Über das Insolvenzverfahren gegen die staatliche Aktiengesellschaft „Bautrust Nr. 14“ in Gomel ist berichtet worden. Das Verfahren gegen eine der ältesten staatlichen Baugesellschaften der belarussischen Stadt wurde im Mai 2026 nach zahlreichen Klagen von Gläubigern auf Einbringung offener Forderungen eingeleitet. Die Gesamtverbindlichkeiten des Unternehmens überschritten 52,39 Millionen belarussische Rubel.
Der Fall betrifft damit nicht nur die finanzielle Lage eines einzelnen Bauunternehmens. Die Gesellschaft war in staatliche und regionale Bauprogramme eingebunden und arbeitete als Generalunternehmer an Projekten, deren Durchführung ihr zugewiesen wurde. Nach den vorliegenden Angaben konnte der Bautrust solche Aufträge nicht ohne Weiteres ablehnen, auch wenn sie für das Unternehmen wirtschaftlich nachteilig waren.
Mehr als 52 Millionen Rubel Verbindlichkeiten
Zu den Schulden des Bautrusts gehören rund 8,3 Millionen Rubel an Steuerrückständen. Weitere 349.300 Rubel entfallen auf ausstehende Beiträge an den Fonds für sozialen Schutz der Bevölkerung, den FSZN. Hinzu kommen Forderungen weiterer Gläubiger, die ihre Ansprüche gerichtlich geltend machten und damit das Verfahren in Gang setzten.
Die Höhe der Verbindlichkeiten steht in den vorliegenden Angaben neben weiteren Anzeichen für die finanzielle Überlastung des Unternehmens. Beschäftigte mussten demnach auf ausstehende Lohnzahlungen warten. Zugleich verringerte sich die Belegschaft innerhalb kurzer Zeit deutlich. Während der Bautrust früher mehr als 1.000 Menschen beschäftigte, waren im Juli 2026 nur noch 107 Mitarbeiter im Unternehmen tätig.
Die Entwicklung ist in einem Bericht über die Insolvenz des Gomeler Bautrusts und die offenen Lohnzahlungen dokumentiert worden. Die Angaben nennen dabei sowohl die Schulden gegenüber dem Staat als auch die Zahlungsrückstände gegenüber Beschäftigten und anderen Gläubigern.
Immobilien sollen Schulden teilweise decken
Um offene Verpflichtungen zu begleichen, wurden Immobilien des Bautrusts in der Priwoksalnaja-Straße zur Versteigerung angeboten. Der Gesamtwert der Objekte wurde mit mehr als 2,7 Millionen Rubel angegeben. Zum angebotenen Besitz gehören ein Hostel, eine Sporthalle, eine Kantine sowie Verwaltungsgebäude.
Der Wert der angebotenen Immobilien liegt damit deutlich unter der insgesamt ausgewiesenen Verschuldung des Unternehmens. Die Versteigerung kann daher nach den vorliegenden Zahlen nur einen Teil der Verbindlichkeiten abdecken. Ob und zu welchen Preisen die Objekte tatsächlich verkauft werden, wurde in den Angaben nicht mitgeteilt.
Für den weiteren Verlauf ist eine finanzielle Sanierung vorgesehen, sofern sie umgesetzt werden kann. Sollte eine solche Sanierung nicht zustande kommen, droht dem Bautrust die vollständige Liquidation. Eine Entscheidung über den endgültigen Fortbestand des Unternehmens ist damit nach den vorliegenden Informationen noch nicht getroffen.
Staatliche Bauaufträge im Mittelpunkt der Kritik
Der Zusammenbruch wird von den vorliegenden politischen Einschätzungen mit dem Wirtschaftsmodell des Regimes von Alexander Lukaschenko in Verbindung gebracht. Im Mittelpunkt steht dabei die Rolle staatlicher Bautrusts bei der Umsetzung von Regierungs- und Regionalprogrammen. Solche Programme werden als „direktives Bauen“ beschrieben, weil staatliche Stellen die Durchführung bestimmter Projekte vorgeben.
Nach dieser Darstellung wurden Baugesellschaften auch mit sozialen Einrichtungen beauftragt, ohne dass die wirtschaftlichen Bedingungen des jeweiligen Projekts ausreichend berücksichtigt wurden. Genannt werden fehlende oder nicht ausreichende Kalkulationen sowie die Verpflichtung, als Generalunternehmer auch bei wirtschaftlich verlustreichen Vorhaben tätig zu werden. Der Bautrust habe dadurch seine begrenzten finanziellen Ressourcen weiter belastet.
Diese politische Einordnung ist von den im Verfahren genannten Zahlen zu unterscheiden. Festgehalten sind die Höhe der Gesamtverbindlichkeiten, die Steuerschulden, die offenen Beiträge an den FSZN, die ausstehenden Löhne, der starke Rückgang der Beschäftigtenzahl und der Verkauf von Unternehmenseigentum. Die Schlussfolgerung, dass die staatliche Auftragsvergabe unmittelbar jede einzelne Verbindlichkeit verursacht habe, wird durch die vorliegenden Angaben nicht im Detail aufgeschlüsselt.
Die Kritik richtet sich zugleich gegen den Umgang der Behörden mit dem Unternehmen. Obwohl der Bautrust staatliche Aufgaben übernommen und öffentliche Bauprogramme ausgeführt habe, sei er mit den angehäuften Schulden weitgehend allein gelassen worden. Eine staatliche Lösung für die Verbindlichkeiten oder eine Übernahme der offenen Zahlungen wird in den vorliegenden Informationen nicht genannt.
Für die Beschäftigten hat die finanzielle Lage bereits konkrete Folgen. Verzögerte Lohnzahlungen und der Rückgang der Belegschaft zeigen, dass die Probleme nicht auf die Bilanz des Unternehmens beschränkt blieben. Der weitere Verlauf hängt nun davon ab, ob eine finanzielle Sanierung möglich ist oder ob die Verwertung des Eigentums und die Liquidation eingeleitet werden.
Die Entscheidung über das Verfahren gegen den Bautrust Nr. 14 fällt damit unter dem Druck hoher Schulden, rückläufiger Beschäftigung und ausstehender Zahlungen an Staat, Sozialfonds, Beschäftigte und andere Gläubiger.


