Tijjani Reijnders: Von der Supermarkt-Kassa zur WM-Bühne
ZVOLL. Der niederländische Fußballspieler Tijjani Reijnders erlebte ein wechselhaftes WM-Debüt, als seine Mannschaft am vergangenen Sonntag gegen Japan ein 2:2-Unentschieden erzielte. In der 70. Minute ausgewechselt, beobachtete der 27-Jährige, wie Daichi Kamada in der Schlussminute den Ausgleich erzielte. Reijnders, der heute für Manchester City spielt, erlebte vor rund acht Jahren einen entscheidenden Wendepunkt, als er noch als Kassierer bei Aldi – in Österreich als Hofer bekannt – arbeitete. Darüber berichtet Welt Stimme.
Im Alter von 19 Jahren hatte Reijnders seinen ersten Job als Kassierer, nachdem seine Mutter ihn dazu drängte, während er selbst mit dem Gedanken spielte, professionellen Fußball zu spielen. „Als ich 19 war, war das mein Job“, erinnert er sich. Jeden Tag radelte er zur Arbeit und verbrachte vier Stunden mit dem Einscannen von Lebensmitteln. Trotz seiner Ambitionen als Fußballer war es kein einfacher Weg. „Ich lebte bei meinen Eltern, und eines Tages sagt meine Mutter: ‚Tijjani, du musst dir jetzt wirklich einen Job suchen. Du bist jetzt erwachsen.‘“
Die Eingabe seiner Mutter auf einem Bewerbungsformular führte dazu, dass Reijnders trotz seiner Vorstellung, die Stelle nicht zu bekommen, eingestellt wurde. „Ich gab mein Bestes, die Stelle nicht zu bekommen. Aber am nächsten Tag rief der Filialleiter an: ‚Du fängst morgen an.‘“
Der Einfluss der Eltern
Reijnders, dessen Vater Martin ein ehemaliger Profispieler ist, war talentiert, fand sich jedoch in einer Sackgasse wieder, als er nach einem Wechsel zurück zu PEC Zwolle im U19-Team kaum Spielzeit bekam. Sein Vater stellte ihm direkt die unangenehme Wahrheit vor: „Ich würde dich auch nicht aufstellen. Wenn du so weitertrainierst, kannst du für mein Team in der vierten Liga spielen.“ Die harte Kritik führte zu einem Weckruf. „Wenn dich nicht einmal deine eigene Mutter verteidigen kann, kannst du dir nicht länger etwas vormachen“, reflektiert Reijnders.
Diese Erkenntnis veranlasste ihn, härter zu arbeiten. „Ich trainierte doppelt so viel, schob Sonderschichten und verbesserte mich im Fitnessstudio.“ Schon bald machte sich der Einsatz bezahlt: er wurde in die erste Mannschaft von PEC Zwolle berufen und wechselte später zu AZ Alkmaar. Während seiner Zeit bei PEC Zwolle strahlte er jedoch noch nicht die nötige Risikobereitschaft aus.
Der Anreiz
Um Reijnders dazu zu bringen, mutiger zu spielen, schloss er mit seinem Vater einen Deal ab: Für jeden Schuss auf das Tor erhielt er 50 Euro. Im Gegenzug musste er für jedes Spiel ohne eigenen Schuss 50 Euro bezahlen. Der Vertrag half ihm, in der nächsten Saison aufzufallen. 2023 folgte der Wechsel zum AC Milan und dann im Sommer zu Manchester City.
Heute steht der 27-Jährige auf der größten Bühne des Fußballs. Sein erster WM-Auftritt war holprig, doch ihm wird bereits eine zweite Chance geboten: Am Samstag steht das Spiel gegen Schweden an (19 Uhr MESZ).


