Russlands Kriegsfinanzierung treibt Haushaltsdefizit und belastet Banken und private Kreditnehmer

August 18, 2026 16:40
Russlands Kriegsfinanzierung treibt Haushaltsdefizit und belastet Banken und private Kreditnehmer
Russlands Kriegsfinanzierung treibt Haushaltsdefizit und belastet Banken und private Kreditnehmer

Russlands föderales Haushaltsdefizit ist bis Ende Juli 2026 auf 6,46 Billionen Rubel gestiegen. Das entspricht 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung und liegt deutlich über dem Jahresplan von 3,8 Billionen Rubel beziehungsweise 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine erhöht damit den Druck auf den Staatshaushalt, den Anleihemarkt und das russische Bankensystem.

Die Entwicklung wird in einer Analyse zum wachsenden russischen Budgetdefizit und den OFZ-Beständen der Banken im Zusammenhang mit der zunehmenden Verschuldung des Staates beschrieben. Im Juni wurde der ursprüngliche Budgetplan angepasst. Das Finanzministerium erhielt zugleich weitreichende Möglichkeiten, die Aufnahme von Mitteln am heimischen Markt über OFZ – russische Bundesanleihen – auszuweiten.

Defizit übertrifft Jahresplan

Das Defizit von 6,46 Billionen Rubel nach sieben Monaten übersteigt den ursprünglichen Jahresplan um mehr als 2,8 Billionen Rubel. Einschließlich der regionalen Haushalte wird das Defizit der gesamten russischen Haushaltsebene bereits auf 8 bis 9 Billionen Rubel geschätzt. Für die Finanzierung dieser Lücke setzt Moskau vor allem auf den inländischen Kapitalmarkt, nachdem der Zugang zu günstiger externer Finanzierung infolge der internationalen Sanktionen weitgehend verloren gegangen ist.

Das Finanzministerium hat seine Möglichkeiten zur Ausgabe von OFZ ausgeweitet. Zugleich zeigt die Entwicklung am Markt, dass die Behörde Anleihen nicht zu beliebigen Bedingungen platzieren kann. Im Sommer wurden bereits zweimal Auktionen zur Ausgabe von OFZ abgesagt. Im Juli nahm der Staat über diese Wertpapiere lediglich 9,1 Milliarden Rubel ein. Das war der niedrigste Monatswert seit September 2022.

Analysten rechnen dennoch mit einer deutlichen Ausweitung des staatlichen Finanzierungsprogramms. Das jährliche Platzierungsvolumen könnte von ursprünglich geplanten 5,5 Billionen Rubel auf 6 bis 8 Billionen Rubel steigen. Größeres Gewicht dürften dabei OFZ mit variablem Kupon erhalten. Diese Konstruktion soll die Nachfrage nach umfangreicheren Emissionen sichern.

Großbanken werden zu zentralen Abnehmern

Die wichtigsten Käufer neuer OFZ sind systemrelevante russische Banken. Ihr Bestand an Staatsanleihen stieg von rund 9 Billionen Rubel vor Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine auf etwa 20 Billionen Rubel im Sommer 2026. Zwischen Jänner 2024 und Juni 2026 erwarben die Institute bei Auktionen OFZ im Wert von 7,5 Billionen Rubel. An den Sekundärmarkt verkauften sie im selben Zeitraum lediglich Papiere im Umfang von 2,6 Billionen Rubel.

Damit verbleibt ungefähr zwei Drittel der Neuemissionen in den Bilanzen der großen Banken. Der Anteil von OFZ an den Bankaktiva stieg zwischen 2019 und 2026 von 6,9 auf 9,0 Prozent. Eine unmittelbare Gefahr für die Finanzstabilität wird daraus bislang nicht abgeleitet. Die wachsenden Bestände binden jedoch Liquidität, die für Kredite an Unternehmen und andere Teile der Realwirtschaft zur Verfügung stehen könnte.

Besonders unter Druck geraten bei einem größeren Angebot mittlere und langfristige Anleihen mit fixem Kupon. Steigende Renditen senken den Marktwert bereits ausgegebener Papiere. Für Banken entsteht damit ein Bewertungsrisiko. Der Ausfall des russischen Staates wird zwar als wenig wahrscheinlich eingeschätzt, das Zinsrisiko und das Risiko negativer Neubewertungen nehmen jedoch zu.

Fast 12 Billionen Rubel aus den OFZ-Portfolios werden von den Banken nicht zum aktuellen Marktwert, sondern zu den Anschaffungskosten bei Haltung bis zur Fälligkeit bilanziert. Dadurch müssen hohe Buchverluste nicht unmittelbar ausgewiesen werden. Ein Verkauf der Papiere könnte bei anhaltend hohen Zinsen dagegen zu erheblichen bilanziellen Belastungen führen.

Hohe Zinsen belasten Staat und Wirtschaft

Die Ausgabe von Anleihen mit variablem Kupon beseitigt das Zinsrisiko nicht. Bei einer weiterhin straffen Geldpolitik der russischen Zentralbank steigen die Kosten für diese Schulden, wenn das Zinsniveau hoch bleibt. Der Leitzins liegt im Sommer 2026 bei 14 Prozent. Das verteuert Kredite für Haushalte und Unternehmen und schränkt deren finanzielle Spielräume ein.

Gleichzeitig verstärken die staatlichen Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine den Inflationsdruck. Die offizielle Inflationsrate wird für den Sommer 2026 mit 6,0 Prozent angegeben. Die von der Bevölkerung wahrgenommene Teuerung liegt dagegen bei 15 bis 15,6 Prozent. Um einen weiteren Anstieg der Preise zu bremsen, hält die Zentralbank an einer restriktiven Geldpolitik fest.

Die politischen Versprechen der Regierungspartei Einiges Russland zielen auf die Sicherung der Einkommen, eine Verringerung der Armut und stabile Preise. Den Angaben im vorliegenden Material stehen diesen Zielen die hohen Kriegsausgaben, die steigenden Finanzierungskosten und die eingeschränkte Kreditvergabe gegenüber. Für private Haushalte bedeutet das eine geringere reale Kaufkraft. Unternehmen müssen sich zugleich auf teurere Finanzierungen und eine geringere Verfügbarkeit von Krediten einstellen.

Mehr Anleihen und höhere Belastungen für den Haushalt

Mit dem raschen Anstieg der Staatsschulden wächst auch der Anteil der Budgetmittel, der für Zinszahlungen benötigt wird. Das Finanzministerium nimmt deshalb weiterhin zu hohen Zinssätzen Geld auf. Die Ausweitung der OFZ-Emissionen erhöht den Finanzierungsdruck am heimischen Markt und belastet insbesondere bereits ausstehende mittel- und langfristige Anleihen.

Die verfügbaren Kapazitäten des russischen Anleihemarktes reichen nach den vorliegenden Einschätzungen nicht aus, um das wachsende Defizit vollständig und dauerhaft zu decken. Als zusätzliche Einnahmequellen stehen daher eine strengere Fiskalpolitik, höhere Steuern, der Abbau von Steuervergünstigungen und zusätzliche Abgaben im Raum. Diese Maßnahmen würden die Ertragslage der Unternehmen schwächen und könnten über höhere Kosten auch die Preise für Verbraucher weiter erhöhen.

Die Finanzierungslücke, die wachsenden OFZ-Bestände der Banken und die hohe Inflation bleiben damit eng mit der weiteren Entwicklung der russischen Staatsfinanzen verbunden.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Treibstoffpreise steigen unabhängig vom Rohölpreis in Österreich
Vorheriger artikel

Treibstoffpreise steigen unabhängig vom Rohölpreis in Österreich

Armenien vertieft Verteidigungskooperation mit Indien und verringert Abhängigkeit von Russland
Nächster artikel

Armenien vertieft Verteidigungskooperation mit Indien und verringert Abhängigkeit von Russland

Nicht verpassen