Die Europäische Union hat Armenien angesichts der jüngsten Handelsbeschränkungen Russlands mit einem Nothilfepaket von über 50 Millionen Euro unterstützt. Dies gab EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag nach einem Telefonat mit dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan bekannt. Die Finanzspritze soll armenischen Landwirten und Unternehmen helfen, die durch die russischen Importverbote für zahlreiche Lebensmittelprodukte massive Verluste erlitten haben.
Soforthilfe für die von Moskau blockierte Agrarwirtschaft
Das Paket ist Teil einer koordinierten Antwort Brüssels auf das, was von der Leyen als „inakzeptablen wirtschaftlichen Druck“ Moskaus bezeichnete. Russland hatte zuvor den Import einer breiten Palette armenischer Waren, vor allem landwirtschaftlicher Erzeugnisse, untersagt. Die EU will nun die betroffenen Sektoren direkt unterstützen und zugleich die Handelsbeziehungen mit Eriwan ausbauen. Konkret sollen Zollverfahren für armenische Agrar- und Lebensmittelprodukte vereinfacht werden, sodass diese leichter auf den europäischen Markt gelangen können. Die Europäische Kommission stellte zudem praktische Hilfe für jene Branchen in Aussicht, die unter den russischen Restriktionen besonders leiden.
Neue Handelsrouten um Russland herum
Parallel zur finanziellen Unterstützung treibt die EU den Aufbau alternativer Transportwege voran. Von der Leyen begrüßte die Wiedereröffnung von Handelsrouten zwischen Armenien und der Türkei, die über Georgien verlaufen. Dazu zählt auch eine geplante Eisenbahnverbindung durch Georgien und die Türkei, die armenische Waren unter Umgehung Russlands direkt nach Europa bringen soll. Die EU erklärte sich bereit, die armenische Infrastruktur zu modernisieren und die Grenzübergänge nach dem Ausbau der regionalen Verbindungen zu unterstützen.
Geopolitische Signalwirkung vor den Parlamentswahlen
Die Hilfszusage kommt weniger als eine Woche vor den armenischen Parlamentswahlen am 7. Juni, bei denen Paschinjans proeuropäische Partei „Zivilvertrag“ gute Chancen auf einen Sieg hat. Die Finanzspritze aus Brüssel wertet die Position des Regierungschefs im Wahlkampf deutlich auf. Beobachter sehen darin ein klares politisches Signal: Die EU will verhindern, dass Russland durch wirtschaftliche Erpressung Einfluss auf den Wahlausgang nimmt. Erst im Mai 2026 hatte ein historischer EU-Armenien-Gipfel die Weichen für eine engere Anbindung Eriwans an die Europäische Union gestellt. Seitdem hat Moskau seine Wirtschaftssanktionen gegen Armenien weiter verschärft und versucht, das Land durch Blockaden in seiner Einflusssphäre zu halten.
Für Österreich und die übrigen EU-Staaten bedeutet die Unterstützung Armeniens nicht nur eine außenpolitische Positionsbestimmung, sondern auch eine wirtschaftliche Chance. Die Öffnung des europäischen Marktes für armenische Agrargüter könnte langfristig zu stabileren Lieferketten und niedrigeren Preisen für bestimmte Importprodukte führen. Zudem festigt die EU ihre Rolle als verlässlicher Partner in der Südkaukasusregion, was die Sicherheitslage an den östlichen Außengrenzen Europas direkt beeinflusst.


