ab, die Sicherheitslage in Frankreich und Deutschland zu destabilisieren.
Laut den Dokumenten koordinierte die in Russland ansässige SDA die Kampagnen. Ein zentraler Akteur ist eine Person mit dem Pseudonym „Kristin Kiler“, hinter der sich die Kreml-Mitarbeiterin Sofia Zakharova verbirgt. In den Chats gibt sie Anweisungen und berichtet über die Budgets. In einer Nachricht erwähnt sie sogar, dass man die Zustimmung von Sergei Kiriyenko, dem Stellvertreter des russischen Präsidialamtschefs, abwarte. Die Operationen sind als „nicht offen pro-russisch“ konzipiert, um die wahre Herkunft zu verschleiern.
Meinungsmacher als Trojanische Pferde nutzen
Die geleakten Dateien belegen zudem den Versuch, über westliche Meinungsführer Einfluss zu nehmen. So wurde der französische Ex-General Dominique Delawarde als Sprachrohr für die These „Russland gewinnt, der Frieden kommt zu Moskaus Bedingungen“ gewonnen. Ein Interview mit ihm erschien kurz vor seinem Tod im April 2025 auf TASS. Ähnlich verhielt es sich mit dem pensionierten US-General Paul Vallely. Die Dokumente beschreiben, dass über eine israelische Radiostation ein Interview platziert wurde, in dem Vallely einen schnellen Machtwechsel in Kiew und eine Annäherung zwischen Russland und dem Westen vorhersagte. Ob Vallely sich der russischen Steuerung bewusst war, bleibt unklar; er selbst gab an, sich nicht an das Interview zu erinnern.
Die Agentur verfolgt dabei eine langfristige Strategie. Experten wie James Pamment von der Universität Lund warnen vor einem „gefährlichen Eskalationsmuster“. Die Gefahr liege nicht in den einzelnen Aktionen, sondern in ihrer kumulativen Wirkung, die das Vertrauen in demokratische Institutionen untergrabe. Ein Analyst des Hybrid CoE in Helsinki betont, dass die Effekte oft erst nach Jahren sichtbar würden – und dann zu spät seien.
Pläne für 2026: KI-gesteuerte Desinformation
Die geleakten Dokumente enthalten auch bereits konkrete Projekte für das Jahr 2026. Unter dem Titel „Projekte 2026“ sind acht Vorhaben aufgelistet, die teilweise schon gestartet sind. Dazu gehört eine KI-gesteuerte Wissensdatenbank für Deutschland, die über 200.000 Seiten füllen soll. Ein weiteres Projekt ist die Website „World Center for Strategic Studies“, die westliche Think Tanks beeinflussen soll. Für Frankreich ist ein Tool zur Überwachung der 100 einflussreichsten Oppositions-Meinungsmacher geplant. Zudem wird an einem „AI News“-Projekt gearbeitet, das Hunderte von Videos auf sozialen Netzwerken verbreiten soll.
Besonders ambitioniert ist der Plan „Mitteleuropa“, der darauf abzielt, die Visegrád-Gruppe zu sprengen und ein neues Bündnis unter Führung Österreichs, Ungarns und der Slowakei zu schmieden. Diese Operationen laufen offenbar unter den Augen der russischen Präsidialverwaltung, die die Budgets kontrolliert und sogar die Bewegungen des SDA-Chefs Ilya Gambashidze überwachen lässt. Ein Sicherheitsleak aus dem Jahr 2024 zeigte, wie detailliert die Überwachung der eigenen Leute ist: In den Chats wird diskutiert, die Webcams von Dienstlaptops physisch zu entfernen und auf russische VPN-Dienste umzusteigen.


