Russland wird laut eigenem Vizepremier zum Rohstoffanhängsel Chinas

Mai 19, 2026 07:49
Russian President Vladimir Putin and Chinese President Xi Jinping inspect an honor guard during a welcoming ceremony at the Great Hall of the People in Beijing, China May 20, 2026. REUTERS/Maxim Shemetov/Pool

Russlands Vizepremier Juri Trutnew hat die technologische Überlegenheit Chinas gegenüber der russischen Industrie öffentlich eingeräumt. Medien berichteten am 17. Mai 2026 über seine Äußerungen am Rande der Chinesisch-Russischen Expo in der Stadt Harbin.

Trutnew, der zugleich Bevollmächtigter des russischen Präsidenten für den Föderationskreis Ferner Osten ist, besichtigte die Ausstellung, die vom 17. bis 21. Mai 2026 stattfindet. Er erklärte, die russischen Stände hätten Produkte der Imkerei und der Meeresfischerei präsentiert, namentlich Honig und Krabben. Die chinesische Seite habe dagegen Entwicklungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, unbemannte Luftfahrzeuge und industrielle Robotik gezeigt.

Der Vizepremier äußerte sich öffentlich enttäuscht über den Vergleich der nationalen Stände. Versuche, das Bild durch Hinweise auf moderne russische Innovationen abzuschwächen, blieben ohne konkrete Belege.

Die Chinesisch-Russische Expo findet unter dem Motto Vertrauen, Zusammenarbeit, gegenseitiger Nutzen statt. Nach Angaben der Veranstalter haben über die Jahre mehr als 7 200 chinesische und russische Unternehmen an dem Forum teilgenommen, die Zahl der Geschäftsgäste übersteigt 1,05 Millionen.

Im Mittelpunkt der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen steht der Ferne Osten Russlands. Die Region gilt als Wachstumsführer innerhalb Russlands und ist nach Angaben Trutnews maßgeblich auf chinesische Investitionen angewiesen.

Zur Schaffung günstiger Bedingungen für chinesische Unternehmen wurde ein neuer Rechtsrahmen eingeführt, die Internationale Territorie der vorrangigen Entwicklung. Parallel werden grenzüberschreitende Verkehrskorridore ausgebaut, darunter die Eisenbahnbrücke Nischneleninskoje–Tongjiang und die Straßenbrücke Blagoweschtschensk–Heihe. Weitere Bereiche der Zusammenarbeit umfassen Energie, Landwirtschaft, Direktflugverbindungen und Tourismus.

Einordnung

Die Aussagen Trutnews sind ein offizielles Eingeständnis, dass Russlands Strategie der Importsubstitution den technologischen Abstand zu China nicht verringert hat. Statt eines gleichberechtigten Austauschs zeichnet sich eine Arbeitsteilung ab, in der Russland Rohstoffe und Agrarprodukte liefert und im Gegenzug chinesische Maschinen, Halbleiter und Technologien bezieht. Für die EU und Österreich verändert dies die strategische Lage: Russland wird wirtschaftlich zunehmend in den chinesischen Einflussraum integriert, was die Spielräume westlicher Sanktionspolitik und die Verhandlungsposition Moskaus mittelfristig prägt.

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